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systemagazin-Adventskalender: "Von Klienten lernen"

Peter Kaimer: Freundlich angelächelt

Vor ca. 25 Jahren begleitete ich eine etwa 50jährige Dame in ihrer Therapie. Wir arbeiteten für meine Vorstellung, der ich mich als Kurzzeittherapeut begriff, relativ lange miteinander – es waren so 45-50 Sitzungen. Da die Dame, von ihrer Ausbildung her Juristin, eine humanistische Therapieausbildung gemacht hatte, konnten wir sowohl aus ihrem wie aus meinem damaligen Ideenfundus für Lösungsschritte schöpfen. Die Gruppe um de Shazer und Berg, unter deren Anregungen ich mich gerade begeben hatte, war damals noch relativ strategisch ausgerichtet. Dementsprechend wurden Rituale vereinbart, arbeiteten wir mit Symbolisierungen verschiedenster Art, kognitive Dispute fanden statt, die eine oder andere Verschreibung wurde angeboten – kurz: alles, was mich damals gerade begeisterte und nützlich erschien, bot ich der Dame im Rahmen meiner Rückmeldungen an.
Zum Abschluss der Therapie bat ich meine Klientin doch einmal auf unsere gemeinsame Arbeit Rückschau zu halten und mir doch bitte eine Rückmeldung darüber zu geben, was denn in unserer Arbeit für sie am wichtigsten gewesen sei von all den unterschiedlichen Dingen, die wir gemacht hätten. Und ich erwartete, dass sie vielleicht das eine oder andere besonders emotional bewegende Vorgehen zu ihrem Favoriten erklären würde.
Die Dame dachte lange und offenbar sehr sorgfältig nach – und dann sagte sie: „Ich glaube das Wichtigste war, dass sie mich immer wieder so freundlich angelächelt haben.“  - Phhuu! Dann machte ich eine etwas längere Pause und suchte eine passende Formulierung als Antwort auf diese Rückmeldung. Mehr als ein „Aha.“ Wurde es aber nicht. Ich glaube, ich habe einige Zeit gebraucht, bis ich diese wertvolle Rückmeldung wirklich als das nehmen konnte, was es war: ein Geschenk.

Wann sich im Herd die Asche wellt

Wann sich im Herd die Asche wellt
Und durch das kalte Gitter fällt
Und sich im Winkel find’t kein Scheit
Ist es die allerbeste Zeit
Um von der Glut zu schreiben

Wann fahl es wird in dem Hotel
Und knarrt das leere Bettgestell
Und seufzt der Flur von Einsamkeit
Ist es die allerbeste Zeit
Um von der Glut zu schreiben

Wann still es wird im fremden Land
Und der Kumpan, wozu er stand
Verriet und gut dabei gedeiht
Ist es die allerbeste Zeit
Um von der Glut zu schreiben

Theodor Kramer / gesungen von Wenzel



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