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Vorabdruck aus Ansgar Röhrbein: Mit Lust und Liebe Vater sein: Gestalte die Rolle deines Lebens

Röhrbein Vater sein Carl-Auer-Verlag, Heidelberg 2010 (März)

197 S., broschiert

Preis: 17,95 €

ISBN-10:  3896707329

ISBN-13: 978-3896707321

Verlagsinformation:
„ Väter sehen sich heutzutage einer Vielzahl von Erwartungen gegenüber – sie sollen einen liebevollen Umgang mit den Kindern pflegen, im Haushalt präsent sein, ihrer Partnerin gerecht werden und neben dem Beruf auch die freie Zeit sinnvoll nutzen. Wie schafft man(n) das alles, ohne dabei selbst auf der Strecke zu bleiben? Ansgar Röhrbein lädt Väter zu einer persönlichen Standortbestimmung ein. Dabei wird das Erbe der Vor-Väter genauso beleuchtet wie die eigene Partnerschaft, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die Erziehung der Kinder. Der erfahrene Familientherapeut zeigt, wie sich die Vaterrolle über die verschiedenen Familienphasen verändert und wie man sie jeweils den eigenen Bedürfnissen und denen der Partnerin bzw. der Kinder anpasst. Die eingestreuten Fragen und Übungen helfen Vätern, sich der eigenen Möglichkeiten bewusst zu werden und realistische Ziele zu setzen – sei es im Umgang mit den Kindern, in der Gestaltung der Paarbeziehung oder beim Meistern von Krisen. Beispiele aus der familientherapeutischen Praxis des Autors, Interviews mit Experten sowie Hinweise auf weiterführende Literatur in Büchern und im Internet bieten reichlich Anregungen, um der eigenen Vaterrolle ein neues Profil zu geben.

Über den Autor: Ansgar Röhrbein, Dipl.-Päd., war zunächst pädagogischer Mitarbeiter der Katholischen Familienbildungsstätte in Essen, bevor er in Lüdenscheid geschäftsführender Einrichtungsleiter im "Haus St. Josef – für Kinder, Jugendliche und Eltern" wurde. 2008 wechselte er zum Märkischen Kinderschutzzentrum in Lüdenscheid und übernahm dort 2009 die stellvertretende Leitung. Daneben arbeitet er als Lehrtherapeut des Instituts für systemische Forschung, Therapie und Beratung (isft) in Magdeburg und als freiberuflicher Dozent für verschiedene Institutionen.


Väter in besonderen (Lebens-)Situationen

»Die Welt um uns ist so bunt 
und lebendig, wie wir sie machen« 
(P. H. Stevens)

Dieses Kapitel stellt Väter in verschiedenen Lebenssituationen vor, die mit besonderen Herausforderungen oder Belastungen verbunden sind. Zu diesen Vätern gehört Kurt, dessen Sohn Dennis mit dem Down-Syndrom geboren wurde.

Ein Vater erzählt: Das Leben mit einem ganz besonderen Kind

Was macht das Leben mit meinem Sohn Dennis so besonders? Eigentlich ist das nicht in Worte zu fassen. Wir leben seit zweiundzwanzig Jahren mit ihm und somit ist das Thema Down-Syndrom nicht mehr »Gesprächsstoff Nr. 1«. Dennis sagt: »Down-Syndrom??? Damit habe ich nichts zu tun. Das habe ich abgelegt!«
In den ersten Jahren war das natürlich anders. Alles drehte sich um die Verarbeitung der Diagnose und um die entsprechenden Fördermöglichkeiten. Ich weiß es noch wie heute, was der Arzt auf meine Frage antwortete, welche Entwicklungschancen Dennis haben würde: »Da außer Down-Syndrom kein anderer Befund vorliegt, kann man nur mit Sicherheit sagen, dass er nie voll geschäftsfähig sein wird.« Ein Stich, oder sollte ich sagen: Ein Peitschenhieb? Die Zukunft war dunkel, zumindest voller Unklarheit.
Und dann? Dennis wurde selbstständiger, als meine Frau und ich je gedacht hatten – und dies zeigte sich früh. Mit vier Jahren beispielsweise, als Dennis eines Morgens früher wach wurde und meine Frau noch im Badezimmer war, wollte er sofort in seinen Kindergarten. Ohne Frühstück und im Schlafanzug fuhr er mit seinem Bobbycar los. Im Kindergarten angekommen, erzählte er seiner Erzieherin: »Mama schläft noch.«
Früher waren Tiere und Zoobesuche seine größten Hobbies, heute sind es Musik und Kinobesuche. In seinem Zimmer studierte er damals stundenlang zahlreiche Tierbücher. Er verblüffte mich immer wieder mit seinem fotografischen Gedächtnis – be- sonders bei gemeinsamen Zoobesuchen. Bevor wir überhaupt auf der Tafel vor einem Käfig nachschauen konnten, nannte uns Dennis schon die entsprechenden Tiernamen.
Später besuchte er eine integrative Grundschule und danach bis zur zehnten Klasse eine integrative Gesamtschule. Er hat Lesen und Schreiben gelernt, etwas Englisch und einfaches Rechnen im Zahlenraum bis hundert. Zur Grundschule wurde er noch mit einem Fahrdienst gebracht. Ende des vierten Schuljahres erzählten wir ihm, dass er bald seinen Schulweg zu Fuß gehen könne, da die Gesamtschule in unserem Stadtteil liegt. Eines Tages kam der Fahrdienst später, und Dennis machte sich kurz entschlossen zu Fuß auf den Heimweg. Der Fahrer suchte ihn sofort. Da Dennis den gleichen Weg gewählt hatte, den er sonst täglich gefahren wurde, fand der Taxifahrer ihn schnell. Dennis hat eben seinen eigenen Kopf.
Schmunzeln musste ich immer wieder, wenn er später in der Gesamtschulzeit auf meine Frage, wie es in der Schule gewesen sei, gerne mal zu mir sagte: »Ja, ganz toll, und hier sind die Schularbeiten für dich!«
Nebenbei ist Dennis ein perfekter Streitschlichter. Ich erinnere mich an einen Disput mit meiner Frau. Dennis kam hinzu und fragte uns: »Mama und Papa, seid ihr Erwachsene?« Etwas verdutzt bejahten wir natürlich und er schlussfolgerte: »Erwachsene streiten sich nicht, sofort aufhören!« Wir lachten, und der Streit war nicht mehr wichtig.
Eines Tages dann die überraschung: Dennis erhielt die Aufforderung zur Musterung bei der Bundeswehr. Offenbar gab es im Kreiswehrersatzamt Menschen, für die das Down-Syndrom keinen Hinderungsgrund darstellt, zum Wehrdienst eingezogen zu werden. Eine Unaufmerksamkeit, eine Verwechslung – oder gar »ein gutes Zeichen«, dass mit Integration und Teilhabe ernst gemacht wird in unserer Gesellschaft? Dass Dennis, entgegen der ärztlichen Prognose von damals, doch voll geschäftsfähig sein sollte? Diesmal hatten wir Zweifel. Telefongespräche genügten nicht. Erst als wir ausführliche medizinische Unterlagen und den Schwerbehindertenausweis von Dennis einsandten, wurde unserem Antrag auf Befreiung vom Wehrdienst entsprochen. Zugegeben, die Vorstellung, dass mein Sohn, so wie ich damals bei der Bundesmarine, seinen Wehrdienst hätte leisten können, hat mir gefallen.
Mit Dennis wird es offenbar nie langweilig. Er ist eine große Bereicherung für mich und meine Familie und ein wunderbarer Sohn. Sein Charme und seine Art, das Wesentliche mit wenigen Worten auf den Punkt zu bringen und uns zu vermitteln, was hier und jetzt zählt, bewundere ich bis heute. An seinen Spruch, wenn er nachmittags aus der Werkstatt kommt, gewöhne ich mich gerade: »Hallo Alter! Wie geht’s, alles klar?« Und ich denke bei mir: Nicht alles, aber du! (Wenk 2009, S. 136&#x;)

Entstanden ist das Buch, aus dem dieser Bericht stammt, in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Down-Syndrom e.V. (www.down-syndrom.org). Der Verein, der 1977 als Initiative mehrerer Eltern von Kindern mit Down-Syndrom in Bielefeld gegründet wurde, zählt heute über 2000 Mitglieder. Er möchte Eltern helfen und ermutigen, ihr Kind mit Down-Syndrom so anzunehmen, wie es geboren ist. Die geistigen und körperlichen Fähigkeiten dieser Kinder wurden in der Vergangenheit unterschätzt. Heute weiß man, dass Kinder mit Down-Syndrom erstaunlich lernfähig sind und dass ihre individuellen Stärken durch gezielte Förderung entscheidend beeinflusst werden können. Wenn Ihnen also solch ein Kind anvertraut wird: Verlieren Sie nicht den Mut. Es gibt heute gute Therapie- und Fördermöglichkeiten, die den Kindern ein Weg in ein glückliches Leben ebnen.

Nach Trennung und Scheidung: Bezugsperson bleiben


Trennungen und Scheidungen gehören heutzutage zum Alltag von Kindern und Jugendlichen in Deutschland. Dass dieser Einschnitt in das kindliche Leben nicht zwangsläufig negative Folgen haben muss, haben Ochs und Orban (2008) eindrucksvoll belegt. Nichtsdestotrotz ist die veränderte Situation mit großen Herausforderungen für Kinder und Eltern verbunden. Müssen die Kinder mit ihrem Gefühlschaos, ihrer Trauer und den veränderten Beziehungsformen umgehen lernen, so stehen die Eltern vor der großen Aufgabe, sich trotz der emotionalen Entfremdung weiterhin über die Fürsorge für die Kinder absprechen zu müssen. Dies ist nicht immer leicht. Doch der gute Wille sollte die Eltern dazu motivieren, zum Wohle ihres Kindes einen einvernehmlichen Weg zu suchen, statt ihn gerichtlich regeln zu lassen. Unterstützung finden Eltern in dieser Situation in einer Beratungsstelle vor Ort.

Kurzer Zwischenstopp

Angenommen, Sie wären ein Kind von sieben Jahren und hätten schon seit langer Zeit gemerkt, dass es zwischen den Eltern kriselt:

• Was würden Sie sich als Kind von Ihren Eltern wünschen, auch angesichts der Tatsache, dass Ihre Eltern sehr mit sich beschäftigt sind?
• Angenommen, es käme letztlich zur Trennung: Wie würden Sie da­ rauf vorbereitet werden wollen und von wem?
• Welche Absprachen würden Sie sich zwischen Ihren Eltern wün­ schen?
• Woran könnten Sie merken, dass sie sich als Eltern verantwortlich verhalten?



Beispiel: Wie gestaltest du deine Vaterrolle?

Christian Markwart, 49, ist etwa ein Jahr nach der Trennung von einer Keller- in eine schöne Dachwohnung mit herrlicher Aussicht umgezogen und genießt jeden Tag sein neues Leben. Zudem ist er wirtschaftlich wieder etwas konsolidiert und konnte sich ein Auto zulegen. Nun fühlt er sich wieder unabhängiger.

Ansgar Röhrbein: Auf wie viele Stunden Erwerbsarbeit kommst du pro Tag/pro Woche?
Christian Markwart: Die Zahl der Arbeitsstunden pro Woche schwankt zwischen 40 und 45, dazu investiere ich wöchentlich drei bis vier Stunden in einen kleinen Nebenerwerb.
A. R.: Wie viele Kinder (in welchem Alter) hast du insgesamt mit der Mutter der Kinder?
C. M.: Mit meiner Frau habe ich drei Söhne. Sie sind 23, 20 und 16 Jahre alt. Der älteste studiert, der Mittlere hat gerade seinen Zivildienst beendet, bereitet seinen Umzug ins Maingebiet und sein Studium vor. Der Jüngste besucht ein Gymnasium und will 2011 sein Abitur bestehen.
A. R.: Was waren deine ersten Gefühle und Gedanken bei der Geburt der Kinder?
C. M.: Meine Gedanken und Gefühle haben von Geburt zu Geburt stark variiert. Alle drei Kinder sind echte Wunschkinder. Ich kann mich erinnern, dass ich nach der Geburt meines ersten Sohnes stolz, glücklich und verunsichert zugleich gewesen bin. Das Glücksgefühl war nach der Geburt des zweiten Sohnes nicht kleiner, der Stolz nicht minder. Verunsichert war ich im Rückblick aber nicht mehr, denn ich wusste, was auf uns zukommt – auch, dass die häusliche Belastung sich vielleicht verdoppeln würde. Dass meine Frau nach zwei Kaiserschnitten ein drittes Kind wollte, hat mich anfangs geängstigt. Ich fürchtete, dass sie der körperlichen Belastung nicht gewachsen sein könnte. Doch ich habe mich ihrem Wunsch angeschlossen, als ihr Arzt keine Bedenken gegen eine weitere Schwangerschaft äußerte. Es wurde wieder ein Kaiserschnitt. Und ich weiß noch, dass mein vorherrschendes Gefühl, neben meinem Vaterstolz, riesige Erleichterung gewesen ist. Und ich habe mich auf das Leben mit allem Trubel und aller Dynamik in einer großen Familie gefreut.
A. R.: Was ist ich dein persönlicher Gewinn durch deine Kinder? Was ist der Gewinn, den deine Kinder durch dich haben?
C. M.: Vor allem habe ich stets die unbedingte Liebe und das Vertrauen meiner Söhne in mich als persönlichen Gewinn verbucht. Ich war Einzelkind. Nach einer zeitweise problematischen eigenen Kindheit und Jugend hatte ich mir während der ersten Schwangerschaft meiner Frau selbst versprochen, vieles anders zu machen als meine Eltern. Inwieweit mir das gelungen ist, kann ich nur schwer beurteilen. Aber weil die Liebe und das Vertrauen, die mir meine drei Söhne noch heute entgegenbringen, nach meinem Gefühl nicht kleiner geworden sind, sage ich mir, dass ich nicht alles falsch gemacht haben kann als Vater. Und der Gewinn, den meine Jungs durch mich haben, mag die Tatsache sein, dass sie sich unbedingt auf mich verlassen können – und dass sie hoffentlich das Gefühl haben, ihre Liebe zu mir und ihr Vertrauen in mich nicht zu vergeuden.
A. R.: Wie hat sich die Beziehung zu der Mutter der Kinder über die Jahre aus deiner Sicht entwickelt? Was hat die Trennung letztlich begünstigt?
C. M.: Meine Frau und ich waren 29 Jahre lang ein Paar. Den größten Zeitabschnitt davon haben wir in Harmonie und gegenseitigem Respekt gelebt. Aber aus meiner Sicht ist in den letzten drei oder vier Jahren unserer Ehe die Liebe stückweise abhanden gekommen. Es gab einschneidende Erlebnisse und Auseinandersetzungen, die mich an ihrer Zuneigung zu mir zweifeln ließen. Letztlich wurde die Trennung sicher durch den Umstand begünstigt, dass ich nach und nach resigniert habe. Mein Rückzug zu mir selbst, mein resigniertes Schweigen und meine Unfähigkeit zur offenen Auseinandersetzung habe ich mir lange damit erklärt, dass ich einfach nur Frieden bewahren wollte, auch im Interesse unserer Kinder. In Wirklichkeit war es aus meiner heutigen Sicht die Furcht, Konflikte mit meiner Frau nicht bestehen zu können. Das Ende war eine Flucht durch den Notausgang.
A. R.: Wie lange seid ihr schon getrennt und wie ist der Trennungsprozess verlaufen?
C. M.: Wir sind jetzt seit 14 Monaten getrennt. Einen Trennungsprozess hat es nach meiner Einschätzung nicht gegeben. Ich hatte einmal – acht Monate zuvor – gesagt, dass ich ausziehen will, dass ich es nicht mehr aushalte. Ein massiver Konflikt am Telefon hatte für mich aber schließlich den Endpunkt gesetzt. Danach bin ich nicht mehr nach Hause zurückgekehrt. Im Laufe der zurückliegenden Monate haben wir mehrfach miteinander gesprochen, in erster Linie, um Organisatorisches wie Geld- oder Behördenangelegenheiten miteinander zu regeln. Auch Gespräche über die Trennung und ihre Gründe dafür hat es gegeben, aber nur vereinzelt. Wir leben im Status der Trennung, eine familiengerichtliche Regelung gibt es nicht. Institutionen im behördlichen Sinne habe ich ebenfalls nicht um Hilfe gebeten. Aber seit etwa acht Monaten gehe ich auf Anraten meines Hausarztes zu einer Gesprächstherapie, um psychosomatische Probleme wie Durchfall oder häufiges Erbrechen zu mildern. Der Erfolg hat mich nachhaltig überrascht. Die körperlichen Beschwerden waren binnen weniger Wochen verschwunden. Das Erkennen meiner Identität, meiner Wünsche für mein Leben, meiner Schwächen und Stärken ist noch nicht abgeschlossen. Die Psychotherapie dauert an.
A. R.: Wie haben die Kinder auf die Trennung reagiert? Womit hattest du gerechnet und was ist anders gelaufen, als du es dir gedacht hattest?
C. M.: Ich war direkt nach der Trennung zunächst erstaunt, wie meine beiden älteren Jungs reagiert haben. Sie haben mich kein einziges Mal gebeten, meine Entscheidung noch einmal zu überdenken oder gar zu ihrer Mutter zurückzukehren. Ich kann mich daran erinnern, dass mein ältester in einem unserer Gespräche, in denen es unter anderem um mein schlechtes Gewissen ging, gesagt hat: »Jetzt musst du dich erst mal um dich kümmern!« Und ich kann mich daran erinnern, dass mein Mittlerer mir gegenüber sinngemäß geäußert hat, er wundere sich nicht, dass ich gegangen sei, sondern nur darüber, es »jetzt erst« getan zu haben. Mein Jüngster, damals 15 Jahre alt, hatte es sicherlich schwerer, sich mit meinem Schritt abzufinden. Er hat zunächst wortlos reagiert, mit traurigen Blicken, mit stillen Tränen, wenn er sich unbeobachtet wähnte. Seine Stimmung hellte sich erst etwas auf, als ich mit ihm drei Wochen in den Urlaub gefahren bin und ich die Gelegenheit hatte, ihm meine Beweggründe zu erklären und auch ihm gegenüber offen über meine Gefühle zu sprechen. Ich glaube jedoch, dass er bis heute schwerer an meiner Entscheidung trägt als seine Brüder. Aber ich weiß, dass die drei miteinander viel sprechen, sich ab und an bewusst zu dritt treffen – und dass es einen starken Zusammenhalt zwischen ihnen gibt.
A. R.: Wie geht es dir heute mit der Situation?
C. M.: Mir geht es – ganz bestimmt auch durch die Hilfe meines Psychotherapeuten, verständnisvolle Freunde und stets hilfsbereite Eltern – so gut wie seit vielen Jahren nicht mehr. Mein Leben als Single in Selbstbestimmung, wachsender Selbsterkenntnis und im wahren Wortsinn neuem Selbstbewusstsein steht in krassem Gegensatz zu meinem Leben als Ehemann. Vater bin ich ja zum Glück immer noch.
A. R.: Wie würdest du dein persönliches Vater-Motto beschreiben?
C. M.: Mein persönliches Vater-Motto hat sich nach der Trennung nicht verändert. Es lautet: Ich bin mit ganzem Herzen und mit all meiner Kraft für euch da, nicht als Freund oder als Kumpel, sondern als Vater, der euch seine Werte vorleben möchte. Was sich nach der Trennung verändert hat, ist die Gewissheit, dass ich meine eigenen Werte nun wirklich leben kann.
A. R.: Worin besteht für dich als Vater die größte Herausforderung? Wie gehst du damit um?
C. M.: Die größte Herausforderung für mich ist mein Anspruch, meine Söhne weiter aktiv zu begleiten und zu fördern, bis sie tatsächlich auf eigenen Beinen stehen und sich ihre Existenz selbst sichern können. So lange vollführe ich im Alltag den Spagat zwischen regelmäßiger Kontaktaufnahme und bewusstem Loslassen. Das Loslassen ist allerdings eine Disziplin, die ich nicht perfekt beherrsche.
A. R.: Was waren bisher deine gelungensten Vater-Aktionen bzw. väterlichen Sternstunden?
C. M.: Meine väterlichen Sternstunden erlebe ich immer dann, wenn ich mein mir selbst gegebenes Versprechen erfülle, mich niemals mit wem auch immer gegen meine Kinder zu verbünden. So habe ich mich zum Beispiel, meistens mit Erfolg, recht häufig offensiv und zum Teil ungewohnt aggressiv mit Lehrerinnen und Lehrern auseinandergesetzt, von denen meine Söhne sich ungerecht behandelt gefühlt haben.
A. R.: Welche Krisen hast du mit deinen Kindern bisher schon erfolgreich bewältigt? Wie hast du das geschafft?
C. M.: Krisen hat es immer wieder gegeben, ausgelöst durch Streitigkeiten, in denen es um Pflichten im Haushalt ging, um schlechte Leistungen in der Schule oder um den Umgang mit Alkohol und Drogen. Im Nachhinein betrachtet habe ich alle Krisen erfolgreich bewältigt, glaube ich. Denn ich weiß meine Söhne auf einem Weg, auf dem ich sie begleiten kann, ohne dass ich grundsätzlich oder massiv intervenieren müsste. Ich bin berzeugt, dass meine Fähigkeit, immer wieder versöhnlich auf die Kinder zuzugehen und sie auch dann meine Liebe spüren zu lassen, wenn es mir schwer fällt, von meinen Kindern dankbar honoriert wird.
A. R.: Gibt es etwas, das man aus deiner Sicht als getrennt lebender Vater besser lassen sollte?
C. M.: Man soll sich davor hüten, sich seinen Kindern anzubiedern. Ich habe bald nach der Trennung eine eigene Wohnung bezogen und in den ersten Wochen darunter gelitten, dass meine Söhne sich selten meldeten und mich noch seltener besuchten. In Gesprächen mit ihnen habe ich aber erfahren, dass sie sich nicht von mir abgewandt hatten – sondern eher das Gefühl hatten, dass ich allein sein wollte. Wir haben dann eine Vereinbarung getroffen. »Solange ich nichts von euch höre«, habe ich zu den Jungs gesagt, »gehe ich davon aus, dass es euch gut geht.« Damit habe ich mir selbst und auch meinen Söhnen den Erwartungsdruck genommen, dass zwischen uns alles so bleibt, wie es war. Denn so ist es ja nicht! Es ist ja fast alles anders geworden. Meine Söhne erleben mich ja nicht mehr als Ehemann, sondern »nur« noch als Mann.
A. R.: Was erhoffst du dir für die Zukunft?
C. M.: Ganz kurz gesagt: Meine größte Hoffnung ist, dass mir das Glücksgefühl, das ich in meinem selbst gewählten neuen Leben empfinde, und die innere Ruhe bleiben, die ich gefunden habe!
A. R.: Worauf muss sich deiner Meinung nach ein werdender Vater bei der der Geburt und in den ersten Jahren danach eventuell einstellen?
C. M.: Ich würde einem jungen Vater empfehlen, im wahren Wortsinne »bei sich« zu bleiben und sich nicht im Netz aus Ehe, Familie, Kindergarten, Schule und Beruf zu verlieren. Sobald die eigene Identität als Mann in Frage steht, so meine Erfahrung, verwandelt sich der »überfluss Familie« in den »überdruss Familie«.
Unabhängig davon, ob nun der Vater – wie in diesem Beispiel – oder die Mutter sich trennt, für die Kinder entsteht in der Regel eine Situation, auf die sie wenig Einfluss haben. Nicht selten stellt sich ihnen die Frage, ob die Liebe zu ihnen auch irgendwann aufgekündigt werden wird. Hier liegt es in der Verantwortung der Eltern, Schritt für Schritt eine neue verbindliche Struktur herzustellen, die dem Kind den Glauben an die Stabilität und Verlässlichkeit von Beziehungen und dadurch die notwendige Sicherheit zurückgibt.

Worauf können Trennungsväter achten?

In Anbetracht der Tatsache, dass vermutlich alle an der Trennung beteiligten Personen in einem Gefühlschaos stecken und viel mit sich selbst beschäftigt sind, ist es oft sehr schwierig für die Eltern, die besonderen Bedürfnisse der Kinder im Blick zu behalten. Dennoch: Auch und vor allem die Kinder leiden (nicht selten) unter dem Verlust des alten Familiengebildes, ohne einen neutralen Ansprechpartner zu haben, mit dem sie sich austauschen können.
Je nachdem, ob Sie mit den Kindern zusammenleben oder die Familie verlassen haben, stellt sich die Situation natürlich unterschiedlich dar. Wichtig bleibt in jedem Fall, dass Sie die Beziehung zu den Kindern weiter mit Leben füllen, und zwar in Abstimmung mit deren Mutter. Manchmal ist es in der Anfangs- zeit der Trennung hilfreich, eine dritte Person hinzuzuziehen, die emotional unbeteiligt ist und dabei hilft, die ersten Regelungen zu treffen.

Verhaltensweisen, die den Trennungsprozess erleichtern können

• Informieren Sie Ihre Kinder gemeinsam mit dessen Mutter recht­ zeitig über die Situation und darüber, wie es konkret weitergeht.
• übernehmen Sie als Eltern ausdrücklich die Verantwortung für die Trennung, um zu verhindern, dass die Kinder die Schuld dafür bei sich suchen.
• Lassen Sie die Fragen Ihrer Kinder zu und antworten Sie ihrem Alter angemessen.
• Behalten Sie Ihre Kinder und deren Gefühlslage im Blick.
• Respektieren Sie mögliche negative Gefühle Ihnen gegenüber und halten Sie es aus, wenn die Kinder trauern.
• Nehmen Sie die Kinder mit ihren Gefühlen ernst.
• Haben Sie Verständnis für die Mutter und sprechen Sie respektvoll von ihr.
• Erläutern Sie, dass es unterschiedliche Sichtweisen gibt, aber jede für sich »wahr« ist.
• Geben Sie den Kindern Zeichen dafür, dass Ihre Liebe zu ihnen unverändert fortbesteht.
• Lassen Sie sich und den Kindern Zeit, sich an die neue Situation zu gewöhnen, ohne abzutauchen.
• Halten Sie den Kontakt zu den Kindern bzw. sorgen Sie dafür, dass sie Kontakt zur Mutter halten.
• Organisieren Sie den Kontakt zu einer dritten Person, zu der die Kinder Vertrauen haben und mit der sie offen sprechen können.
• Beteiligen Sie Ihre Kinder (altersangemessen) an der Alltagspla­nung.
• überlegen Sie, welche bisherigen Alltagsregelungen, Gewohnheiten und Verhaltensweisen im Sinne des Kindes fortgesetzt werden können (denn vermutlich war nicht alles nur schlecht), ohne unrealistische Hoffnungen zu schüren.

In einer solchen veränderten Situation gilt es immer wieder neu zu überlegen, was im Sinne des Kindes, aber auch jedes einzelnen Elternteils ist. Im Zweifelsfall bietet es sich an, frühzeitig professionelle Hilfe zu suchen (die Ihnen nach dem geltenden Kinder- und Jugendhilfegesetz (§ 17 SGB VIII) zusteht. Viele Beratungsstellen bieten eine Mediation, die das Ziel verfolgt, dass beide Partner zu einer einvernehmlichen Lösung finden können (Informationen zu den Beratungsangeboten in Ihrer Nähe erhalten Sie beim örtlichen Jugend- oder Bürgeramt und bei der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung unter www.bke.de und der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Jugend- und Eheberatung unter www.dajeb.de).

Nach Trennung und Scheidung: Bezugsperson bleiben

»Väter kämpfen heute viel stärker um ihre Teilhabe am Leben der Kinder«

Dr. Cornelia Müller-Magdeburg ist Vizepräsidentin des Amtsgerichtes Pankow/Weißensee in Berlin und Familienrichterin.

A.R.: Als Familienrichterin haben Sie täglich mit Sorgerechtsangelegenheiten zu tun. Was sind mit Blick auf die Väter die wichtigsten Erkenntnisse aus Ihrer Tätigkeit?
Cornelia Müller-Magdeburg: In den letzten Jahren ist eine ganz neue Vätergeneration herangewachsen. Junge Väter – aller sozialen Schichten – nehmen viel stärker als früher an Alltag, Leben und Entwicklung ihrer Kinder teil. Dies wirkt sich auch im Falle der Trennung aus: Sie kämpfen vor Gericht stärker als früher um ihre Teilhabe am Leben der Kinder. Das ist für Frauen irritierend. Zum einen haben sich die Frauen noch nicht immer auf diese Veränderung eingestellt. Zum anderen widerspricht dieses Verhalten im Falle der Trennung manchmal der alten Rollenverteilung während der Beziehung.
Leider sind immer noch einige Väter bereit, auf ihr Sorgerecht zu verzichten, »um Ruhe zu haben« oder um dem Kind »Ruhe zu geben«. In diesem Falle sieht das Gesetz in § 1671 Abs. 2 Nr. 1 BGB zwingend – d. h. ohne Kindeswohlprüfung – vor, dass das Gericht dem Antrag des anderen Elternteils (in der Regel der Mutter) stattgeben muss. Diese gesetzliche Vorschrift bedarf meiner Ansicht nach dringend der Korrektur, weil sie die elterliche Sorge für das Kind und damit die Verantwortung für das Kind zu einem – gegebenenfalls auch materiell verhandelbaren – Gut macht. Ich plädiere für eine Abschaffung des § 1671, da man eventuellen Kindeswohlgefährdungen immer mit § 1666 BGB begegnen kann.
Im übrigen können wir durch veränderte Verfahren (sog. »beschleunigtes Familienverfahren« oder auch »Cochemer Praxis«) die Abläufe beschleunigen, sodass sich Deeskalation und viel mehr einvernehmliche und nachhaltig-tragfähige Lösungen er- zielen lassen.
A. R.: Was wird sich durch die Novellierung des familiengerichtlichen Verfahrens (das neue FamFG) für Eltern verändern und worauf sollten sie achten?
C. M.-M.: Damit wird eine Zementierung von Konflikten verhindert und auch dem kindlichen Zeitempfinden Rechnung getragen. Das Gesetz verpflichtet Familiengericht und Jugendamt zu stärkerer Kooperation. Weiterhin haben wir noch stärker als bisher auf Einvernehmen hinzuweisen. Für die Eltern bedeutet dies, dass nicht mehr so sehr ermittelt wird, wer der bessere Elternteil ist, denn den gibt es in der Regel gar nicht. Die Eltern sollten sich also gar nicht erst bemühen, wie bisher den anderen Elternteil schlechtzumachen. Wir konzentrieren uns auf die Frage, wie ressourcenorientiert eine als desolat empfundene Situation verändert werden kann. Von dem Elternteil, der die Verantwortung für das Kind reklamiert, erwarten wir die Bereitschaft, sich im Interesse des Kindes von seinen eigenen Positionen zu verabschieden, auf den anderen Elternteil zuzugehen und dem Kind einen guten Kontakt zu diesem zu ermöglichen. Damit dies gelingen kann, binden wir viel stärker als früher auch Beratung und Mediation ein. Erstere kann sogar gerichtlich angeordnet werden. In jedem Falle wirkt es motivationserhöhend, wenn der Richter den Eltern sagt, was er von ihnen für ihr Kind erwartet. Mit dieser Verfahrensweise haben wir in den vergangenen Jahren bereits exzellente Erfahrungen gemacht. Das Gesetz gibt uns jetzt ausdrücklich den Auftrag, so zu verfahren.
A.R.: Wie sieht es aus Ihrer Sicht mit der grundsätzlichen Gleichbehandlung von Müttern und Vätern aus? Hat sich durch die gesetzliche änderung im Jahr 1998 die vom Gesetzgeber geplante Veränderung einer Gleichstellung von ehelichen und nicht ehelich geborenen Kindern ergeben oder gibt es noch weiteren Veränderungsbedarf?
C. M.-M.: Das Ziel der Reform, die Gleichstellung von ehelichen und nicht ehelichen Kindern, ist in den vergangenen mehr als zehn Jahren sicherlich weitgehend erreicht worden. Sie hat die gemeinsame elterliche Sorge für Kinder auch im Falle von Trennung oder Scheidung der Eltern zum Normfall erhoben, nicht zum Normalfall, sondern zum normativen Sollzustand. Dass getrennte oder geschiedene Eltern gemeinsam die elterliche Sorge ausüben könnten, obwohl sie nicht mehr als Paar zusammenleben, erschien zum damaligen Zeitpunkt noch weitgehend unmöglich. Heute allerdings beweisen Tausende von Trennungseltern tagtäglich, dass sie das sehr gut können. Anträge auf einseitige übertragung der elterlichen Sorge sind bei weitem die Ausnahme in Scheidungsverfahren. Das bedeutet, dass die ganz überwiegende Mehrheit der sich trennenden oder sich scheidenden Eltern die elterliche Sorge ganz selbstverständlich gemeinsam ausübt. Offenbar gelingt ihnen das auch. Das bedeutet also, dass die gesellschaftliche Veränderung sich an der normativen Forderung des Gesetzes orientiert hat und ihr nachgefolgt ist. Das hat sicherlich auch mit einer veränderten Haltung der Väter zu tun, bzw. diese Veränderung konnte nur mit der Stärkung der Väter gelingen. Das ist aus meiner Sicht ein großartiger Erfolg in der gesellschaftlichen Entwicklung.
Dennoch bin ich der Meinung, der Gesetzgeber sollte noch weiter gehen: Die Gleichstellung ehelicher wie nicht ehelicher Kinder erfordert, dass auch nicht ehelich geborene Kinder ebenso selbstverständlich (rechtlich) Mutter und Vater haben wie ehelich geborene Kinder. Aktuell haben Väter nicht ehelich geborener Kinder noch eine sehr schwache Position, die mir nicht angemessen erscheint: Ihre Verantwortung für das Kind hängt allein von der Willkür der Mutter ab (1). Ich plädiere daher für eine Regelung, die Kriterien wie das Kindeswohl einführt, bei deren Vorliegen Väter einen Anspruch auf Zustimmung durch die Mutter haben oder die Zustimmung gerichtlich ersetzt werden kann.

Die Broschüre Wegweiser für den Umgang nach Trennung und Scheidung kann man über die Deutsche Liga für das Kind in Familie und Gesellschaft e.V. (post@liga-kind.de), den Deutschen Kinderschutzbund (info@dksb.de) und den Verband alleinerziehender Mütter und Väter (kontakt@vamv.de) beziehen. Neben den notwendigen rechtlichen Informationen und psychologischen Hintergründen befasst sich die Broschüre mit allen wichtigen Aspekten rund um Trennung und Scheidung und bietet zahlreiche Vorlagen und Checklisten.

Allein erziehend als Mann?

In der empfehlenswerten Broschüre „Alleinerziehend – Tipps und Informationen des Verbandes alleinerziehender Mütter und Väter“ (kontakt@vamv.de) heißt es: »Der Trend zur Einelternfamilie hat in den letzten Jahren zugenommen und wird es vermutlich auch weiterhin – immer mehr Eltern trennen sich oder entscheiden sich von vorneherein für ein alleiniges Zusammenleben mit dem Kind.« Diese Situation trifft auch auf immer mehr Väter zu.

Beispiel: Wie gestaltest du deine Vaterrolle?

Ansgar Röhrbein: Was ist für dich dein persönlicher Gewinn durch deine Kinder? Was ist der Gewinn, den deine Kinder durch dich haben?
D. Obermaier: Mein persönlicher Gewinn besteht darin, dass die Liebe und das Vertrauen, das mir meine Kinder entgegenbringen, ein ausgesprochen gutes Gefühl in mir erzeugen und ich die Entwicklung meiner Töchter mit großer Freude beobachte. Sehr gern nehme ich natürlich Einfluss und genieße es, um Rat gefragt zu werden und helfen zu können. Eine besondere Bereicherung ist es zu sehen, dass Dinge, die ich gemeinsam mit Danny im Rahmen der Erziehung zu vermitteln versucht habe; nun Früchte tragen und unsere Kinder sich nun zu tollen Persönlichkeiten entwickeln. Ich hoffe, dass sie es auch weiterhin schätzen, in mir jemanden zu haben, der tatsächlich als Ansprechpartner und Helfer in jeder Lebenslage zur Verfügung steht und ein verlässliches und verbindliches Gegenüber ist.
A. R.: Wie gestaltet sich der Kontakt zwischen den Kindern und der Mutter?
D. O.: Wie schon gesagt, Danny lebt im Süden und trifft sich mit Christina alle paar Monate auf einen Kaffee. Darüber hinaus gibt es seltene Telefon- und SMS-Kontakte. Christina will mir nicht von den Gesprächen berichten, die aus meiner Sicht auch eher belanglos zu sein scheinen. Martina und Danny haben sich schon sehr lange nicht mehr getroffen.
A. R.: Wie lange seid ihr schon getrennt und wie ist der Trennungsprozess verlaufen?
D. O.: Danny ist vor etwa eineinhalb Jahren zu ihrem jetzigen Partner gezogen. Die Trennung kam für mich sehr überraschend und schnell, verlief aber recht geordnet ohne Schuldzuweisungen oder Rosenkrieg. Mein Wunsch war es, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, um gemeinsam mit Danny die Gründe für die Trennung und die Möglichkeit einer eventuellen »Reparatur« zu erörtern. Dies hat meine Frau allerdings abgelehnt. Hilfe habe ich daher lediglich aus Gesprächen mit Freunden bezogen; für mich allein befand ich eine therapeutische Unterstützung für nicht nötig.
Eine familiengerichtliche Regelung hat es nicht gegeben. Ich habe die Scheidung beantragt, das Verfahren ist aber noch im Gang. Was den finanziellen Aspekt betrifft, haben wir eine notarielle Regelung getroffen, die ohne Streit umgesetzt wurde. Allerdings kommt Danny ihrer Unterhaltspflicht nur sehr rudimentär nach. Bislang beabsichtige ich nicht dies einzuklagen und habe das meiner volljährigen Tochter auch ausgeredet, da meine finanziellen Möglichkeiten ausreichen, um unseren Lebensunterhalt zu sichern.
A. R.: Wie haben die Kinder auf die Trennung reagiert?
D. O.: Natürlich waren beide Kinder sehr traurig und hatten damit in keiner Weise gerechnet, zumal der »Neue« ein Freund der Familie war und es bislang keine Anzeichen für eine Zerrüttung gab. Christina hat sich zurückgezogen und eingeigelt und will bis heute nicht über das Thema reden, lehnt den Partner von Danny total ab und will nichts mit ihm zu tun haben. Martina hat ihre Enttäuschung und ihren Zorn hinausgeschrien und phasenweise sehr heftig reagiert, sich zum Beispiel mehrfach die Unterarme geritzt und dann Danny darüber informiert. In der Folge hat sie aber sehr häufig mit mir und anderen geredet und dabei ihrer Not Luft gemacht. Ich hätte nicht gedacht, dass Martina sich selbst verletzen würde. Ebenso hätte ich eher Redebedarf bei Christina vermutet. Ferner hätte ich nicht gedacht, dass sich meine Frau und die Kinder so eindeutig voneinander distanzieren würden.
Zu Danny habe ich keine Beziehung mehr und möchte das auch nicht, zwischen den Kindern und mir hat sich unser ohnehin gutes Verhältnis noch deutlich verbessert und an Tiefe gewonnen. Worüber ich sehr froh bin.
A. R.: Welche Umgangsregelung habt ihr gefunden?
D. O.: Es gibt keine formale Umgangsregelung. Die Kinder sind nun 15 und 20 Jahre alt und können sich, wann immer sie möchten, mit Danny treffen. Allerdings sind da kaum Möglichkeiten, denn die Kinder wollen nicht in die neue Wohnung meiner Frau gehen, und weder die Kinder noch ich möchten, dass Danny unser Haus betritt. Danny scheint auch nicht mehr besonders an einem Kontakt mit den Kindern interessiert zu sein.
A. R.: Wie vereinbarst du Familie und Beruf? Welche festen Rituale gibt es zwischen dir und deinen Kindern?
D. O.: Martina ist als Studentin inzwischen während des Semesters bis auf die Wochenenden in Wuppertal. Christina und ich frühstücken gemeinsam, ich bringe sie zur Schule und gehe arbeiten. Sie kocht mittags mal allein, mal wärmt sie etwas auf, das wir gemeinsam vorbereitet haben. Für die sonstigen häuslichen Tätigkeiten haben wir eine Aufgabenteilung gefunden, die nicht strittig ist. Grundsätzlich ist es so, dass wir nachmittags oder abends den Tag »abquatschen« und gemeinsam shoppen, kochen, essen, mit dem Hund Gassi gehen, joggen ...
A. R.: Habt ihr trotz der Trennung ein gemeinsames Erziehungskonzept? Wenn ja, wie würdest du es beschreiben?
D. O.: Danny ist vollkommen aus unserem Leben verschwunden, auch aus Erziehungsfragen. Unser gemeinsames Motto, das ich auch nach wie vor beherzige, war es früher, den Kindern sowohl Wurzeln als auch Flügel zu geben. Natürlich möchte ich meinen Kindern etwas von den christlichen Werten vermitteln, die mein Leben tragen, und sie unter Anerkennung ihrer Individualität dahin führen oder begleiten, dass sie wache und starke Persönlichkeiten sein können. Natürlich gilt es, Regeln die einzuhalten und bestimmte Grenzen nicht zu überschreiten. Ich denke aber, dass ich ihnen eine ziemlich lange Leine zubillige und Grenzüberschreitungen hoffentlich nie unverständlich und autoritär begegne.
A. R.: Wie geht es dir heute mit der Situation. Was hat sich möglicherweise auch zum Positiven verändert?
D. O.: Ich denke, mir geht es ganz gut. Zum Positiven hat sich sicher verändert, dass ich manche Entscheidungen reiflicher überdenke und ich heute Themen bearbeite, um die ich mich früher nicht so intensiv bemühen musste. Und natürlich ist das Verhältnis zu meinen Töchtern enger und intensiver geworden.
A. R.: Wie würdest du dein persönliches Vater-Motto beschreiben?
D. O.: Tief durchatmen und erst einen Moment später handeln, dann aber mit aller Verbindlichkeit!
A. R.: Worin besteht für dich als allein erziehenden Vater die größte Herausforderung? Wie gehst du damit um?
D. O.: Damit, bei entscheidenden Themen wie Studienentscheidungen, Berufswahl, schulischen Dingen allein zu sein und keinen mitverantwortlichen Diskussionspartner zu haben. Das liegt mir manchmal schon schwer auf dem Herzen. Wie ich damit umgehe? Ich entscheide nach bestem Wissen und Gewissen.
A. R.: Welche Krisen hast du mit deinen Kindern bisher schon erfolgreich bewältigt? Wie hast du das geschafft?
D. O.: Martina war sich ihrer Berufswahl nicht mehr sicher und überlegte ernsthaft, den Studiengang zu wechseln. Ich habe mit meiner Tochter endlos lange geredet, diskutiert, abgewogen ... mir Zeit für sie genommen.
A.R:: Was erhoffst du dir für die Zukunft?
D. O.: Ich hoffe, dass ich meinen Töchtern weiterhin wie bis- her einen Ort der Zuflucht und ein Zuhause bieten kann.
A. R.: Worauf sollte sich deiner Meinung nach ein Vater bei der Trennung von der Mutter seiner Kinder einstellen? Wer oder was hilft ihm, schwierige Situationen zu überstehen?
D. O.: Ich glaube, das Wichtigste ist, die eigenen Enttäuschungen und Verletzungen von den Kindern fernzuhalten und auch Finanzielles außen vor zu lassen. Außerdem muss man damit rechnen, dass sich die Kinder anders verhalten werden, als man es vielleicht erwartet. Beim »überleben« helfen ausführliche Gespräche mit einem Freund.


Anmerkungen:
(1) Inzwischen hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte das Sorgerecht lediger Väter in Deutschland gestärkt. Mit ihrem Urteil stellten die Richter fest, dass eine Schlechterstellung gegenüber verheirateten oder geschiedenen Vätern ein Verstoß gegen das Diskriminierungsverbot sei.

Literatur:
Ochs, M. u. R. Orban (2008): Familie geht auch anders. Wie Alleinerziehende, Scheidungskinder und Patchworkfamilien glücklich werden. Heidelberg (Carl-Auer).
Wenk, C. (2009): Außergewöhnlich: Väterglück. Kinder mit Down-Syndrom und ihre Väter. Neumünster (Paranus).


Mit freundlicher Erlaubnis des Carl-Auer-Verlages



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