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14.06.2006
Christa Hubrig, Peter Herrmann: Lösungen in der Schule. Systemisches Denken in Unterricht, Beratung und Schulentwicklung
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Carl-Auer-Verlag Heidelberg 2005
270 Seiten, kartoniert
Preis: 24,95 €
ISBN: 3896704540 |
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Carl-Auer-Verlag

Jürgen Kriz, Osnabrück:
Mit
diesem Buch wenden sich die beiden Autoren sowohl an LeserInnen, die
sich über Konzepte systemischen Arbeitens in der Schule einführend
informieren wollen, als auch an jene, die praktische Anregungen suchen.
Um gerade die letzteren Interessenten zu einer Auseinandersetzung mit
der Theorie zu bewegen, wird gleich mit einem praktischen
Supervisionsbeispiel begonnen, bei dem eine der vielen Varianten von
Skulpturarbeit im Zentrum steht. Diese Idee finde ich im Grundsatz gut,
allerdings ist das Beispiel – wie eben auch die Realität – recht
komplex: Ob sich also wirklich „Neulinge“ im Bereich des systemischen
Denkens hier vom Text einladen lassen oder ob sie überfordert und
verwirrt werden, wage ich nicht zu entscheiden. Bei Kenntnissen,
Vorerfahrungen oder beim Einsatz dieses Beispiels in der Lehre – wo
Rückfragen gestellt werden können – dürfte dieser Einstieg allerdings
recht positiv aufgenommen werden. So motiviert, wird der Leser dann
mit zentralen theoretischen Grundlagen systemischer Arbeit vertraut
gemacht – wobei die Autoren erfreulicherweise Ihr Versprechen
einhalten, nämlich sich wirklich durchgehend auf Schule zu beziehen.
Aus systemtheoretischer Sicht könnte man hier versucht sein, die eher
pragmatisch orientierte Darstellung zu kritisieren, die manches
holzschnittartig belässt und tiefer gehende Herleitungen ausspart.
Angesichts der Zielgruppe finde ich aber den gewählten Grad an
„sophistication“ recht gelungen: Die Darstellung ist informativ und
interessant und wird daher wohl auch weniger häufig überblättert, als
dies bei einer detaillierteren oder noch fundierteren Darstellung
theoretischer Grundlagen zu befürchten wäre. Der dritte Teil ist
der Umsetzung systemisch-lösungsorientierten Denkens im
Unterrichtsalltag gewidmet. In mehreren Kapiteln stehen dabei die
systemischen Kontexte problematischen Schülerverhaltens und die
Möglichkeiten für Veränderungen im Kontext des Unterrichts im Zentrum.
Auch hier findet sich die für dieses Buch typische Mischung aus
konkreten Beispielen und grundlegenden Prinzipien, die in der Arbeit
zum Ausdruck kommen – eine Mischung, die auch nach meinen Erfahrungen
LehrerInnen suchen. Da bei problematischem Schülerverhalten allerdings
besonders Beratungslehrer im Rahmen systemischer Einzelfallberatung
gefragt sein werden, ist der 4. und längste Teil dieses Buch speziell
an diese Gruppe und ihre Probleme adressiert. Hier werden die Autoren
durch längere „Falldarstellungen“ von Beratungen sogar noch stärker
praxisorientiert als in den drei Teilen zuvor. Aber auch hier
fokussieren systematische Zusammenstellungen von Prinzipien und
Vorgehensweisen immer wieder auf die Vermittlung einer systemischen
Perspektive und die Problematisierung von zu einseitig kausalen
Interventionen. Sehr hilfreich für Lehrer dürfte auch die von
Fallvignetten durchzogene Diskussion lösungsorientiert Arbeit bei 13
speziellen Schulproblemen sein, die von Angst über
Aufmerksamkeitsstörung bis hin zu Mobbing und Suizid reichen. Dem
Spektrum der Suchtsymptomatiken in der Schule ist ein weiteres Kapitel
gewidmet. Insgesamt ist den Autoren damit ein Buch gelungen, das
sowohl in der Lehrer(aus)bildung eingesetzt werden kann wie auch in
Eigenlektüre vielen im Schulsystem Hinweise und Anregungen gibt, die
oft zu eingeengten und wenig hilfreichen Ursache-Wirkungs-Modelle
zumindest um komplexere lösungsorientierte und narrative Perspektiven
zu erweitern. Dass diese wichtig sind, um den vielfältigen
Zusammenhängen, in die das System „Schule“ bzw. „Unterricht“
eingebettet ist, besser gerecht werden können, wird nicht zuletzt in
diesem Buch deutlich vor Augen geführt. Leider gehört auch dieser
Band zu jenen Arbeits-Büchern, die heute immer noch ohne Begriffs- und
Autoren-Register veröffentlicht werden (und das im Zeitalter des
Computers, der dabei eine große Hilfe wäre). Damit bleibt der
Text nach dem ersten Lesen für schnelles Nachschlagen verschlossen -
ein mir unverständlicher Mangel an Leser-Service. Insgesamt aber
handelt es sich fraglos um ein gutes und empfehlenswertes Werk, dem ich
eine große Verbreitung wünsche, damit angemessenes Denken in größerem
Umfang in unsere Schulen einziehen möge.

Eine Rezension von Detlef Rüsch für socialnet.de
Zur Website des Instituts für systemische Lösungen in der Schule, das von den Autoren betrieben wird
Eine weitere Rezension von Heiner Wichterich in learn-line.nrw.de

Verlagsinformation:
"Wer
als Pädagoge zum ersten Mal mit systemischen Sichtweisen in Berührung
kommt, für den tut sich eine neue Welt auf. Für Lehrer bieten sie die
Chance, ein neues Verständnis, eine neue Haltung und neue
Handlungsmöglichkeiten für den Schulalltag zu finden. Christa Hubrig
und Peter Herrmann wenden in diesem Buch das systemische Denken auf
alle praktischen Belange des Unterrichts, der Schulentwicklung und der
schulischen Beratung an und machen es an Beispielen aus dem Schulalltag
anschaulich: Kommunikation im Kollegium, Beratungsgespräche mit Eltern
und Schülern, Umgang mit speziellen Schulproblemen (z. B. destruktives
Schülerverhalten, Konzentrationsstörungen, Prüfungsangst, Gewalt,
Schulschwänzen, Sucht usw.). Das Buch berücksichtigt neueste
Ergebnisse aus der Hirnforschung und der empirischen
Unterrichtsforschung und geht auch der durch PISA aktuellen Frage nach
der Rolle des Lehrers und seiner Kompetenzen für den Unterrichtserfolg
nach. "Lösungen in der Schule" ist eine grundlegende Einführung in
die systemische Arbeit im Kontext Schule und gibt zahlreiche wertvolle
Anregungen für die tägliche Praxis."
Inhalt:
Teil I: Systemische Lösungsdynamik in der Schule 1.1 Probleme und Lösungen in der Schule 1.2 Vom Problemfokus zum Konzept der Lösungsorientierung 1.3 Ein Lösungsprozess in der Supervision 1.4 Fragen an die Systemtheorien
Teil II: Systemtheorie und Schule 2. Systemische Entwicklungspsychologie 3. Phänomene der Systemdynamik in der Organisation Schule 4. Zur allgemeinen Systemtheorie sozialer und psychischer Veränderung 5. Die Beobachtertheorie des radikalen Konstruktivismus 6. Psychologische Konzepte der Ressourcen- und Lösungsorientierung
Teil III: Systemisches Denken und Handeln im Unterricht 7. Neurobiologische Erkenntnisse über das Lernen 8. Unterrichtsforschung nach PISA: Die zentrale Rolle der Lehrerkompetenzen 9. Problematisches Schulerverhalten: Systemisches Denken über Symptome 10. Lösungsorientierung: Systemische Haltungen und Beziehungsgestaltung 11. Problematisches Schülerverhalten: Beratungsgespräche mit Eltern und Schülern 12. Problematisches Schülerverhalten: Lehrer verändern ihr Denken 13. Gesundheitliche Risiken des Lehrerberufs und Möglichkeiten zur Prävention
Teil IV: Systemisch-lösungsorientierte Arbeit von Beratungslehrern 14. Das Erstgespräch 15. Der Beratungsprozess 16. Die allgemeine Struktur systemisch-lösungsorientierten Intervenierens 17. Systemisch-lösungsorientierte Interventionsmethoden 18. Der Beratungsprozess: Intuitive Orientierung im Gespräch 19. Lösungsorientierte Arbeit bei speziellen Schulproblemen 20. Suchtsymptomatiken bei Kindern und Jugendlichen aus systemischer Sicht 21.
Systemische Faktoren bei der Implementation von Neuem in eine
Organisation: Die Einführung von lösungsorientierter Beratung
Teil V: Die Organisation "Schule" aus systemischer Sicht
Autoren:
Christa
Hubrig ist Diplompsychologin und Lehrerin. Sie unterrichtet Deutsch,
Geschichte und Politik an einem Gymnasium, wo sie auch als
Beratungslehrerin tätig ist. In dieser Funktion hat sie bisher mit ca.
700 Schülern, Eltern und Kollegen systemisch-lösungsorientiert
gearbeitet. Seit 1993 leitet sie zusammen mit Peter Herrmann das "ISIS
- Institut für systemische Lösungen in der Schule" (Köln) für
Lehrerfortbildung. Abgeschlossene Ausbildungen in
Gesprächspsychotherapie, systemischer Familientherapie und Supervision,
Hypnotherapie und als NLP-Master.
Peter Herrmann, Dr. phil.,
Studium der Erziehungswissenschaften, Soziologie und Psychologie.
Promotion in Psychologie. Ausbildungen in Pesonenzentrierter
Psychotherapie, Gestalttherapie, Systemischer Therapie, Hypnotherapie
und NLP. Seit 1981 in der Beratung und Psychotherapie tätig in
ambulanten und klinischen Kontexten. Seit 1987 in der Weiterbildung von
Lehrern und Schulleitern tätig zu den Themen systemische Pädagogik,
Beratungs- und Kommunikationsprozesse, Supervision und systemische
Organisationsentwicklung. Seit 1989 Geschäftsführer eines Consulting
Unternehmens mit dem Schwerpunkt der Implementierung systemischer
Kommunikationsstrategien und systemischer Modelle der
Organisationsentwicklung in Unternehmen. Seit 1991 geschäftsführender
Gesellschafter eines Trägers, der systemisch-lösungsorientierte
Konzepte in Kliniken, Ambulanzen und Gesundheitszentren umsetzt.
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