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Neuvorstellung zur Übersicht
26.09.2006
Harry Merl: Über das Offensichtliche oder: Den Wald vor lauter Bäumen sehen
Merl: Über das Offensichtliche Krammer Verlag Wien 2006

267 S., kartoniert

Preis: 26,00 €
ISBN: 3901811192
Verlag Krammer





Corina Ahlers, Wien:

Harry Merl, seit 1969 österreichischer Pionier in Familien- und systemischer Therapie, stellt in diesem Buch sein Lebenswerk dar. Das Buch zeigt auf einzigartige Weise einen theoriebewussten Praktiker der ersten Stunde, der gut ausgewählte Werke aus verschiedenen Epochen psychoanalytischer, familientherapeutischer und systemischer Theorieentwicklung ohne Anspruch auf Methodenpurismus rezipiert. Stattdessen vermittelt er kritische Distanz und therapeutische Zweckgebundenheit in der Auswahl von Konzepten, die er mit seiner persönlichen Note belegt. Dementsprechend verwendet der Autor seine eigenen Begriffe eher alltagssprachlich als konzeptgebunden.
Es bringt Fallbeispiele aus der langjährigen Erfahrung im stationär-psychiatrischen und im ambulanten Praxisbereich, sowie aus der außertherapeutischen Erfahrungswelt, welche systemisches Denken und Handeln zu untermauern scheinen, ohne auf Erfolg zu pochen, in der weisen Vorannahme, dass wir uns in angemessen uneindeutiger Weise an komplexe Betrachtungen von Menschen nähern, dessen transzendentales Interesse die glückliche Bilanz des eigenen Lebens sein muss. Der moralische Anspruch des Buches, der dem einen oder anderen Konstruktivisten vielleicht etwas überdimensioniert vorkommen könnte, wird eben gerade durch die teilweise provokanten Fallbeispiele oder paradox anmutenden Rezensionen aus Büchern, Filmen bzw. Tageszeitungen relativiert. So können wir uns an Begriffen wie „Ahnungen, Visionen, Bereinigung der Seele, usw.“ entlanghanteln mit der Sicht auf das Praktisch-Pragmatische, was man daraus herleiten kann. Wir erfahren vieles nebenbei, eben den Wald vor lauter Bäumen sehend – aber erst im nachinein!
Und das bestätigt Harry Merl in seinem eigenen Nachwort zum Buch: Bei aller Redundanz greift er nochmals 4 Begriffe hervor, um die seine Gedanken eigentlich immer kreisen: Ökologie, Optimierung, TGS, Ichhaus, Grundbotschaften und Gesundheit. Diese bestimmen die Erzählung eines gelungenen Lebens.
Wie könnte man Harry Merls Lebenswerk beschreiben?
Eine weitläufige Einführung über die Arbeitsweise der Seele, dessen optimierter Ambivalenzquotient in guter ökologischer Rahmung führt zum eigenen Modell:
Der Traum des gelungenen Selbst (TGS) dient dem Bestreben jedes Menschen von Beginn bis zum Ende seines Lebens in jeweils phasengemässer Weise zu jedem Zeitpunkt des Lebens auf  kurze und auf lange Sicht in allen Lebensfeldern, in denen er sich bewegt und engagiert, ist „ein Jemand zu sein und etwas zu können und in seiner Autonomie respektiert zu sein, und das sowohl in den eigenen Augen wie in den Augen der anderen“ (S 56).
Der Autor benennt ein „Persönliches Referenz Modell System“ oder PRMS bzw Ichhaus, gemäss dem Wahrnehmen und Handeln eines Menschen erfolgt, welches in weiterer Folge darüber bestimmt, „ob es zur Therapie, Scheidung oder Selbstmord kommt“ (S 91).
Das Subjekt erzählt sich quasi aus der Perspektive des Helden, des Akteurs, welcher seine Geschichte und Lebensbilanz bei allen Brüchen, die von aussen und/oder innen an ihn herangetragen werden, kohärent und kontinuitätsbewußt entwerfen muss. Harry Merl unterscheidet dann zwischen dem inneren Dialog und jenem mit der dem jeweiligen Menschen wichtigen Umgebung. Der TGS bezieht sich auf verschiedene Lebensbereiche, Identitäten, familiäre Formen und Sinnfragen, der Autor selbst stellt eine Nähe zu adlerianischen Postulaten fest, wobei es ihm darum geht, wie Zweifel und Ängste therapeutisch überwunden werden können und wie vor allem der Therapeut hilfreich dabei sein kann. Die therapeutische Haltung ist rein ressourcenorientiert, empathisch, werschätzend und verstehend, ja sogar deutend, eine autoktone Kombination psychoanalytischer (u.a. Katharsis, Traum, Ich-Es-Überich) und systemischer Begriffssysteme (Problem, Vernetzung, Auftrag, Wunder), die sich selbstkritisch kompensieren. Die gewählten Beispiele aus der eigenen Praxis, aus Büchern, Filmen und Tageszeitung zeigen erfolgreiche und brechende Lebensbilanzen, deren Heilung manchmal gelingt. Das Vermitteln von Hoffnung ist dabei eines der wertvollsten Instrumente, und es ist die grosse Gabe des Autors, hierbei besonders einfallsreich zu sein. Die acht Grundbotschaften, die den Therapeuten während des Gesprächs begleiten, vermitteln eine gute Rahmung dafür, sie seien hier ohne Detailinformation skizziert:
  • Du bist nicht verloren – ich bin da!
  • Du bist mir wichtig.
  • Ich möchte Dich verstehen, verstehe ich Dich richtig?
  • Schön, dass Du etwas erreichen willst.
  • Du hast Fähigkeiten, Du kannst etwas.
  • An Dir und in Dir ist Gutes.
  • Es gibt Hoffnung.
  • Fehler sind kein Unglück sondern eine Vorstufe zum Erfolg.
Am Ende des Buches beschreibt Harry Merl den optimalen therapeutischen Dialog unter Einbeziehung psychoanalytischer und systemischer Grundsätze, wieder in jener erfrischenden Gleichzeitigkeit, wie wenn es zwischen diesen beiden Communities nie einen Bruch gegeben hätte. Kurz wird dann auf einige wichtige spezielle Konstellationen aufmerksam gemacht (Mehrgenerationenverhältnisse, Psychose, Krise, Selbstmorddrohung, Tod nahestehender Personen…).
Systemische Interventionsformen, hypnotherapeutisch erweitert, werden dazu passend im letzten Kapitel des Buches zusammengetragen (Skalierungen, die Wunderfrage, Harry Merls Gesundheitsbild, dessen Anleitung sich im Anhang befindet, Skulpturen und Zeichnungen).
Harry Merl ist ein integrierender Sammler psychotherapeutischer Konzepte, die sich in der eigenen Sprache zu einem „Harry Merl-Haus“ verbinden, so könnte man es jedenfalls in Anschluss an das vom Autor selbst entworfene „Ich Haus“ formulieren, welches den im ökologischen Prozess des Lebens wachsenden und bedrohten Traum des gelungenen Selbst umrahmt. Am Ende des Buches zitiert der Autor Maturanas und Varelas biologische Begründung jeglicher soziale Phänomene im liebevollen friedlichen Miteinander, eine Prämisse, die den Grundstein für Harry Merls Denken und Handeln stellt.





Harry Merl im Carl-Auer-Blog über "systemische Dummheit"

Die etwas rätselhafte website von Harry Merl, bei der man für Suchbewegungen mit viel Material zum lesen belohnt wird…

Ein Audio-Vortrag von Harry Merl über das Thema Beziehungsökologie (61 Min.) als Realaudio-Datei





Verlagsinformationen:

"Das Buch stellt den Menschen, der Hilfe braucht und Hilfe sucht, in den Mittelpunkt.
Viele Helfer stehen vor der Frage, wie sie aus einer Fülle von Möglichkeiten den Zugang zu denau diesen Hilfesuchenden finden können. Die Stärke dieses Buches liegt auch darin, wenige, aber wirksame Zugänge, die bei allen Menschen zu finden sind, aufzuzeigen.
Der Autor, seit mehr als 30 Jahren Psychiater und Psychotherapeut legt seine Erfahrungen mit und seine Sicht auf die Menschen dar, die seine Hilfe suchten. Er hat erfahren, dass hilfesuchende Menschen selbst Führer und "Helfer der Helfer" sein können, und dabei die Schönheit des Helfens und Heilens entdeckt."


Über den Autor:

Harry Merl, geb. 1934, verheiratet, 5 Kinder. Prakt. Arzt und FA f. Psychiatrie und Neurologie; ehem. Leiter des Instituts für Psychotherapie der Landesnervenklinik Wagner-Jauregg des Landes Oberösterreich. Univ. Doz. f. Psychotherapie an der Universität Graz, lehrte an der Universität Salzburg, Graz und lehrt derzeit an der Universität Wien für das Wahlfach "System- Einzel- und Familientherapie" und der Universität Linz im Bereich Wirtschaftsinformatik "Selbstmanagement". Gruppentherapeut und Psychoanalytiker (Lehranalytiker), seit 1969 Familien- und Systemtherapeut, Supervisor. Seit der Pensionierung freischaffend als systemischer Therapeut und Supervisor. Einführung der Familientherapie in Österreich 1968 und erste Schulungen ab 1972 ("Vater der Familientherapie"). 1997 Verleihung des Goldenen Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich.



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