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Neuvorstellung zur Übersicht
29.10.2007
Mohammed El Hachimi, Liane Stephan: Paartherapie - Bewegende Interventionen. Tools für Therapeuten und Berater
Hachimi Stephan Paartherapie Carl-Auer-Verlag, Heidelberg 2007

223 S. broschiert

Preis: 19,95 €

ISBN-10: 3896705849
ISBN-13: 978-3896705846
Carl-Auer-Verlag





Dennis Bohlken, Bad Zwischenahn:

Das vorliegende Buch stellt eine fundierte Sammlung an Interventionen dar, die  BeraterInnen und TherapeutenInnnen als Inspirationsquelle nutzen können. Das Autorenpaar lädt auf 201 Seiten zum Experimentieren ein!
Das Buch bietet Vorgehensweisen, die geeignet sind, häufig erlebte, endlose Kommunikationsschleifen von Paaren in paartherapeutischen Sitzungen zu unterbrechen und neue Perspektiven zu eröffnen. Darüber hinaus haben die Autoren den Anspruch, Paare zu ermutigen, ihr Potential zu entfalten und mehr zu spielen, auch dort, wo kein Spielraum mehr zu sein scheint (S. 13).
Die beschriebenen, alphabetisch angeordneten Interventionen nutzen eine Vielzahl systemischer Methoden (zirkuläres Fragen, systemisches Fragen, strategisches Fragen, Reflecting Team, Genogrammarbeit, Problemvisualisierung, Timeline, Narrativer Ansatz, Metaphorik, Paradoxe Intervention, Hausaufgaben u.v.m.) und sollen eine Verdichtung der Beratungssitzungen ermöglichen. Allen vorgestellten Interventionen werden Sprichwörter zugeordnet, die zum jeweiligen Thema passen, gelegentlich erheitern und gleichzeitig an die reiche Tradition vergangenen Generationenwissens anschließen. Sie können aber auch als „Begleitspruch“ im Sinne der Stärkung für eine spezifische Paarphase mitgegeben werden oder als Möglichkeit zu Assoziationen und Malaufgaben genutzt werden (S. 14).
Die Autoren beschreiben zu jeder Intervention kurz den theoretischen Hintergrund, bevor sie zur praktischen Anwendung/Übung überleiten. So wird beispielsweise die Übung zu  „Paaridentität“ wie folgt eingeleitet: „Identität bildet sich um die reale und konstruierte Zugehörigkeit verschiedener sozialer Systeme aus. Sie ist im ständigen Wandel begriffen und multifaktoriell. Um zu beschreiben, wie und worin sich Identität ausdrückt, ist die Überprüfung folgender Säulen hilfreich (Arbeit/Leistung, Normen und Werte, Leiblichkeit, Familie, soziales Netz, Freizeit und Materielles). Alle Säulen stehen in Wechselwirkung zueinander, verändert sich eine, hat dies Auswirkungen auf die anderen. Dies gilt für die Personen – wie auch für die Paarebene. Das Paar wird gebeten, in Kooperation die fünf Säulen der Identität (Körperliche Leistungsfähigkeit/Unversehrtheit,  Soziales Netz/soziale Beziehungen, Arbeit und Leistung, Geld/materielle Sicherheit, Werte, DB) auszumalen. Dabei können unterschiedliche Farben und Symbole zum Tragen kommen. Wie ,voll’ die Säulen ausgemalt werden, hängt von der Wahrnehmung des Paares ab. Wie erleben die Partner die jeweilige Säule in ihrer Paarbeziehung? Der Therapeut beobachtet den Prozess, die Gemeinsamkeiten und die Unterschiede. Das Paar wird anschließend gebeten, den Prozess zu reflektieren. Hilfreiche Fragen: ,Welche Säule ist die am stärksten identitätsstiftende, welche die am geringsten?’; ,Wer von Ihnen trägt was und wie viel zur Stabilität welcher Säule bei?’; ,Wie würden Freunde, Bekannte Ihre Säulen beschreiben?’; ,Ist die Fülle jeder Säule zufrieden stellend für Sie beide?‘. Das Paar entscheidet, an welcher Säule Veränderung stattfinden soll. Dies wird mit Unterstützung des Therapeuten erörtert. Ein Experiment bezogen auf diese Säule kann als Hausaufgabe mitgegeben werden“ (S. 117f). 
Ein weiteres Beispiel sind Trancethemen: „Menschen neigen aus Bequemlichkeit, Einfachheit oder Stabilitätsgefühl wieder dazu, dieselben (,Trampel-’)Pfade zu benutzen. Hierdurch können zwischen zwei Menschen Reizthemen entstehen, die sehr oft zu ähnlichen Verhaltens-, Reaktions- und Kommunikationsmustern führen. Wir könnten hier von redundanten Mustern sprechen, die das Paar in einen tranceähnlichen Zustand manövrieren. Trance kann ein Ritual sein, wenn es heilsam ist. Wenn das Paar keine Heilung hierdurch erfährt, kann dies zur Dysfunktionalität auf der Paarebene führen.
 Der Therapeut interviewt das Paar: ,Welche Themen bringen Sie in Trance?’; ,Welches Verhalten von Ihnen bewirkt diese Trance?’; ,Wie lange bleiben Sie in Trance?’; ,Wozu dient Ihnen die Trance?’; ,Was wäre ein neues Verhalten?’; ,Was brauchen Sie dafür?’; ,Was würden sie aufgeben?’; ,Welche Unterlassung könnten Sie ausprobieren, um Neues herbeizuführen?’. Anschließend erfolgt ein Commitment für die Erprobung neuen Verhaltens“ (S.194).
Nach über 80 derart aufbereiteten Interventionen listet das Autorenpaar "9 Irrwege eines Paartherapeuten“ auf und fasst in einer weiteren Liste stichwortartig den „Fundus eines systemischen Paartherapeuten“ zusammen.
Das vorliegende Buch ist für diejenigen geeignet, die auf der Suche nach verschiedenen praktischen und „bewegenden“ Methoden der Paartherapie sind und ihr Methodenrepertoire erweitern wollen. Mohammed El Hachimi und Liane Stephan bieten in ihrem Buch eine wahre Fülle an Techniken und Übungen auf, die für die Umsetzung in der Praxis gedacht sind. LeserInnen, die einen konzeptuellen Zugang zur Theorie und Praxis der Paartherapie suchen, werden hier nicht bedient. Um die Übungen effektiv einsetzen zu können, bedarf es aber sicherlich einiger Erfahrung auf Seiten der Nutzer. Ohne in einen guten paartherapeutischen Prozess eingebunden zu sein, könnte die eine oder andere Übung auch einen entgegengesetzten Effekt erzielen.





Verlagsinformation:

In einer Paartherapie gilt es zunächst, einen Verständigungsprozess anzustoßen, in  dem die Partner ihre verschiedenen Bedürfnisse, Ängste und Befürchtungen zum Ausdruck bringen und gemeinsam klären können. Mohammed El Hachimi und Liane Stephan breiten hier ein reichhaltiges Repertoire von erprobten Methoden aus, die helfen einen solchen Prozess in Bewegung zu setzen und in Gang zu halten. Zu den wesentlichen Themen der Paartherapie werden kreative Interventionen, Übungen und Fragenkataloge vorgestellt und kenntnisreich und praxisnah beschrieben. Die alphabetische Anordnung der Themen erleichtert die Anwendung des Buches in der Praxis. Eine hervorragende Ergänzung zu allen Lehr- und Handbüchern zur Paartherapie – aufschlagen und Inspiration finden!


Vorwort von Haja Molter und Arist von Schlippe als „Reflektierendes Team“:

Haja Molter: „Wozu dieses Buch? Es ist doch fast alles zu diesem Thema gesagt, also, wozu noch ein Paarbuch mehr auf den Markt bringen?“ Ich finde es bemerkenswert, das Liane Stephan und Mohammed El Hachimi ihre Einleitung mit diesem Satz beginnen. Ich gebe zu, als Mohamed mich fragte: „Machst du mit Arist ein Reflektierendes Team über das Buch?“ habe ich ähnlich gedacht. Gerade im systemischen Bereich ist in der letzten Zeit eine Menge Literatur zum Thema Paare erschienen. Bert Brecht hat mal gesagt: „Sicher ist nur der Zweifel.“ Sollten Liane und Mohammed je gezweifelt haben, dann hat sich dieser Zweifel gelohnt. Nach dem Lesen ihres Buches kann ich sagen, dass die Anregungen, Ideen, Gedanken, Übungen, Experimente nicht nur systemisch orientierten Paartherapeuten und –berater bei ihrer Arbeit inspirieren, sondern auch Paartherapeuten jeder Couleur Appetit auf mehr machen können. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass Paare das Buch mit großem Gewinn für die Beziehungsauffrischung aktiv nutzen, auch wenn kein Bedarf an Therapie oder Beratung besteht. Liane und Mohammed ist meiner Meinung nach das Kunststück gelungen, durch die Anbindungen der unterschiedlichen Themen an das Alphabet die Fülle möglicher Anliegen und Themen in Paartherapie und –beratung übersichtlich zu strukturieren und mit ihrer Kreativität in der Darstellung der Interventionen die Nutzer zum Experimentieren einzuladen.
Arist von Schlippe: Mir ging es da anders. Ich war, schon als ich von dem Projekt hörte, überzeugt davon, dass ein Buch dieses Autorenpaares einen Unterschied darstellen wird zu den bisherigen Texten zur Paartherapie. Und so ist es auch gekommen. Für mich ist dieser Band eine sehr konsequente Umsetzung eines Prinzips, an dem sich systemische Arbeit orientiert. Ich denke an das Wort Heinz von Foersters, dass wir stets so handeln sollten, dass neue Möglichkeiten entstehen. Es geht also eher darum, „Möglichkeitsräume“ zu eröffnen, als Probleme zu lösen oder gar zu schauen, was nicht gut gelaufen ist. Das klingt leichter, als es ist. Der Möglichkeitsraum besteht aus potenziell unendlichen Möglichkeiten – und doch ist es nicht einfach, ihn so zu betreten, dass wirklich neue, bislang noch nicht gedachte Möglichkeiten entstehen. Ich kenne Liane und Mohammed als Personen, die über die wunderbare Fähigkeit verfügen, einen anderen – oder eben auch zwei – in diesem Möglichkeitsraum hineinzu(ver)führen, völlig „verrückte“ Fragen zu stellen oder Übungen vorzuschlagen. Von einer solchen „Reise“ kehrt man als ein anderer wieder zurück. Ich glaube, die Arbeit mit Paaren besteht vor allem darin, dass man nach einem solchen Ausflug in den Möglichkeitsraum einander anders, neu anschaut: Welche Potenzialität steckt in meinem Gegenüber? Wer könnte er oder sie alles noch sein? Und könnte ich für ihn oder sie ein anderer sein als bisher? Das Vertraute wird unvertraut, das Gewohnte ungewöhnlich – und damit wird die Partnerschaft wieder zum Abenteuer. Vielleicht sollte das Buch Einladung zu einer Abenteuerreise heißen, was meinst Du?
Haja Molter: Dem stimme ist zu. Das Betreten des Möglichkeitsraumes kann die Paare verführen, sich noch mal den Wirklichkeitsraum – so steht es jetzt um uns – und/oder den Zielraum – dort wollen wir hin – zu betreten und auszukundschaften. Ich finde es auch, genau wie du, ausgesprochen langweilig, danach zu schauen, was nicht gut gelaufen ist. Liane und Mohammed schaffen es mit ihren Interventionen, allgemeine Wirkfaktoren von Therapie ins Spiel zu bringen: Sie helfen, eine emotionsgeladene und vertrauensvolle Beziehung und ein „heilendes“ Setting zu kreieren, sie bieten ein konzeptionelles Programm mit plausiblen Beschreibungen an, und - was ich am wichtigsten finde – die Rituale erfordern die aktive Beteiligung von Klienten und Beratern bzw. Therapeuten. Besonders fasziniert haben mich die afrikanischen Sprichwörter, die jeder Intervention vorangestellt sind. Sie verstören, machen nachdenklich und sind voller uns nicht so vertrautem Humor. Eines der Sprichwörter fällt mir gerade ein: „Wer mit dem Feuer spielt, macht in der Nacht das Bett nass.“
Arist von Schlippe: Das könnte ich auch meinerseits unterschreiben. Offenbar ist es schwierig, eine Differenz zwischen und zu erzeugen. Wir kennen beide die Autoren und ihre Stärken und kommen zu einem ähnlichen Fazit. Nun wissen wir ja aus der Arbeit mit dem Reflektierenden Team, dass ein früher Konsens auch gefährlich sein könnte, wenn dadurch mögliche kritische Stimmen vorschnell zum Schweigen gebracht werden. Was könnte hier eine kritische Stimme sein? Vielleicht dass eine Gefahr des Buches darin liegt, einen großen Strauß an Methoden anzubieten. Parktisch für jeden Moment wird etwas angeboten. Es könnte zum „Machen“ verführen. Meine Erfahrung ist, dass ich sehr häufig in Gesprächen an einen Punkt komme, an dem ich nicht mehr weiter weiß. Ich habe (durchaus mühsam) gelernt, diesen Punkt auszuhalten und nicht durch Aktionismus zu überspielen, denn das ist oft der Moment, an dem etwas Neues beginnt – wie gesagt, wenn ich die Spannung aushalte. Wenn ich ein solches breit angelegtes Methodenbuch in der Hand habe, könnte das schwieriger werden. Was meinst du dazu?
Haja Molter: Was du da sagst, finde ich einen spannenden Punkt. Ich möchte nicht krampfhaft eine Differenz erzeugen, doch ich sehe das etwas anders. Ich glaube, gerade diese Gefahr hat eine heilsame regulierende Wirkung. Man kann nicht verhindern, dass mache Berater und Therapeuten das Buch als eine Einladung zum Aktionismus auffassen werden, und ich kann voraussagen, dass sie dann erfolgreich scheitern werden. Nach meiner Erfahrung lassen sich gerade Paare nicht mit Methoden abspeisen, sie schätzen Therapeuten und Berater, die sich für den Prozess verantwortlich fühlen und das Notwendige behutsam fokussieren, die Perspektiven wechseln und dabei bescheiden bleiben. Die vorgestellten Interventionen werden aus meiner Sicht nur hilfreich sein, wenn sie Fragen aufwerfen, welche die Paare weiterführen.
Arist von Schlippe: Du meinst, Aktionismus erledigt sich von selbst? Vielleicht sollte dann wenigstens der Warnhinweis auf dem Buch angebracht werden: Dieses Buch ersetzt keine paar- und systemtherapeutische Ausbildung! – Jedenfalls als abschließendes Statement von meiner Seite: Ich vermute, dass vor allem erfahren (Paar-)TherapeutInnen von dem Buch profitieren werden.
Haja Molter: Ich finde, auch unerfahrene Therapeuten sollten das Recht haben, Erfahrungen zu sammeln.


Inhalt:

1. Danksagung
2. Vorwort
3. Einleitung
4. Interventionen
5. Die 9 Irrwege eines Paartherapeuten
6. Der Fundus eines systemischen Paartherapeuten
7. Gedanken zu Fragen und Geschichten
8. Literatur
9. Über die Autoren


Über die Autoren:

Mohammed El Hachimi, Diplom-Sozialpädagoge, Sozialarbeiter, Familientherapeut, Organisationsberater; Gemeinschaftspraxis in Berlin und Köln/Bergisch-Gladbach, langjährige Praxis mit multikulturellen Systemen, Suchttherapie, im Gesundheitsbereich und in systemischer Organisationsberatung.
   
Liane Stephan, Dipl.-Sportwissenschaftlerin, systemische Therapeutin, Supervisorin, Coach und Trainerin. Schwerpunkte in Paartherapie, Familientherapie und Führungskräftecoaching, Beraterausbildung sowie systemischer Friedensarbeit. Liane Stephan legt großen Wert auf erlebnisorientiertes Arbeiten und den Einsatz vielfältiger kreativer Methoden: "systeamotion", systemische Konzepte in Aktion, nennt sie diese Vorgehensweise, die u.a. Führungskräftetraining mit Aikido oder Unternehmenstheater umfasst.




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