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systemagazin-Adventskalender: "Von Klienten lernen"
Katrin Richter: Sie!!!

Was ich in meiner Ausbildung immer gelernt hatte war, Vorsicht und nochmals Vorsicht. Ich hatte gelernt, wie bewusst mir mein Handeln sein sollte und welche Wagnisse wie wirken. Höre auf dich, lass dich ein, jeder Mensch ist anders.  Gefühle sind eben etwas, was der Patient zwar mitbringt, womit er aber nicht umgehen kann, woran er vielleicht gelitten hat  und was er lernen will zu verstehen oder zu ändern. Wertschätzung, Wertschätzung! Halleluja.
Nun  hatte ich vor vielen Jahren einen Patienten auf den dies, wie ich meinte, besonders zutraf.  Ständig traumatisiert und ringend um Erkenntnis, glaubte er nicht, dass er überhaupt zu etwas in der Lage sein sollt, klagte sich permanent wegen dieses Unvermögens an und ließ sich von mir nichts sagen. Ich wartete. Wochenlang. Er blieb höflich bei seiner Meinung. Ich versuchte ab und zu aufzuzeigen, was doch ganz gut sei und doch gelungen war. So weit so gut – Aber!
In mir brodelte es mehr und mehr. Ich bekam das Gefühl, ihn nicht zu erreichen, weil er scheinbar damit beschäftigt war, bis ans Ende seiner Tage zu jammern und zu leiden. Ich wurde immer verzweifelter und aggressiver und irgendwann bohrte ich so lange nach Dingen, die diesem Mann gelingen, die jeder doch wertschätzen kann, der nicht wie Vater/Mutter ist, bohrte in diese Sehnsucht des gemocht und gewollt seins hinein, weil ich nicht glauben konnte und wollte, dass dies immer noch so war. Ich entwickelte einen fast sportlichen Ehrgeiz darin, wobei ich das klitzeklein gewordene Stimmchen in meinem Hinterkopf, was schrie: „Halt!! Fehler! Das ist anders! Stopp! Hier stimmt was nicht!“ einfach wegwischte.
Irgendwann brach es aus ihm heraus: „Sie Nervensäge!! Sie...“ und den Rest erspare ich jedem. Immerhin hat er ‚Sie‘ gesagt. Und er tobte und schrie und ich konnte es nur aushalten, weil ich stumm wie ein Fisch da saß und die kleine Stimme in mir flüsterte: „Siehste!“
Worum es ihm ging war, von mir sein unendliches Leid anerkannt zu bekommen und zu fühlen, wie ich mit ihm mit fühle und sein entsetzliches Erleben – die Entwertungen, das Alleinsein, die Gewalt in den Tagen, als andere mit ihren Vätern Drachen bauten und er nur alles falsch gemacht hatte, seinen Wunsch gerettet werden zu wollen, Die Tränen, die er bei niemandem lassen konnte – endlich sehen zu dürfen, zu haben und mit jemanden – mir – wie ein Puzzlestück zurechtzurücken und zu beweisen, dass ich auch nicht weitergewusst hätte an seiner Stelle.
Phu. Zuerst kommen eben nicht die systemische Lösungsorientiertheit, sondern das Sehen, das Hinsehen und das Fühlen. Davor hatte ich damals Angst gehabt und das, habe ich gelernt, brauchte ich nicht. Da hat er wirklich Geduld mit mir gehabt.



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