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Feldpost
Unter dem leicht anstößig-ironischen Titel "Feldpost" finden Sie hier regelmäßig Beiträge von systemisch orientierten Kolleginnen und Kollegen aus dem Ausland finden, die Ihnen länderspezifische strukturelle, kontextuelle und kulturelle Unterschiede und Ähnlichkeiten aus dem Feld systemischer Therapie und Beratung näherbringen werden (seit kurzem hat die Zeitschrift "Familiendynamik" übrigens auch eine Rubrik "Feldpost", allerdings mit einem allerdings anderen Programm. Einen schönen Gruß von dieser Stelle!).

Seit April 2005 veröffentlichte systemagazin in ca. sechswöchigen Abständen Briefe von Elisabeth Eisenhauer aus Palo Alto. Elisabeth Eisenhauer ist Ärztin und Marital and Family Therapist (MFT-Intern), sie lebt seit 1997
in Kalifornien. Lesen Sie ihren ersten Brief aus Palo Alto (Super- und Intervision) hier, der zweite zum Thema "acknowledgement" befindet sich hier, der dritte befasst sich mit "Stille-in-Beziehung" hier. Ab Oktober ist Elisabeth Eisenhauer wieder in Deutschland und wird deshalb keine Beiträge mehr aus Palo Alto schicken. Allerdings wird es sicher auch zukünftig Texte von ihr im systemagazin zu lesen geben.

Seit Mai 2005 ist auch Andrea Brandl-Nebehay aus Wien "auf Sendung", ihre erster Brief zum 60. Jahrestag des Weltkriegsendes hier, ihr zweiter, sehr auf- und anregender Brief mit einem Bericht über einen denkwürdigen Theaterabend, hier. Ihr neuester Brief befasst sich mit dem österreichischen System der Psychotherapie-Ausbildung.

Ab August 2005 meldet sich auch Annette Kreuz-Smolinski zu Wort, die schon vor langer Zeit von ihrer Dortmunder Heimat in den sonnigen Süden, nämlich nach Valencia in 'Spanien, gewechselt ist und nun Auskunft über die spanische Systemische und Familientherapie-Landschaft geben wird. Ihr erster Brief ist hier zu lesen.

Teresa Quintana ist Psychologin und systemische Therapeutin in Santiago de Chile, lesen Sie ihren ersten Brief über Übersetzen als Konstruktionsprozess hier.




Wieso "Feldpost"?

Offenbar erregt der Titel dieser Rubrik Unbehagen, Erstaunen, Irritation - leicht zu verstehen, ist doch der Titel Feldpost offenbar reserviert für die Briefe, die von Soldaten aus dem Kriege zu den Daheimgebliebenen geschickt worden sind ("Feldpost: militärische Posteinrichtung in Kriegszeiten. Die erste urkundlich nachweisbare Feldpost in Österreich wurde 1496 unter Maximilian I. von Sondrio eingerichtet. In Österreich-Ungarn bediente sie sich eigener Briefmarken", so das Österreichische Kulturinformationssystem AEIOU.
Dennoch möchte ich hier gerne den Begriff ein wenig dekonstruieren und (auch) für Anderes in Anspruch nehmen. Unter Zuhilfenahme des Deutschen Wörterbuches der Gebrüder Grimm kann man feststellen, dass die Wortbedeutungen von "Feld" , lat. auch campus (sic!), mannigfaltig sind, die militärische Verwendung des Wortes ist alt, aber nicht ursprünglich. Lesarten, die ich bevorzuge, haben etwas mit räumlicher Ausdehnung,  Unvertrautheit und Fremde, Freiheit und Weite zu tun, auch damit, dass man die Welt der Erkenntnis in verschiedene Felder aufteilen kann - das Schlachtfeld ist dabei nur eine der Bedeutungen.
Im akademischen Milieu ist das Wort der Feldberichte geläufig, die ein wichtiges Medium der Feldforschung sind - aber hier geht es ja nur um Briefe (
ist zu einem trost der ferne uns erfunden nicht die post? RÜCKERT; s.u.). Auch der Posten ist uns aus der militärischen Sprache vertraut, ohne gleich die Post zu diskreditieren.
Brisant ist erst die Amalgamierung der Begriffe zu "Feldpost", ein Begriff, der in seiner ironischen Verwendung für die Briefe für systemagazin nicht nur deutlich machen kann, was er für mich sein soll, nämlich eine Post von interessanten Menschen, Freunden und Vertrauten aus anderen Gegenden der Welt, sondern auch, wie jede ironische Bemerkung, auch markiert, was er eben nicht sein soll, nämlich Briefe von (vermeintlichen) Eroberern oder Verlierern.

Tom Levold


Und hier die ausführlichen Zitate aus dem Grimm'schen Wörterbuch:

FELD [Lfg. 3,7],  n. ager, campus (pl. felder, selten felde), ahd. fëld (pl. fëld und fëldir), mhd. vëlt, vëldes, alts. feld, nnl. veld, fries. fäld, field, ags. fëld, m. pl. feldas, engl. field, langob. feld (in campis patentibus, qui sermone barbarico feld appellantur. P. Diac. 1, 20). goth. filþ? in den bruchstücken steht kein pédon oder ped×on (nur  Luc. 6, 17 —pØ tàpou pedinoì, in stada ibnamma), vaggs bezeichnet den paradiesgarten, wie ahd. wanc in viel ortsnamen erscheint. altn. gilt für campus vângr, hingegen fiall, das aus fialþ, goth. filþ, wie gull aus gulþ hervorgegangen sein musz, bedeutet mons, rupes, schw. fjäll, dän. field gleichfalls rupes, denn schw. fält, dän. felt campus wurden erst später aus dem nhd. entlehnt. die abstehende bedeutung mons und campus kann den einklang der formen nicht aufheben und  [3,1475]   wird höhere einigung zulassen: als gegensatz zum gewässer ist auch das gebirge ein gefilde.
zunächst liegt, für die geschichte unsrer sprache bedeutsam, das finn. pelto gen. pellon, ager, estn. pöld gen. pöllo, lapp. päldo, bäldo, ungr. föld, mit der in dieser sprache üblichen fortschiebung des consonants und der bedeutung terra, umsomehr an alts. folda, ags. altn. föld f. terra stoszend, da die begriffe land, erde, boden, feld in einander rinnen.

halten wir uns an die bedeutungen.
1) erde und land sind allgemeine namen, die berg und thal, wald und mark, heide und feld umfassen. heide und feld sind uns die sich ausdehnende ebene im gegensatz zu gebirge und wald.

3)   insofern feld und acker dem haus und heim gegenüber stehen, nehmen sie wiederum jene vorstellung der heide an und bezeichnen das wilde, grobe, bäurische, wie wir an … agrestis sehn. in pflanzennamen wie ackerröschen, feldröschen, heideröschen drückt sich das wildwachsende im gegensatz zur gepflegten gartenblume aus.

5)   feld, campus, ohne bezug auf acker, oft auch den wald begreifend, gegensatz von haus und heim, er ist über feld, ist nicht zu hause, ist fort (s. vorhin unter 1), der bote lauft, geht, steigt über feld (2, 272); mhd.

6)   in feld haftet anderemal die vorstellung des freien, weiten, raumes:

            durch feld und wald zu schweifen.                 GÖTHE 1, 25;

            wie feld und au
            so blinkend im thau!                 1, 88;

            du wandelst jetzt wol still und mild
            durch feld und liebes thal.                 1, 110;

 die knaben spielen im felde; der gefangne ist ins freie feld entronnen; das pferd lauft ins feld hinein; und lasse den  [3,1477]   lebendigen vogel ins frei feld fliegen (vulg. et dimittet passerem vivum ut in agrum avolet). 3 Mos. 14, 7; auf freiem felde ein schöner ölbaum. Sir. 24, 19; auf dem freiem feld athmet der hirte, der landmann reine luft; ins freie feld auf einen degen zu gast laden, herausfordern. Simpl. K. 380. hieraus entspringen häufig abstracte redensarten: das feld ist frei, offen, steht frei, ungehemmt, das feld ist rein, nichts dazwischen, kein horcher da, wir können dreist, unbesorgt reden:

            lasz meine neider, meine feinde nur
            gewähren! frei und offen ist das feld.           GÖTHE 9, 197;

            zur unbedingten freiheit liesz man ihr,
            zu jedem kühnen wagnis ofnes feld.             9, 132;

            so ist das feld hier rein!                              LESSING 2, 275;

 das feld ist rein. KLINGER 11, 226; nun aber (nach Philinens abreise) da sie (Mignon) wieder freies feld gewann, trat sie mit aufmerksamkeit und liebe hervor. GÖTHE 19, 62; blosz Liane gab ihrer (Rabettens) seele und zunge freies feld. J. P. Tit. 2, 181. feld bekommen, raum, luft bekommen:

            denn so bekam der roche feld, und sie
            war hin.                                                    LESSING 2, 257.

 das feld ist weit, die sache steht weit im feld, im weiten feld: schuldwesen, welches zuvor viel jahre in der irre gegangen und weit im feld gestanden. SCHWEINICHEN 3, 13; ja, es ist noch im weiten feld. GRYPHIUS 1, 726; manigmal spielet die ungerechte welt eine klare sache, welche die Türken in einer stunde schlichten würden, ins lange feld. SCRIVER seelensch. 2, 355; ins lange feld spielen. 1, 854;

            drei jahr ist eine kurze zeit,
            und gott, das feld ist gar zu weit.                 GÖTHE 12, 99.

 blind hinein ins feld leben, glauben, schreiben, unvorsichtig, ohne die augen recht aufzuthun und ohne zu wissen wohin, blind zu: ich aber gleichwol das feld hinein alles gleubete. LUTHER 8, 35a; in den geneschigen meulern und bierflegeln, die nur inn tag on alle sorge blind feld hinein leben. MATHESIUS 25b; es nemen die schreiber geld und schreiben blind feld hinein, bis sie land und leut in einander hetzen. 119b; blind ins feld hinein gehen, wie ins feuer.

8) sehr häufig bezieht sich feld, gleich dem sl. pole, auf kampf und krieg und ist nicht nur das schlachtfeld, campus certaminis, proelii, sondern überhaupt das feld, in das ein heer zieht, in dem es lagert. das lat. campus drückt noch nicht castra aus, wol aber das it. sp. campo beides feld und lager, die fr. sprache unterscheidet sogar zwischen champ feld und camp lager: champ und champagne name der landschaft) sind natürlich nach der sprache fortgeschobne wörter, in camp und campagne haftet die alte tenuis. ob und wie schon unser ahd. champfio, chemphio, chempho, ags. cempa, altn. kappi mit it. campione, fr. champion eins sei zu untersuchen fällt nicht hierher.

12)   figürlich wird auch das menschliche wissen in felder getheilt: er ist auf allen feldern, in allen fächern bewandert; das ist nicht mein feld, schlägt nicht in mein feld ein, böhm. to nenj mé pole; da ist er ganz auf seinem felde; aber lassen mich nur erst in mein feld kommen; die principien gehören nicht in unser feld der untersuchung. KANT 2, 166; eine disciplin, welche der speculativen vernunft in diesem felde (der psychologie) grenzen setzt. 2, 322; wie sehr sich auch der bildende künstler bemüht witz zu zeigen, so ist er doch niemals dabei auf seinem feld. GÖTHE 15, 274; hier ist Lothario in seinem felde. 23, 151, wie sonst auf seinem platz, auf seiner stelle.




POST [Lfg. 13,11], f., plur. posten, im 16. jh. entlehnt aus franz. poste, ital. posta, mlat. posta (im sinne von lat. statio DU CANGE 3, 1, 382) aus lat. posita (a positis equis FRISCH 2, 67b. DIEZ4 254), der standort der zur beförderung und weiterbeförderung aufgestellten laufboten oder pferde. das (zunächst den zwecken der staatsverwaltung dienende) boten- und postwesen scheint zuerst  [13,2018]   im orient bei den Persern aufg
1)   eine (nun öffentliche) anstalt oder gelegenheit zur regelmäszigen beförderung von briefen, paketen und personen, sowie das zur beförderung dienende (bote, pferd, wagen der fahrpost oder eisenbahn, schiff). man unterscheidet (oder unterschied) die reitende, fahrende, eilende (schnelle, geschwinde), ordinäre oder extra-post. vgl. brief-, paketpost; eil-, schnell-, fahr-, reitpost; feld-, land-, stadt-, reichspost; bahnpost.
a)   post als subject: die post geht ab, kommt an, nimmt auf, befördert u. s. w.; so kam doch die selbig (eilende) post zu spat. Zimm. chr.2 3, 286, 36; jetzt kommt die post. HERMES Soph. (1776) 1, 65; da bläst die (ankommende) post. VOSS briefe 1, 330; nun bin ich fertig und warte, bis die post abgeht. d. j. GÖTHE 1, 297 (briefe 2, 2, 21 Weim.); gleich geht die post. SCHILLER an Göthe 78 (1, 172); die reitende post. 650 (5, 212); ist die post bestellt? ist aufgepackt? KLINGER theater 2, 104; die post ist abgegangen. HERMES Soph. 1, 34; da dies nicht die stunde war, wo die ordentliche post erschien. FREYTAG ahnen 6, 231;

ist zu einem trost der ferne
uns erfunden nicht die post? RÜCKERT 6, 126;

plural: örter, wo posten sind. HALLER tageb. 119 Hirzel; die posten gehen ungewiss. STIELER 182; es ist mir lieb .., dasz die posten sich wieder einrichten. ELIS. CHARL. (1877) 276; posten gehn (von Breslau) nach Berlin nicht, sind niemals nach Berlin gegangen. LESSING 12, 155; woraus ich sehe, dasz die posten zwar noch nicht mit der alten schnelligkeit, doch aber wieder ihren gang gehen. GÖTHE 43, 8; so ungleich gehen die posten hieher. an Schiller 84 (1, 184). – bildlich:

du schnelle post, o schöne sonn,
o gülden ross und wagen. SPEE trutzn. 22, 11 B.;

bis wo sich kehrt und wendet
die gülden post in stetem lauf,
so licht und strahlen spendet. 51, 55;

mein hertze war die post. das reiste stets verborgen
und brachte sich ihr selbst, sein bothe, brief und band. FLEMING 185;

komm nachtigal, du post (bote) der schönen frühlingszeit,
und lasz die eule gehn, die post der traurigkeit. pers. rosenth. 8, 35.

scherzhaft:

die post ist schon bestellt,
und ladet mich bereits auf meinen schuster-rappen. GÜNTHER 1038. 
b)   als object: die post legen (ponere, also eigentlich tautologisch), reiten, fahren, abfertigen; die post (auch ohne artikel post) bestellen, nehmen u. s. w.: es warn auch von Rom in alle land post gelegt, damit zuhant verkünt und erkant mocht werden, was in aim ietlichen land geschäch und gehandelt würd. am ersten wurden bestelt jung gesellen nit weit von einander, nur ains hers tagrais, das ainer den andern wol erreichen kunt. nachmals wurden fuer und pferd an ir stat verricht, das reimt und füegt sich das deshalben, das der, so mit brieven ausgeschickt war am ersten, mocht weiter, wo es die sach eraischt, gefragt werden. AVENTIN. 4, 631, 9; es eraischt auch unser notturft .., gelegnen orten ein post legen. BAUMANN quellen 1, 433; hiezwischen hett er stets sein post (boten) geen Rotweil. Zimm. chron.2 2, 592, 29; darauf er ein eilende post nach Leon abgefertiget seiner erledigung halb. 3, 286, 33; weil er die post reiten (als reitender postillion dienen) musz. PHILANDER (1650) 2, 145; die post reiten, veredis uti, citatis equis invehi FRISCH 2, 67a; er liesz mir sagen, ich sollte geschwind aufsitzen und nach Frankreich post reiten, um dem könig aufzuwarten. GÖTHE 35, 27;

da er die post (auf der, mit der post) gefahren,
von Dantzig an bis nach Bremen. CANITZ, Gödeke elf bücher 1, 465a;

die post nehmen: die ban .., dardurch nun die messen .. die post (reise) zu gott mögen nemmen. FISCHART bienenk. (1580) 106b;

nehmt die geschwinde post! fahrt hurtig! STOPPE Parnasz 90;

  [13,2019]   post nehmen, bestellen: ich gebe ihnen pferde bis auf halben weg, dann nehmen sie post. GÖTHE 20, 148; als er mir sagte, dasz ich ... post nehmen sollte. 35, 28; ich nahm sogleich post, reiste tag und nacht. SCHILLER 4, 349; in Siena erwartete ich die ordinaire römische post und verdung mich darauf. GÖTHE 34, 51; ich befahl meinem burschen post zu bestellen. 48, 194. 
c)   andere fügungen.
a) der post geben, übergeben u. dgl.: brief, den ich der post auf Leon zů gab. F. PLATTER 268 B.
b) auf der post reiten, fahren, abgehen, ankommen, schicken u. s. w. STIELER 182: das er auf der post fortreithen solle. ASCHHAUSEN gesandtschaftsreise 87; do schickt er seinen son ... eilends uf der post geen Insprugk. Zimm. chron.2 3, 515, 23; der bischof ... kam in eigner person uf der post dahin. 413, 30; der kam ... auf der post von Amphissa des dritten tags in die stadt Pella. RIHEL Livius 555 (per equos dispositos Livius 37, 7);

auch ist mir auf der post zůkommen
der weiber ihr verantwortung. FISCHART flöhhatz 1694 neudruck;

dasz der könig auf Rom zu reit
so gar stillschweigent auf der post. AYRER 349, 7;

da sahe ich einen auf der post eilendts daher reiten. ALBERTINUS landstörzer 501; erscholle ein geschrei, es wäre M. T. Cicero .. auf der post angelanget. PHILANDER (1650) 2, 186;

ich schick unzehlig schreiben,
die leider! auf der post .. liegen bleiben. GRYPHIUS trauersp. 280 P.;

ich hatte zwar erstlich willens ... ein fäszgen gut klebebier auf der geschwinden post mit nach Indien zu schicken. Schelmufsky (1696) 4 neudruck; zwei passagiers, welche .. auf der schnellen post davon gefahren. Felsenburg 2, 302; es ist zeit dasz ich meinen brief schliesze, wenn er noch auf der post soll angenommen werden. LESSING 12, 18; (er hat mir das buch) auf der post geschickt. der j. GÖTHE 1, 76 (briefe 1, 227, 25 Weim.); wenn der geistliche auf der post (im postwagen) bleibt. HERMES Soph. (1776) 1, 19. – auf der post auch s. v. a. schnell, mit eile FRISCH 2, 67a: auf der post zur höllen laufen, rennen. ALBERTINUS narrenhatz 244; dasz die blinden menschen zwar oft in ihr eigenes unglück auf der post rennen. LOHENSTEIN Armin. 2, 126a. 
g) auf die post geben, sich setzen u. s. w.: einen brief auf die post geben. STIELER 182; sie soll mir eine leichte küste .. auf die fahrende post anher geben. LESSING 12, 170; sich auf die geschwinde post setzen. Schelmufsky, vollständige ausgabe neudruck 97; er hat sich unterwegens auf die post gesetzet. LISCOV 132; er gehet als wenn er auf die post gienge dicitur de hominibus sine necessitate festinantibus et quasi currentibus. Alemannia 7, 88 (vom jahre 1667).
d) durch die post bekommen, erfahren u. s. w.: die zeitung (nachricht) wäre durch die schnelle post dahin gekommen. LOHENSTEIN Arm. 1, 443a; mein prinz erhielt durch eigene post unterschiedene brieffe aus Siam. ZIGLER Banise 62, 10 Bobert.
e) mit der post reisen, fahren, kommen, erhalten, berichten, schicken u. s. w.: mit der reitenden post reisen. LUDWIG 1415, mit post reisen. SEUME schriften 3, 21 Zimmerm.; sobald er (Egmont) abgeschrieben ist, schick ihn mit der reitenden post. GÖTHE 29, 41; ich bin froh mit der ordinairen post fortzukommen. HERMES Soph. (1776) 1, 14; so schreibe ich ihnen doch mit erster post (posttag) ein mehreres. LESSING 12, 114, mit der nächsten post 124, mit der nächsten umgehenden post 196, mit umgehender post ZELTER an Göthe 31 (1, 73), vgl. postwendend.
z) statt mit der post auch temporaler accusativ: ich habe euch letzte post die ursach gesagt. ELIS. CHARL. (1867) 440; ewre liebe schreiben bekomme ich .. itzunder etliche posten nach einander. (1874) 94.
h) ross zů der post erziehen, erhalten MAALER 319b; briefe, pakete zu der, nach der, von der post bringen u. s. w.; es ist heute abend zu spät für die post. W. V. HUMBOLDT briefe an eine freundin (1880) 274; neben der post (wagen) herlaufen. FREYTAG ges. werke 5, 2.
2)   die poststation (sowie die entfernung von der einen zur andern); das postgebäude, postamt, posthaus (oft zugleich als herberge, wirtshaus): bisz mitten uf den berg (Brenner) zur post. ASCHHAUSEN gesandtschaftsreise 49; er wardt uf etlichen posten dermaszen verhündert, das er .. wardt erritten. Zimm. chron.2 3, 519, 37; disen tag kamen wir uf 3 posten. KIECHEL  [13,2020] reise 60; von einer post zur andern. LUDWIG 1415; nur zwei posten von hier. FRISCH 2, 67a; münze, die er auf der nächsten post nicht brauchen kann. KNIGGE umgang3 2, 224; von der ersten post schreiben wir ihm unsern entschlusz. KLINGER theater 1, 336; zu fusz bin ich zwei posten von Neapel gekommen. GÖTHE 37, 249; diese 12¼ posten oder 24½ meile. tageb. 1, 148, 25 Weim.; wenn die posten (postämter) klagten, so wurden ihre klagen angenommen und bei seite gelegt. SEUME ges. schriften 1, 240 Zimmerm.;

sie wohnt nicht weit von hier,
fünf posten ungefähr. KÖRNER 3, 328;

er wohnt in der post (posthaus). FRISCH 2, 67a; arzt, der nicht weit von der post wohnte. THÜMMEL reise 1 (1791), 31; ich .. schickte das pferd nach der post, die vor dem thor zu Camollia angelegt war. GÖTHE 35, 17; der weg von der post hinunter in die stadt. SEUME spazierg. 179;

z'Müllen an der post (zu Müllheim im wirthshause zur post),
tausigsappermost!
trinkt me nit e guete wi! HEBEL (1843) 2, 94. 
3)   die durch die post beförderten oder zu befördernden sendungen (briefe, pakete), kaufmännisch die post abholen, expedieren u. dergl.: hier, herr Bolz, ist die post (angekommene briefe und zeitungen). FREYTAG ges. werke 3, 19 (die journalisten 1, 2).
4)   (durch einen boten oder durch die post geschickte, erhaltene) botschaft, nachricht, kunde, zeitung (auch als titel von politischen zeitungen: post, schnellpost, süddeutsche post, montagspost u. a., vgl. postzeitung): dy kaiserlich majestät het immer sein post, wie es stund. WIDMANN chronik von Regensburg 176, 19;

ich will schicken ein post
in Schotten. H. SACHS 8, 295, 24;

heut fru̔ ein post ist kommen her,
wie unser fürst heint kommen wer. 283, 28;

(da) kam eilent post von iren knechten. 697, 20;

aber im kam ein andre post. WICKRAM bilg., vorr. A 4; ob nun wohl baldt .. die post nach Liegnitz kam, dasz. SCHWEINICHEN 1, 363;

ich bote bester post. OPITZ 1, 227;

die weiber eilen schnell davon,
den jüngern post zu bringen. P. GERHARD 14, 191 Gödeke;

ein könig .. bekömpt ohngefehr die post, wie dasz sein heer den feind geschlagen ... dieser guten post habe ich mich nicht zu getrösten. pers. rosenth. 1, 11;

o gott, der frieden ist gemacht!
jetzt alleweil wird post gebracht! PHILANDER (1650) 1, 677;

wie hoch sich der herr ... über dieser (so) post erfreuet. polit. stockf. 360; hat mirs auch verbotten, post von ihm zu bringen. ped. schulfuchs 31; hastu aber keine post von deinem Kuntz? 227; ich hätte keine post von ihr, ob sie noch lebete oder ob sie todt wäre. Schelmufsky 38, vollständige ausgabe neudruck;

die harte post erklingt: dein Damon ist verlohren. schles. Helikon 2, 85;

ich mag so herber post nicht erster bote sein. LOHENSTEIN Cleop. 3, 259;

die unverhoffte post von diesen thätligkeiten
kam unserm helden vor bei sehr betrübten zeiten. BESSER 43;

die post von deiner eh gebahr uns viel vergnügen. GÜNTHER 96;

wilst du, dasz eine post von meiner sterblichkeit
... an deine thüren klopfe. 625;

kaum erscholl die schlimme post. GELLERT fabeln (1767) 1, 25;

schon erscholl die post des krieges. HERDER stimmen der völker 114;

aber, leider! erfuhr ich von einer kammerfrau .. die tödtende post. GLEIM bei Lessing 13, 108; o! allerliebste post für ihren vetter! LESSING 2, 391; und es wird abend und keine post noch da. SCHILLER 2, 222 (räuber, trauersp. 1, 3);

dicht wie ein hagelschauer
kam post auf post, jedwede schwer beladen
mit deiner thaten ruhm. 13, 18 (Macbeth 1, 6);

bestimmt wär' er, die post vom untergang des Varus
nach Rom .. zu bringen. H. V. KLEIST 2, 130 H.;

baier.-österr. einem post thun, bringen HÖFER 2, 346. SCHM.2 1, 412. LEXER 37. SCHÖPF 514; posten tragen meist im üblen sinne von zwischenträgern. ebenda.





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