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Neuvorstellung zur Übersicht
04.10.2007
Michael Wirsching: Psychosomatische Medizin. Konzepte, Krankheitsbilder, Therapien
Wirsching Psychosomatische Medizin C.H.Beck, München 2003 (2. Aufl.)
118 S., Paperback

Preis: 7,90 €
ISBN-10: 3406403271
ISBN-13: 978-3406403279
C.H. Beck





Tom Levold, Köln:

Michael Wirsching, Ärztlicher Direktor der Abteilung für psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universitätsklinik Freiburg und langjähriger Vorsitzender der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Familientherapie, hat in der populären Reihe „C.H. Beck Wissen“ bereits zwei Einführungsbücher veröffentlicht, eines über „Psychotherapie“, das andere über „Paar- und Familientherapie“ . Das vorliegende Büchlein über „Psychosomatische Medizin“ ist ebenso wie die anderen dem Versuch verpflichtet, auf 118 Seiten einem breiten Publikum Konzepte, Krankheitsbilder und Therapien in Bezug auf das Problem psychosomatischer Erkrankungen nahezubringen, die immer noch viel zu häufig entweder nicht in ihrem psychosozialen Verursachungszusammenhang erkannt oder aber als bloße Einbildung abgetan werden.
Ziel dieses Buches ist also nicht nur, die Grundzüge der Psychosomatik und die mit ihr verbundenen Forschungsergebnisse allgemeinverständlich zu erörtern, sondern vor allem auch die Akzeptanz einer psychosomatischen Diagnose seitens derjenigen zu erhöhen, die sich schwer tun, Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, Krebserkrankungen, Rheuma, Magen- und Darmkrankheiten oder Allergien eine psychische Komponente zuzubilligen.
In der Umsetzung erweist sich die Kunst Michael Wirschings, komplizierte Zusammenhänge auf einfache Weise zum Ausdruck zu bringen - ebenso wie seine Fähigkeit, seinen Falldarstellungen mit erzählerischen Mitteln Leben einzuhauchen und Einfühlung zu ermöglichen. Im Unterschied zu vielen anderen Büchern, in denen die sogenannten Fallbeispiele als kurze Mehrzeiler eigentlich nur noch die zu illustrierende These wiederholen, schreibt Wirsching noch richtige Fall-“Geschichten“.
Der erste Abschnitt des Buches, der sich mit der „Entstehung psychosomatischer Krankheiten“ befasst, verbindet das klassische Konzept der Pathogenese mit dem aktuellen Modell der Salutogenese Antonovskys und betont, dass Krankheitsentstehung und Krankheitsbewältigung „zwei Seiten der gleichen Medaille“ sind. Das zugrunde liegende Erklärungsmodell bedient sich dreier Konzepte, die nicht zufällig mit den Psychotherapieschulen der Psychoanalyse, der Verhaltenstherapie und der Systemischen Therapie identifiziert werden können (unabhängig von der inhaltlichen Argumentation wird hier auch die Integrations-Absicht des Psychotherapie-Funktionärs Wirsching erkennbar). Neben der „Wirkung der frühen Erfahrung“ (Psychodynamik), dem „Erlernten Denken und Verhalten“ (Verhaltensmedizin) spielen „Familiäre Belastungen und Ressourcen“ (Systemische Psychosomatik) eine entscheidende Rolle.
Das zweite Kapitel umreißt die „Möglichkeiten und Grenzen der psychotherapeutischen Beeinflussung körperlicher Krankheiten“, wiederum entlang der konzeptuellen Bahnungen von Psychoanalyse, Verhaltenstherapie und systemischer Paar- und Familientherapie, gefolgt von einem eindringlichen Plädoyer für eine „Integrative Psychosomatik“: „Der Erhalt und das Nutzen der Vielfalt sind das eigentlich Neue der so verstandenen zeitgemäßen Psychosomatik“ (36).
Diesen einführenden Überlegungen folgen spezifischere Darstellungen der wichtigsten symptomzentrierten Aufgabenstellungen der Psychosomatik: Psychokardiologie, Psychoonkologie, Rheumatische Erkrankungen, Magen- und Darmkrankheiten sowie Allergien, jeweils mit einer guten Mischung aus Sachinformationen und Fallbeispielen, die unmittelbar deutlich machen, um was es dem Autor geht, auch wenn aus Platzgründen Vertiefungen natürlich nicht möglich  sind.
Das letzte Kapitel ist als Resümee gedacht und zielt auf die praktischen Implikationen einer integrativen Psychosomatik ab. Im Zentrum steht die Idee, dass psychosomatische Krankheiten keinen Sonderfall der Medizin darstellen, sondern alle körperlichen Krankheiten einen psychosomatischen Anteil haben: „Jede Diagnostik ist zugleich Therapie und umgekehrt. So fragt sich jeder von Anbeginn, was dran ist an der Psychosomatik. (…)Psychosomatische Krankheit oder körperliche Krankheit? Eine falsche Alternative. Psychosomatische Krankheiten sind alle körperlichen, mit Organstörungen einhergehende Krankheiten. Nenne irgend jemand irgendeine Krankheit, bei der psychosoziale Einflüsse nicht ihre Entstehung, den Verlauf und die Bewältigung beeinflussen können.“
Als wichtige Faktoren für die Entwicklung psychosomatischer Krankheiten wie für ihre Verhinderung nennt Wirsching das Vorhandensein oder die Abwesenheit psychischer, familiärer oder sozialer Belastungen, positive oder negative spezifische Lebensumstände zu Krankheitsbeginn bzw. beim Einsetzen eines Krankheitsschubes sowie die jeweilige vorherrschende Affektlage: „Jeder psychosomatische Prozess wird von unerträglich und bedrohlich erscheinenden Gefühlen, vor allem von Hilf- und Hoffnungslosigkeit bestimmt. Ein stabiles vertrauens- und beziehungsförderndes Selbstbewusstsein, die angemessene Einschätzung der eigenen Möglichkeiten und Grenzen, ist als gesundheits-, heilungsund bewältigungsförderliche Erfahrung bekannt“ (105).
Das Buch schließt mit einem Plädoyer für eine „integrative und ganzheitliche psychosomatische Grundversorgung“, in der die Kooperation zwischen den ambulanten und stationären Angeboten ebenso wie die Zusammenarbeit zwischen Schulmedizin und sogenannter Erfahrungsmedizin im Vordergrund steht und  zu einer „ausgewogenen Humanen Medizin“ führen soll.
Reinen Systemikern, und psychosomatisch Vorgebildeten ohnehin wird Michael Wirschings Buch nicht viel Neues bieten. Allerdings ist dies sowieso nicht das Publikum, das der Autor im Auge gehabt haben dürfte. Wirschings Herz schlägt nicht für einen spezifischen therapeutischen Ansatz, sondern für den Versuch einer pragmatischen Integration verschiedenster Konzepte, von denen alle etwas lernenswertes enthalten. Die meisten Betroffenen wären durch einen Einführungsband wie diesen ohnehin überfordert, wenn sie sich noch mit den Unterschieden und womöglich Unvereinbarkeiten verschiedener Therapieschulen auseinandersetzen müssten. Wer aber beginnt, an den rein organorientierten Diagnosen der Traditionsmedizin zu zweifeln, ist mit diesem Band bestens bedient, ohne große Voraussetzungen erfüllen zu müssen. Michael Wirschings Stärke dürfte es sein - vor dem Hintergrund seiner  langjährigen klinischen Erfahrung mit einer breitgefächerten Klientel - genau diese Leserschaft zu erreichen.





Verlagsinformation

Das Erforschen des Zusammenspiels von Körper und Seele, von Psyche und Soma, und seiner möglichen Störungen wurde breits in der Antike betrieben und ist heute zum unentbehrlichen Bestandteil der modernen Medizin geworden. Die heutige Psychosomaische Medizin, die sogenannte ”Sprechende Medizin”, bietet nicht nur ein umfassendes theoretisches Konzept, das die Wechselwirkungen angeborener und erworbener Faktoren, psychologischer Einflüsse und sozialer Belastungen bei der Entstehung, beim Verlauf und bei der Bewältigung aller Arten körperlicher Krankheiten angemessen verstehen läßt, sondern darüber hinaus eine Fülle erfolgreicher Behandlungsansätze. Das Buch stellt dieses Konzept vor und erläutert die daraus resultierenden Therapieschritte für eine Vielzahl von Krankheiten im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter.


Inhaltsverzeichnis

I. Vorbemerkung - Was ist Psychosomatische Medizin?
II. Die Entstehung psychosomatischer Krankheiten
III. Die Behandlung psychosomatisch Kranker - Möglichkeiten und Grenzen der psychotherapeutischen Beeinflussung körperlicher Krankheiten
IV. Erkrankung des Herzens und des Kreislaufs - Psychokardiologie
V. Zur Psychosomatik der unterschiedlichen Krebsleiden - Psychoonkologie
VI. Rheuma
VII. Magen- und Darmkrankheiten
VIII. Allergie
IX. Resümee - Psychosomatische Medizin praktisch gemacht
Literatur
Register


Vorbemerkung - Was ist Psychosomatische Medizin? (
Michael Wirsching)

Die wachsende Popularität psychosomatischen Denkens dieser Tage geht mit Unschärfen und Ungenauigkeiten einher, welche die Orientierung erschweren: Viele Menschen denken psychosomatisch, benutzen psychosomatische Begriffe, und viele haben Vorstellungen von einer psychosomatischen Behandlung. Eine Einführung kann zwar keinen vollständigen Überblick geben, doch kann sie die Grundbegriffe, Grundannahmen und grundlegenden Methoden veranschaulichen.
Bei einer ersten historischen Annäherung erkennen wir eine uralte Geschichte: Die westliche Medizin ist seit ihrer ersten umfassenden Darstellung im corpus hippocraticum (5. bis 3. Jahrhundert vor Christus) durchgehend somatisch, biologisch und reduktionistisch angelegt. Seit der Beschäftigung mit den Körpersäften in der Antike (Galens Humoralpathologie) bis zu dem heutigen Wissen über Zell strukturen und molekulare Prozesse wurde ein langer Weg zurückgelegt. Geblieben ist jedoch das materialistische Grundkonzept.
Die westliche Medizin hat sich aber auch seit ihren Ursprüngen im antiken Griechenland einen Unterstrom nichtmaterialistischer Konzepte bewahrt. Seit Anbeginn wurden seelische Einflüsse als Krankheitsursachen anerkannt. Diese blieben jedoch immer zweitrangig gegenüber den körperlichen Ursachen. Im Ringen von Somatikern, psychologisch Orientierten und Holisten haben bis heute die Erstgenannten stets die Oberhand behalten. Niemals wurde das biologische Krankheitsverständnis ganz verdrängt, wie andererseits das psychosomatische Denken nie ganz verschwunden ist. Drei Krankheitsgruppen wurden seit altersher als überwiegend psychisch verursacht angesehen: Als erstes Störungen mit psychischen Symptombildungen, die wir heute als Psychosen oder Neurosen bezeichnen. Immer und zu allen Zeiten wurde auch von den härtesten Organikern eingestanden, daß diesen Kranken mit einem rein biologischen Krankheitsbegriff nicht angemessen begegnet werden kann. Daran hat auch die Entwicklung der Psychopharmaka nichts geändert. Ähnlich verhält es sich mit der zweiten Gruppe der Körperbeschwerden ohne organischen Befund. In unserer heutigen Terminologie sprechen wir in diesem Fall von somatoformen oder funktionellen Störungen, die weit verbreitet sind. Die ersten Erfolge der Psychotherapie wurden gerade bei diesen Leiden erzielt: Vor 150 Jahren behandelte Charcot in Paris die Opfer der ersten Eisenbahnunglücke, die als Schockfolge (heute sprechen wir von posttraumatischen Streßerkrankungen) quälende Körpersymptome entwickelt hatten, erfolgreich mit der Hypnose. Auch die ersten, in Weiterentwicklung der Hypnose von den Wiener Ärzten Josef Breuer und Sigmund Freud psychoanalytisch Behandelten litten, wie die Studien über die Hysterie (1895) zeigen, unter funktionellen, nicht organisch bedingten Körperbeschwerden.
Am umstrittensten ist und bleibt bis heute der dritte Bereich: Ob nämlich psychische Faktoren die Entstehung und den Verlauf körperlicher Krankheiten beeinflussen können, und nur dies nennen wir heute psychosomatisch. Damit hat unser Begriff der Psychosomatik eine erste Eingrenzung erfahren. Weitere werden folgen.
Ich werde im folgenden zunächst unser heutiges Wissen um die psychosomatischen Zusammenhänge bei der Entstehung, beim Verlauf und bei der Bewältigung aller Arten körperlicher Krankheiten skizzieren. Daran schließt eine kurze Übersicht der heute verfügbaren psychosomatischen Behandlungsmethoden an. Dabei werden vor allem psychoanalytische, verhaltenstherapeutische und familientherapeutische Ansätze berücksichtigt. Sodann werden wir diese Grundannahmen auf die wichtigsten und häufigsten Krankheitsbilder anwenden. Was wissen wir über die psychosomatischen Einflüsse bei Herz-Kreislauf-Krankheiten, beim Krebs, bei Magenleiden, Rheuma und Allergien, und welche Behandlungsmöglichkeiten ergeben sich daraus? Am Schluß werden die praktischen Möglichkeiten psychosomatischen Denkens und Handelns in einem zusammenfassenden Kapitel dargestellt.


Über den Autor:

Michael Wirsching lehrt als Professor an der Universität Freiburg i. Br. und ist Ärztlicher Direktor der Abteilung Psychosomatische Medizin und Psychotherapie der Universitätsklinik Freiburg i. Br.



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