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Neuvorstellung zur Übersicht
20.06.2011
Dorothea Weinberg: Psychotherapie mit komplex traumatisieren Kindern. Behandlung von Bindungs- und Gewalttraumata der frühen Kindheit
Dorothea Weinberg (2010): Psychotherapie mit komplex traumatisieren Kindern Klett-Cotta, Stuttgart 2010

240 S., broschiert

Preis: 24,95 €

ISBN-10: 3608891013
ISBN-13: 978-3608891010
Klett-Cotta-Verlag





Wiltrud Brächter, Köln:

Als Psychotherapeutin mit einem systemisch-narrativen Ansatz (Brächter 2010) unterstütze ich Kinder dabei, im Spiel eigene, therapeutisch wirksame Geschichten zu entwickeln. Um sie dabei vor traumatischem Erleben zu schützen, ist mir das Konzept der traumabezogenen Spieltherapie sehr wichtig, das Dorothea Weinberg in einer früheren Veröffentlichung vorgestellt hat (Weinberg 2008). Mit Spannung hatte ich daher ihr neues Buch erwartet, das mich nach dem Lesen jedoch sehr irritiert zurücklässt.
Im ersten Teil des Buches führt Weinberg in die Diagnosen der „Traumabedingten Entwicklungsstörung“ und der „Komplexen Entwicklungsstörung nach Frühtraumatisierung“ ein. Der folgende Praxisteil beginnt mit einer berührenden Schilderung ihrer Erfahrungen in einem bosnischen Kinderheim, wo sie mit Kleinstkindern bindungstherapeutisch arbeitet. Ihr behutsames, an die Situation des Kindes angepasstes Vorgehen erschien mir in seiner therapeutischen Wirkung sofort einleuchtend und methodisch nachvollziehbar.
Mit den folgenden Kapiteln beginnt für mich anschließend der schwierigere Teil des Buches. Hier wird deutlich, dass Weinberg ihre Arbeit im Unterschied zu ihrer früheren Veröffentlichung stärker manualisiert hat. Wurde dort nur die „Strukturierte Trauma-Intervention“ als festes Konzept vorgestellt, präsentiert sie jetzt eine ganze Reihe vorstrukturierter Vorgehensweisen wie die „Bau-dir!“-Instruktion, die „Baut-dem-Kind!“-Instruktion, das „explizite Arbeiten mit Spaltungen“ und die „Rekonstruktion und Überwindung von Traumabildern“. Gegenüber dem freieren, spieltherapeutischen Vorgehen (das Weinberg neben den expliziten Interventionen auch weiterhin vertritt) sehe ich in dieser Manualisierung gewichtige Nachteile:
Während Kinder im Spiel eigene Bilder für ihr Erleben finden, führt die Therapeutin das Kind in der „Strukturierten Trauma-Intervention“ anhand eigener Skizzen durch das Trauma. Mir behagt daran nicht, dass die Therapeutin ihre Vorstellung des Erlebten malt und dem Kind womöglich zusätzliche belastende Bilder aufgedrängt werden.
Um das Sicherheitskonzept des Kindes diagnostisch zu prüfen und ihm therapeutisch zu mehr Sicherheit zu verhelfen, werden nach dem Bau eines sicheren Ortes (in den „Bau-Instruktionen“) von Therapeutenseite Bedrohungen durch Sturm und Regen eingeführt; ist der Ort ausreichend gesichert, steigert sich dies noch durch das Auftauchen „böser Leute“. Nicht das Kind bestimmt bei dieser Intervention, in welcher Form und zu welchem Zeitpunkt es sich mit traumatischen Erlebnissen auseinandersetzen will, Tempo und Ablauf werden vorgegeben.
Der Eindruck eines „Pushens“ entsteht vor allem dort, wo das Kind nach einer Traumabearbeitung ausdrücklich aufgefordert wird, seinen Körper zu fragen, was er mit der Stellvertreterfigur des Täters bzw. mit dessen Täteranteilen tun möchte. Weinberg folgt offenbar der Überzeugung, dass grausame und sadistische Handlungen im Symbolspiel hilfreich sind, um Täterintrojekten des Kindes zur Abreaktion zu verhelfen (– statt, wie ich es favorisieren würde, die schützende Absicht solcher Anteile anzuerkennen, ihnen aber keinen zusätzlichen Raum zur Ausbreitung zur Verfügung zu stellen, sondern sie durch Sicherheitsinterventionen zu beruhigen).
Endgültig nicht mehr nachvollziehbar ist für mich die „Böse-Leute“-Instruktion, die Weinberg an den Bau sicherer Orte anschließt: Mit Hexen- und Räuberhandpuppe agiert sie als „schlechte Leute“, die mit dem Haus dem Kindes etwas „Böses“ vorhaben (S. 222). Das gemischtgeschlechtliche Handpuppenpaar weckt deutliche Assoziationen an die leiblichen Eltern des Kindes, die mit dieser Intervention als ganze Personen diffamiert werden. Im Gegensatz zu grundlegenden therapeutischen Basics wird zwischen Handlung und Person nicht mehr differenziert, was ich gerade zur Bewältigung innerfamiliärer Gewalt für unverzichtbar halte. Abwertende Bezeichnungen für Elternteile finden sich auch, wenn in Fallbeispielen von einer „irrsinnigen Mutter“ die Rede ist (S. 117).
Dorothea Weinberg bezieht sich in ihrer Darstellung auf komplex traumatisierte Kinder, die zu misshandelnden Elternteilen oder anderen Tätern keinen Kontakt mehr haben. Alltäglichere Fälle, in denen Misshandlungen während der Therapie aufgedeckt, beendet und bearbeitet werden und Eltern und Kinder wieder zu einer neuen Beziehung finden müssen, kommen in ihrem Buch nicht vor. Die Zuspitzung auf sehr schwere Fälle mag bei Weinberg den Blick dafür versperrt haben, dass Gewalt ausübende Elternteile in ihrer Vorgeschichte in der Regel selbst traumatisiert sind – sie den Kindern gegenüber als Person abzuwerten, statt gegenüber ihren Taten Position zu beziehen, kann therapeutisch nicht sinnvoll sein.
Das Konzept der traumabezogenen Spieltherapie bleibt trotz dieser Kritik für mich von hohem Wert. Wer nach Anregungen sucht, wie sich Sicherheit spendende Interventionen in den Spielverlauf integrieren lassen, ist aus meiner Sicht mit ihrem ersten Buch jedoch besser bedient.

Literatur:
Brächter, W. (2010): Geschichten im Sand. Grundlagen und Praxis einer narrativen systemischen Spieltherapie. Heidelberg (Carl-Auer)
Weinberg, D. (2008): Traumatherapie mit Kindern. Strukturierte Trauma-Intervention und traumabezogene Spieltherapie. Stuttgart (Klett-Cotta)





Zur website von Dorothea Weinberg





Verlagsinformation:

Können früh und schwer traumatisierte Kinder dennoch eine gute Entwicklung nehmen? Die erfahrene Kinderpsychotherapeutin Dorothea Weinberg zeigt an vielen Fallbeispielen: Unter sehr positiven Umständen und mit genauer Kenntnis der erprobten und in jede Kindertherapie integrierbaren »traumabezogenen Spieltherapie« kann dies gelingen. Das Buch - erklärt anschaulich Regeln und Vorgehensweisen der traumabezogenen Spieltherapie; - macht die Arbeit an Bindungs- und Gewaltschäden im Therapieverlauf deutlich; - vermittelt die neuesten neurophysiologischen Erkenntnisse. Zielgruppe: KindertherapeutInnen, KinderärztInnen, ErzieherInnen, SozialpädagogInnen, HeilpädagogInnen.


Inhalt:

Inhaltsverzeichnis
Ein Wort zum Anfang 9
I. Die Diagnose 11
1. Begriffsklärung 11
1.1 Developmental Trauma Disorder - DTD (Traumabedingte Entwicklungsstörung) 13
1.2 Komplexe Entwicklungsstörung nach Frühtraumatisierung (KEF) 14
1.3 Anamneseerhebung 16
1.4 Verhaltensbeobachtung 18
1.5 Täuschung als vierteStressreaktion 20
1.6 Die Symptomatik der Komplexen Entwicklungsstörung nachFrühtraumatisierung 24
1.6.1 Bindung 25
1.6.2 Biologie 34
1.6.3 Affektregulation 35
1.6.4 Dissoziation / kortikale Integration 41
1.6.5 Verhaltenskontrolle 54
1.6.6 Kognition 57
1.6.7 Selbstkonzept 58
1.6.8 Sexualität 60
1.7 Die Biologie der Komplexen Entwicklungs störung nach Frühtraumatisierung 66
1.7.1 Ein verhaltensbiologisches Entwicklungsmodell der Frühtraumatisierung 67
1.7.2 Das rechte Hirn und seine frühe Entwicklung 70
1.7.3 Der Nervus Vagus 75
1.7.4 Hypo- und Hyperarousal: Die Neurotransmitter 78
1.7.5 Hirnorganische Veränderungen 81
1.7.6 Immunbiologische und gesundheitliche Aspekte 84
1.7.7 Genetik und Epigenetik 87
1.8 Die gesellschaftlichen Kosten 88
II. Kindertherapie 93
1. Bindungstherapie 94
1.1 Dyadentherapie bei Kleinstkindern in Dom Duga (Bosnien) 94
1.2 Therapie von Bindungsschäden bei älteren Kindern 105
1.2.1 Dyadentherapie mit der »Baut-dem-Kind-Instruktion« 105
1.2.2 Auflösung einer traumatischen Bindung mithilfe der expliziten Arbeit mit Spaltungen 108
1.2.3 Klärung und Überwindung des Misstrauens 114
2. Konzept der Traumabezogenen Spieltherapie (tSt) in seiner Weiterentwicklung 117
2.1 Die Regeln 120
2.2 Trennung der ersten von der zweiten Realitätsebene 120
2.3 Die therapeutischen Funktionen innerhalb der tSt 132
2.4 ImpliziteInterventionen 133
2.4.1 Der Aufbau von Sicherheit im Therapiezimmer 133
2.4.2 Der Aufbau guter innerer Instanzen 135
2.4.3 Das implizite Arbeiten mit Spaltungen 136
2.4.4 Integration des Todesthemas 144
2.5 Sechs explizite Interventionen zur Traumaverarbeitung 145
2.5.1 Explizites Arbeiten mit Spaltungen 146
2.5.2 Explizite Abfuhr von Aggressionen 147
2.5.3 Rekonstruktion und Überwindung von Traumabildern 148
2.5.4 Das Traumspiel 153
2.5.5 Wunscherfüllende Spiele und Geschichten 156
2.5.6 Die Strukturierte Trauma-Intervention (STI) 158
2.6 Zusammenfassung: Systematik der Traumabezogenen Spieltherapie 159
3. Affektregulation bei Aggressions durchbrüchen und Opposition 161
4. Dissoziationspsychologische Implikationen 164
5. Körpertherapeutische Implikationen 168
III. Therapieverläufe 172
Felix, 10 Jahre 172
Karola, 13 Jahre 175
Rudi 8 Jahre 183
IV. Einwirken auf das System 191
1. Erziehung in der fünften Dimension traumabedingter Projektion 191
1.1 Elterntraining 195
1.2 Elternals Detektive 203
1.3 Konsequenzen setzen 204
2. Sicherheit geben 210
2.1 Sicherheitund Liebe geben - Perrys Mama P 210
2.2 Sensorische Stimulation zu Hause 211
2.3 Anleitungstatt Verunsicherung 212
2.4 »Ichbin ein Fehler auf dieser Welt« 214
3. Leibliche Familien 215
4. Jugendamt 217
5. Polizei und Gerichtsbarkeit 218
V. Anhang 220
1. Die »Bau-dir. .!«-Instruktion 220
2. Die »Baut-dem-Kind!«-Instruktion 221
3. Explizites Arbeiten mit Spaltungen 224
4. Rekonstruktion und Überwindung von Traumabildern 228
5. Diaphragmatisches Atmen zur Selbstberuhigung / Affektregulation 2 30
6. Das Spiel mit der heißen Kartoffel ( Mobbingprophylaxe) 232
Abkürzungsverzeichnis 233
Literaturverzeichnis 234


Über die Autorin:

Dorothea Weinberg, Diplom-Psychologin und Magister der Evangelischen Theologie, Ausbildungen in Personzentrierter Psychotherapie für Kinder und Erwachsene und Psychodrama für Kinder, ist in eigener Praxis in Nürnberg tätig. Seit 1997 Aufbau, Konzeption und psychologische Begleitung des Kleinkinderheimes »Dom Duga« in Bosnien. Arbeitsschwerpunkt: Traumatherapie mit Kindern.



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