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Veranstaltungsbericht zur Berichtsübersicht
24.10.2006
Kongress „Blinde Flecken oder: ich sehe nichts, wo du was siehst!“ vom 22. bis 23. September 2006 in Wien
Clemens Stieger & Danielle Arn-Stieger, Wien:

Zwei Institutionen und Wegbereiter der Systemischen Therapie in Österreich feierten vom 22.-23. September 2006 in Wien mit einem Kongress ihr Jubiläum: 30 Jahre „Institut für Ehe- und Familientherapie“ (IEF, liebevoll auch „die Praterstraße“ genannt) und 20 Jahre „Österreichische Arbeitsgemeinschaft für systemische Therapie und systemische Studien“ (ÖAS). Beide Einrichtungen sind eng mit Prof. Ludwig Reiter verbunden, der als Pionier der Systemischen Therapie nicht nur für Österreich gilt, beide sind aus der systemischen Szene in Wien nicht mehr wegzudenken und haben wesentliche Impulse gesetzt.
Unter dem Titel „Blinde Flecken oder: ich sehe nichts, wo du was siehst!“ fand der Kongress bei prächtigem Sonnenschein auf der Wiener Urania statt, mit Blick auf Innenstadt und Donaukanal – geographisch fast genau in der Mitte zwischen den beiden Einrichtungen.
Den Auftakt bildeten sehr persönlich gestaltete Eröffnungsreferate.
Corina Ahlers, Obfrau der ÖAS, stellte in ihrem Referat „Systemisches in Entwicklung: 20 Jahre ÖAS“ einen historischen Abriss der ÖAS dar. Beeindruckend war dabei die Erkenntnis, wie viele Meilensteine der Systemischen Therapie schon vor ihrem internationalen Durchbruch vom IEF und ÖAS vorweggenommen wurden.
Der Leiter des Instituts für IEF, Joachim Hinsch zog mit dem Titel „Was wir hätten sehen können, wenn wir gesehen hätten: 30 Jahre IEF“ eine persönliche Bilanz über die wesentlichen inhaltlichen Konzepte, die ihn seit dem Bestehen des IEF beeinflusst haben. Sein Vortrag war gleichzeitig ein Appell „Mut zum blinden Fleck“, ohne den wahre Begeisterung in der therapeutischen Tätigkeit und damit gute Arbeit nicht möglich ist. Denn um begeistert zu sein, muss ich mich auf eine Seite stellen, und das bringt automatisch blinde Flecken mit sich – so seine Argumentation.
Rosemarie Welter-Enderlin, eine Wegbereiterin der „systemische Wende“ für das IEF stellte in ihrem Beitrag „Was wurde in der systemischen Therapie nicht weiter verfolgt, wäre aber auch interessant gewesen“ ein überraschend pessimistisches Bild zum Status der Systemischen Therapie dar. Aus ihrer Sicht hat unsere Szene die Innovationskraft der Pionierzeit verloren und ist auch aufgrund der zunehmenden Akademisierung konservativer geworden. So vermisst sie unter anderem ein stärkeres Einfließen der praktischen Fallarbeit in der systemische Forschung.
Am Vormittag klang somit schon etwas an, dass sich auch noch bis zum zweiten Tag durchziehen sollte: Systemische Therapie gehört (zumindest in Österreich) inzwischen zum Mainstream und ist aus der psychotherapeutischen Szene nicht mehr wegzudenken. Sie hat sich arrangiert mit ursprünglich „feindlichen“ Konzepten, wie Diagnosen, Psychiatrie etc., gegen die sie über weite Strecken gekämpft hat und aus dieser Gegenposition viele der innovativen Ansätze entstanden sind. Inzwischen haben aber auch andere Therapieschulen systemische Ansätze und Interventionen integriert, meist aber ohne ihren Ursprung zu deklarieren. Wo ist also das innovative, kritische, querdenkende unserer Schule geblieben? Wie wird es mit dem Systemischen Ansatz in Zukunft weitergehen?
Diese Auseinandersetzung war wahrscheinlich mit der Wahl des Titels „Blinde Flecken“ auch gewünscht. Hat die Systemische Therapie über weiter Strecken anderen deren blinde Flecken aufgezeigt, muss sie sich die Frage stellen lassen, wo denn eigentlich die eigenen sind. So stand der Nachmittag unter dem Versuch, diese eigenen blinden Flecken etwas zu erhellen. Es standen 6 Workshops zur Verfügung unter dem Motto: „Was systemische PsychotherapeutInnen sehen könnten, wenn sie einen anderen Blickwinkel einnehmen würden. Aus verschiedenen Perspektiven wie Ethnopsychoanalyse, Körpertherapie, Zeitempfindung, narrative Ansätze, Feminismus wurde Impulse zur Anregung für die therapeutische Arbeit angeboten. Die Gestaltung der Workshops war damit sehr unterschiedlich, ebenso auch das Echo der TeilnehmerInnen dazu. Aber so ist es eben mit den blinden Flecken: man kann sie sich nicht ganz aussuchen, wo der eigenen blinde Fleck liegt....
In üblicher Tradition endete der erste Tag mit einem großen Fest, bei dem neben kulinarischen vor allem auch die musikalische Seite betont wurde. Wie konnte es uns bei den bisherigen Kongressen entgehen, welch musikalischen Talente in unseren eigenen Reihen zu finden sind? Wieder ein blinder Fleck weniger...
Trotz des Feierns bis spät in die Nacht ging es am 2. Tag dicht los. Sabine Klar warf in ihrem Referat „Helfen wir unseren KlientInnen auch beim Widerstand? Zum Spannungsfeld zwischen modernen Mythen und menschlichen Bedürfnissen“ über 20 kritische Fragen auf, die sie in ihrer Arbeit als systemische Therapeutin beschäftigen. Sie vermisste den emanzipatorische Ansatz und hinterfragte die systemerhaltende Funktion von PsychotherapeutInnen und damit auch von SystemikerInnen.
Diese Fragen und Kritik waren gleichzeitig auch die Impulse für die folgenden ReferentInnen. Vorab erhielten sie die Fragen und wurden gebeten, dazu in ihren Referaten Stellung zu beziehen – uns sie reagierten auf recht unterschiedliche Weise darauf.
Kurt Ludewig bezog sich in seinem Beitrag „PsychotherapeutIn, bleib bei deinem Leisten“ auf alle gestellten Fragen direkt und versuchte, eine persönliche Antwort für seinen Umgang damit zu geben.
Marie Luise Conen betonte in ihrem Vortrag „Kolonisation versus Respekt. Systemische Therapie in Einbeziehung von dominanten Kontexten und dem Eigensinn von KlientInnen“ ihre Sorge, dass nicht nur systemisches sondern generell sozialarbeiterisches Arbeit unter aktuellen Umstände nahezu unmöglich gemacht wurde. Politische und gesellschaftliche Zwänge haben hier zu einer Verschlechterung beigetragen.
Tom Levold versuchte sich dem mit seinem Thema „Zwischen Affirmation und Kritik. Psychotherapie als soziale Veranstaltung“ auch theoretisch zu nähern. Die Dichte seines Vortrages (über-)forderte so manchen Zuhörer. Es bleibt die Zuversicht, die durchaus spannenden Überlegungen in einer Publikation bald nachlesen zu können.
Ben Furman brachte in bekannter Form wieder Leichtigkeit in den Saal, als er über „Lösungsorientierung und die Schule. Sehen wir etwas, was sie nicht sieht?“ sprach. Inhaltlich nichts Neues, blieb seine Umbenennung des lösungsorientierten Ansatzes als „fortschrittsorientierten“ Zugang eine durchaus nützliche Anregung. Im Anschluss konnten in Workshops mit den Referenten des Vormittags die dargestellten Themen vertieft werden.
Im Abschlussplenum und Diskussion endete der Kongress, wie er begonnen hatte: mit sehr persönlichen Stellungnahmen zum Thema und zum Kongress selbst. Eine Idee sei davon herausgegriffen: Wie können wir zu einem besseren Verständnis der Systemischen Ansätze mit PraktikerInnen auch außerhalb der Systemischen community beitragen, mit denen wir täglich zusammenarbeiten müssen? Einen Titelvorschlag für einen neuen Kongress dazu gibt es schon: „Lost in Translation...“
P.S.: Um den Kongress nachträglich „erleben“ zu können, gibt es die Möglichkeit, die Vorträge und Diskussionen auf einer Doppel-DVD über das Sekretariat der ÖAS zu beziehen (www.oeas.at).


Nachbemerkung: Die Beiträge zur genannten Diskussion am zweiten Kongresstag werden voraussichtlich demnächst vollständig auf den website der ÖAS und im systemagazin dokumentiert. Tom Levold



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