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Neuvorstellung zur Übersicht
25.08.2013
Hartwig Hansen (Hrsg.): Der Sinn meiner Psychose. Zwanzig Frauen und Männer berichten
Hansen: Sinn meiner Psychose Paranus Verlag, Neumünster 2013

200 S., kartoniert

Preis: 19,95 €

ISBN 978-3-940636-24-9
Paranus-Verlag





Andreas Manteufel, Bonn

In seinem neuen Buch lässt Hartwig Hansen andere schreiben, nämlich Menschen, die eine (schizophrene) Psychose selbst erlebt und durchlitten haben, Menschen, die ihre „mal ängstigend-verstörenden, mal inspiriert-euphorischen Erlebnisse“ irgendwie überwinden, vielleicht sogar in ihr Leben integrieren konnten. Hauptverdienst dieser aktuellen Paranus-Publikationen ist es wieder einmal, einen Einblick in die subjektive Seite der Erkrankung zu gewähren. Dazu gehört, das müssen wir akzeptieren, auch das ernüchternde Bild der stationären Klinikbehandlungen, das die Autoren fast durchweg zeichnen. Das Bedauern von Dorothea Buck, der geistigen „Mentorin“ dieses Buchprojekts, dass in Kliniken viel zu wenig über das subjektive Erleben, Verstehen und auch sinnhafte Deuten psychotischer Inhalte gesprochen wird, hat nichts an Aktualität verloren.

Ich lese die Bücher aus dem Paranus-Verlag vor allem als Ermutigung, mehr zu fragen, neugieriger zu sein und sich doch wo immer es geht mehr Zeit zu nehmen, überhaupt Dialoge über Sinn zu ermöglichen. Klar ist, dass es keine eindeutigen Antworten, schon gar keine allgemeingültigen für die Frage nach dem Sinn einer Psychose gibt. Es geht mehr um das Deuten, häufig symbolische, von psychotischen Inhalten, aber auch um die Einordnung der Erkrankung in den eigenen Lebenslauf. Dabei wird in diesen Beiträgen deutlich, dass Psychose in verschiedenen Stadien eine „zerstörerische“, aber manchmal auch, zumindest zeitweise, eine „gutartige“, befreiende Wirkung für den Betroffenen haben kann. Häufig geht es in der Suche nach dem Sinn der Erkrankung um die „Lösung“ aus einem Konflikt, manchmal um den Zusammenbruch nach einem Trauma, manchmal aber auch um den notwendigen „Wendepunkt“ hin zu einer neuen Richtung, vielleicht sogar Lösung. Das wird von verschiedenen Autoren mehr oder weniger dramatisch geschildert, etwa als „Transformation“ oder aber als „Erdbeben“.

Alle Texte tragen eine ganz individuelle Handschrift, sind natürlich sehr persönlich und sehr sorgfältig formuliert, manchmal auch richtig fesselnd zu lesen. Eine wirklich lohnende Lektüre.

(mit freundlicher Genehmigung aus systhema 2/2013)



Christian Zechert, Bielefeld:

Bereits der Titel des Buches macht klar: Psychosen als ausschließlich chaotisches, befremdliches oder gar selbstschädigendes Erleben und Verhalten wahrzunehmen, wird Menschen in seelischen Krisen nicht gerecht. Hier berichten zwanzig Autorinnen und Autoren über ihre veränderten Wahrnehmungen, über Phasen tiefer Verzweiflung, über ihr Überfordertsein, aber auch vom Suchen, Verstehen und Sich-wiederfinden. Herausgerissen aus dem Normalverlauf eines bürgerlichen Lebens, hat sie ihre Suche zu einem neuen Verhältnis gegenüber ihrer Psychose geführt.

Nicht immer verbunden mit der Auflösung seelischer Turbulenzen und traumatischer Kindheitserfahrungen – aber die zwanzig Beispiele zeigen, dass ein neues, selbstbewusstes Leben und eine neue Identität trotz der Achterbahn von Gefühlen möglich sind. Eine Psychose kann reich machen an Kontakten, Erfahrungen und neuen Möglichkeiten, selbst wenn man materiell verarmt, wie Martin Stoffel schreibt. Psychose beinhaltet die Gefahr des Selbstverlustes oder die Chance der Selbstfindung, so formuliert zum Beispiel Anna P. die hilfreiche Auseinandersetzung mit ihrer Psychoseerfahrung. In allen Beiträgen eröffnet sich nach und nach eine in ihrem Reichtum, ihrer Individualität, ihrer inneren Differenzierung und Spiritualität neue Welt.

Lohnt es sich das Buch zu lesen? Uneingeschränkt ja. Hier wird kein Voyeurismus über besondere Lebensläufe bedient. Die Autorinnen und Autoren helfen uns, einen Zugang, ein Verständnis für ihre häufig dramatischen Lebens- und Krisenbewältigungen zu finden. Freunde, Angehörige, Behandler und von Krisen Betroffene sollten das Buch nutzen, um zu verstehen, was aus der Außensicht oft als unverständlich, entrückt, selbstschädigend wahrgenommen wird. Und dass es danach stets ein „Weiter“ gibt, dass eine Psychose auch Start- und nicht Endpunkt sein kann.

Bitter fällt auf, dass viele der Autorinnen und Autoren die klinische Standardbehandlung als nicht hilfreich, manche sie sogar als schädlich empfunden, ja geradezu erlitten haben. Dass sie, konfrontiert mit einem rigiden neurobiologischen Behandlungsmodell, mit rationalen Erklärungen und missachteten Wünschen herzlich wenig mit dieser Art von „Therapie“ anfangen können. Dass sie hingegen Geduld, Akzeptanz und Offenheit für spirituelle Fragen als Hilfen außerhalb des Heilmittelkatalogs sowie eine Psychotherapie, die den Namen verdient, als ungemein hilfreich empfanden.

Wundern soll uns dies nicht, denn weder in einem klassischen Krankheitsmodell noch im Heilmittelkatalog ist der „Sinn“ einer Erkrankung vorgesehen. Insofern ist dieses Buch wirklich etwas Neues. Hier sprechen Menschen über ihre veränderten psychischen Zustände radikal anders, als es die klassische Krankheitslehre vorsieht. Bereits dies macht es höchst wertvoll und fachpolitisch bedeutsam.

Dahinter steht jedoch viel mehr als „nur“ eine biografische Aufarbeitung von zwanzig Schicksalen. Das Buch ist Dokument eines neuen Selbstbewusstseins und der Fähigkeit, über etwas zu sprechen und zu schreiben, was noch vor 20 bis 40 Jahren zu einer dauerhaften Psychiatrisierung in Langzeitbereichen geführt hätte. Es ist ein Dokument des sich selbst und andere Verstehens, weit über die biografische Selbstreflexion hinaus.

Die Botschaft der Texte hat die Qualität eines Lehrbuches für Psychiatrie. Es ist jedem jungen Psychiater, jeder Psychologin und jedem Sozialarbeiter in die Hand zu drücken. Damit diese, damit wir verstehen, wie viel mehr Sinnsuche, Anstrengung und Leistung hinter dem Verhalten derjenigen steckt, die unter Psychose „leiden“, ja immer noch leiden, aber auch von ihr gelernt haben und mit ihr nunmehr leben können. Und das ist ungeheuer viel. Hiervon können wir alle lernen.

Dem Herausgeber Hartwig Hansen – als Psychologe zugleich Paar- und Familientherapeut und Supervisor – ist die Thematik aus seiner profunden Kenntnis der Psychiatrie bestens vertraut. Ihm gebührt Anerkennung dafür, nicht nur die zwanzig Texte zusammengetragen, sondern auch die Bedeutung und Leistung dieser kritischen Lebensläufe für uns erkannt und in einem hilfreichrn Nachwort eingeordnet zu haben.

(Mit freundlicher Genehmigung aus Dr. med. Mabuse Juli/August 2013)




Eine weitere Rezension von Alexa Köhler-Offierski für socialnet.de





Verlagsinformation:

Lange galten die Schizophrenie bzw. Psychosen als in sich sinnlose, unheilbare Gehirnkrankheiten, denen ausschließlich mit Medikamenten begegnet werden kann. Mittlerweile steht dieser überholten, noch immer weit verbreiteten Doktrin das Erfahrungswissen zahlreicher Betroffener gegenüber, die in ihren Psychosen einen Sinn gefunden haben. Sie sagen: Erst als ich offen wurde, um auf die Suche nach der für mich stimmigen „Botschaft“ meiner Erkrankung zu gehen, konnte ich die mal ängstigenden-verstörenden, mal inspiriert-euphorischen Erlebnisse in mein Leben integrieren. In diesem Buch berichten zwanzig Frauen und Männer, wie sie dem Sinn ihrer Psychose auf die Spur gekommen sind und warum sie ihre besonderen Erfahrungen als Bereicherung erleben.


Inhalt:

Hartwig Hansen: Eine überfällige Idee

Marina Gerdes: Meine Psychose bin ich selbst

Reinhard Wojke: Der Weg des Herzens und wie meine Psychose mich dabei begleitet hat

Anja Hesse: Es fließt. Ganz langsam. Es ist Leben, es ist Kraft.

Tuula Rouhiainen: Andere Menschen kann ich nicht ändern – nur mich selbst

Peter Mannsdorff: Die Kleinfamilie – eine illustre Staatengemeinschaft

Anna P.: Das Rätsel der Sphinx

Stephan Eberle: Ein nächtlicher Albtraum – Vorbote der Morgendämmerung

Elisabeth T.: „Sag du es ihr“, sagt die Seele zum Körper, „auf mich hört sie nicht.“

Gwen Schulz: Davonfliegen und autonom werden

Klaus Nuißl: Krankheit ist ein Weg, zu den richtigen Fragen zu gelangen

Karla Kundisch: Erst mal hören …

Sibylle Prins: Auf der Suche nach dem Paradies

Martin Stoffel: Was macht ein gläubiger Kranker in einem Heilsystem, das den Glauben ausschließt?

Britta Geishöfer: Spurensuche

Katharina Coblenz-Arfken: Worte finden statt Pillen, aufdecken statt zudecken

Jan Michaelis: Die Schöne und das Biest

Arnhild Köpcke: Der Sinn liegt im Zwischen

Wolfgang Drüding: Befreiung

Gaby Rudolf: Spiritualität ist die kostbarste Perle meiner Psychoseerfahrung

Svenja Bunt: Ich weiß, dass meine Psychose heilend war

Hartwig Hansen: Sinn, Sinn und Sinn


Über den Herausgeber:

Jahrgang 1957, Diplompsychologe, langjährig Geschäftsführer des Bonner Psychiatrie-Verlages. Heute Redaktionsmitglied des “Brückenschlag” und freier Mitarbeiter im Paranus Verlag Neumünster sowie Paar- und Familientherapeut, Coach und Supervisor in Hamburg. Diverse eigene Buchveröffentlichungen. www.hartwighansen.de



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