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systemagazin special: "Kongressgeschichten"
Bernd Schmid: Der Mensch hinter der Wissenschaft

Spontan sind mir mehrere Szenen aus Kongressen eingefallen. Davon sind Bilder von Persönlichkeiten und vom Dialog geblieben, an denen ich mich irgendwie in meinem Werdegang und meinen Maßstäben orientiert habe.
Die erste Szene stammt aus einem Kongress, der damals noch nicht systemisch hieß. In den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts gab es mehrere mehrwöchige Tagungen zur Humanistischen Psychologie, die von einer Freiburger Gruppe in Spanien organisiert wurden. Dort versammelten sich damals viele herausragende Vertreter natur- und geisteswissenschaftlicher Orientierung, die hier den Aufbruch in eine bessere Zeit für möglich hielten.
Besonders intensiv blieb mir ein zweitägiges Gespräch zwischen Karl H. Pribram (Gehirnchirurg und Kognitionsforscher) und Francesco Varela ( Biologe und Erkenntnistheoretiker) über ihr Verständnis von Gehirnfunktionen und Bewusstsein. Das war lange vor dem Quantensprung in den Bildgebenden Verfahren der Neurowissenschaften und vor dem dadurch ausgelösten Aufschwung neurowissenschaftlicher Darstellungen.
Sie sprachen vor großem Publikum wirklich miteinander, über Gehirnmodelle, Peptidketten, erkenntnistheoretische Prämissen und ihre Konsequenzen usw. Ich habe auf der Inhaltsebene wenig verstanden und war doch fasziniert und auf einer geistig-emotionalen Ebene tief berührt. Und ich habe wie Dutzende andere auch zwei Tage durchgehalten, ohne auf mir verständliche Übersetzungen zu pochen, ohne ein Entertainment zur Pflege meiner Aufmerksamkeit zu erwarten.
Ich habe Varela später noch mehrmals getroffen, z.B. auf einer Tagung der Heidelberger Systemiker, in der wir ihn, Heinz von Förster, Niklas Luhmann und andere baten, mit uns unsere Praxis der systemischen Familientherapie zu diskutieren. Wieder nahm mich seine Art, zugewandt und inhaltlich leidenschaftlich zu diskutieren, in Beschlag. Wenn es so etwas wie geistigen Eros gab, verkörperte Francesco diesen für mich. Und wenn ich später manchmal das Gefühl hatte, in meinen Seminaren davon etwas abzustrahlen, war ich beglückt. Gleichzeitig bemerkte ich aber auch, dass Varela unsere psychologischen Ansätze fremd blieben. Ob er sonst Interesse an der Lebenskultur von Familien hatte, weiß ich nicht. Er überlegte eher, ob es nicht interessant wäre, Familien als biologische Systeme zu beschreiben. Er hat dies wohl nicht weiter verfolgt und starb bedauerlicherweise wenige Jahre später viel zu früh.
Ganz anders war meine Erfahrung mit Niklas Luhmann. Ich hatte von einem öffentlichen Vortrag am Vorabend a der Universität Heidelberg so gut wie nichts verstanden. Ich konnte, ähnlich wie bei Vorträgen Gregory Batesons nicht einmal die Gedankenfolge fassen, um mich damit auseinander zu setzen. Und dies, obwohl ich schon zwei Bücher von Luhmann gelesen hatte. Also war ich für die Diskussion unseres Familientherapiefalles, den ich mit Gunthard Weber am nächsten Tag auf unserer Tagung vortrug, skeptisch. Umso verblüffter war ich zu erleben, mit welchem warmherzigen Interesse Niclas Luhmann sich uns und den Menschen in unserem Fall zuwandte und auch völlig verständliche Dinge anmerkte. Allerdings konnte ich in seinen Ansichten auch keinen Niederschlag seiner Theorien erkennen, sondern sie schienen mir eher wie sympathische, eher private Äußerungen. 
So waren solche Begegnungen beeindruckend, haben mir aber auch aufgezeigt, wie schwierig Austausch zwischen Vertretern verschiedener Disziplinen doch ist. Und ich habe die verschiedenen Bilder von  Menschen, an denen ich mich orientieren wollte, bekommen, die ich nicht gut zu einer Persönlichkeit integrieren konnte. Letztlich hat es mir klar gemacht, dass für mich der Mensch hinter der Wissenschaft bzw. hinter der Profession für die Glaubwürdigkeit und Passung zu meinen Orientierungen und Wirklichkeiten entscheidend wichtig ist.



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