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Neuvorstellung zur Übersicht
03.05.2012
Stefan Hammel: Handbuch der therapeutischen Utilisation. Vom Nutzen des Unnützen in Psychotherapie, Kinder- und Familientherapie, Heilkunde und Beratung
Hammel Utilisation Verlag Klett-Cotta, Stuttgart 2011

288 S., broschiert

Preis: 26,95 €

ISBN-10: 3608891080
ISBN-13: 978-3608891089
Verlag Klett-Cotta





Peter Stimpfle, Eichstätt:

Stefan Hammel hat sich mit seinem „Handbuch der therapeutischen Utilisation“ die Mühe gemacht, ein zentrales Thema der Hypnotherapie für die allgemeine Beratung und Psychotherapie gut verständlich herauszuarbeiten. Das von Milton Erickson postulierte Prinzip der Utilisation besagt, dass gerade in der Struktur des Problems eines Klienten das Entwicklungspotential für Lösungen steckt. Das heißt, die Wirksamkeit der Therapie erhöht sich, wenn Elemente des Problems (also der Symptomatik oder allgemein der Ausgangssituation) des Klienten als Entwicklungspotenzial erkannt und ins Zentrum der Behandlung gerückt werden. Simpel und wirksam, jedoch wie setzt man das denn nun im Einzelfall um? Wer heute Hypnotherapie anwendet, weiß, wie hilfreich es sein kann, grundsätzlich bereits im Problem die Lösung zu suchen, bzw. im Unnützen das Nützliche, und wer einer hypnosystemischen Orientierung treu bleiben will, dem ist klar, dass es dafür keine Rezepte geben kann.

Stefan Hammel hat der Versuchung widerstanden, ein „Kochbuch“ zu veröffentlichen, aus dem man Rezepte beziehen könnte, um das „Richtige“ zu tun. Dies ist in einer von Leitlinien und Qualitätsmanagement gequälten Zeit erfrischend. Ausgehend von wissenschaftlichen Befunden, mit einer klaren Struktur und einer Fundgrube von Einzelfallbeispielen zeigt er auf, wie Utilisation praktisch aussehen kann.

Im Fallbeispiel „Polizeiphobie“ illustriert er dies, indem er angstbehaftetes traumatisches Erleben dazu nutzt, dieses in eine Vielzahl von Teilerfahrungen zu zergliedern (Unterscheidung von angstfrei besetzten Polizisten im Gegensatz zu phobisch besetzten Aufsehern) und dadurch Unterscheidungen einführt, wodurch sich ein höherer Grad an Differenzierung des Erlebens ergibt und der Patient lernen kann, „irrelevante“ Teilerfahrungen auszusondern und Trauma-Assoziationen aufzuheben. Im Fallbeispiel „Nach der Welle“ zeigt er, wie die Erfahrung, einen epileptischen Anfall überlebt zu haben, genutzt werden kann, um in der darauf folgenden ruhige Lebensphase Energie für das Überleben des möglicherweise nächsten Anfalls bereitzustellen. Im Fallbeispiel „Vogelphobie“ überlässt er die Übernahme von Verantwortung für die Individualisierung von Anweisungen einer Patientin selbst, um kontrolliert „alle therapeutischen Interventionen so anzupassen, dass sie besser zu ihr passen, als der Therapeut dies hätte“ tun können. Dabei wird sie aufgefordert, „Unbrauchbares gegebenenfalls zu verwerfen, alle Emotionen und imaginierten Sinneswahrnehmungen zu regulieren, den Therapieprozess nach Wunsch zu unterbrechen und bei Bedarf jederzeit eigenständig ihre Ressourcenerfahrungen aufzurufen und wieder zu spüren“. Im Fallbeispiel „Das Leben entquirlen“ wird gezeigt, wie bei einer Patientin mit Borderline-Störung eine lebensbedrohliche Auseinandersetzung mit ihrem Stiefvater und die Deutung der Patientin („selber schuld“) umgedeutet wird (der von ihr als berechtigt angesehener Angriff wird in einen neuen Rahmen gesetzt; „Du hattest Recht, er benimmt sich daneben“).

Diese Beispiele und die Art ihrer Präsentation inspirieren. Stefan Hammel hat einen differenzierten Überblick über Utilisationsmöglichkeiten und -techniken zusammengetragen. Er beginnt systemisch konsequent bei der Auftrags- und Zielklärung, bevor er eine „Brücke vom Problem zur Lösung“ schlägt. Am Beispiel „spezifischer Problemstellungen“ veranschaulicht er, wie Utilisation aussehen könnte, beginnend bei mehr somatischen Symptomen wie Schmerz oder Tinnitus hin zu Symptombereichen wie Angst, Zwang und Depression. Schließlich zeigt er, mit welchen Methoden Utilisation praktisch umgesetzt werden kann. Hier gibt das Buch einen fundierten Überblick. Der Autor legt Beispiele aus unterschiedlichen Praxisfeldern vor, wie man das scheinbar Unnütze nutzen kann. Die Beschreibung von Utilisationstechniken (wie Kopplung, Altersregression, Paradoxe Interventionen, Reframing, Externalisieren, Personifizieren usw.) veranschaulicht dabei das simple und dennoch anspruchsvolle Prinzip der Nutzung des Unnützen. Er stellt dazu sowohl ein theoretisches Gerüst wie auch eine Fülle von Befunden aus unterschiedlichen Beratungs- und Therapiekontexten vor.

Allerdings kann man sich fragen, wo die Grenzen der Utilisation liegen. Ist wirklich alles utilisierbar? Auch wenn Hammel kein Rezeptbuch im Sinne hatte, kann davor gewarnt werden, das Buch als „Rezeptbuch“ zu verstehen und zu missbrauchen. Ein weiteres Missverständnis könnte in der Idee liegen, dass man auf die Würdigung von leidvollen Erfahrungen verzichten könnte, wenn man die Nützlichkeit von Symptomen in den Vordergrund stellt. Wenn Erickson selber beim Thema der Utilisation vage blieb, könnte durch Hammels Ausdifferenzierung gerade dort, wo Struktur und Differenziertheit gewonnen wird, auch etwas verloren gehen – etwa an der wohltuenden Schlichtheit des Ansatzes. Auch wenn man dieses und anderes kritisch einwenden mag, bleibt das Fazit, dass es Stefan Hammel gelungen ist, die schwierige Balance zwischen Wissenschaftlichkeit, Theorie, Empirie und den Bedürfnissen einer vielfältiger werdenden systemisch-hypnotherapeutischen Praxis in einer guten Weise zu halten und ein sehr inspirierendes Buch zu schreiben.





Ein Interview mit dem Autor über sein Buch

Vorwort und Einleitung als Leseprobe





Verlagsinformation:

Milton H. Erickson, der Begründer der modernen Hypnotherapie, hat die Technik des »Utilisierens« erfunden und kultiviert – ohne sie jemals systematisch darzulegen. Dies leistet erstmals das Buch von Stefan Hammel, der die kreative und facettenreiche Kunst, die Gedankenwelt des Klienten für seine Therapie zu nutzen, in seiner ganzen Vielfalt zugänglich macht. Nutze alles! Das ist der Grundsatz der Herangehensweise. Nutze das, was der Klient gut kennt, was er sagt, wahrnimmt und ablehnt. Nutze vor allem seine Symptome und Probleme. Wie diese überraschenden Interventionen genau funktionieren und gelingen, macht der Autor an vielen Fall- und Anwendungsbeispielen aus der Praxis deutlich.


Inhalt:

Vorwort 9

EINLEITUNG 11
1 Das Problem vor dem Karren der Lösung 11
1.1 Das Unnütze nützen 14
1.2 Das Erickson'sche Utilisationskonzept 16
1.3 Utilisation als Prozess von Folgen und Führen 22
1.4 Die Assoziationsnetze des Ausgangs- und Zielsystems 23
1.5 Anamnese und Zielklärung32
1.6 Eine Brückevom Problem zur Lösung 33
1.7 Das Erzeugen von Problem- und Lösungsmodellen 43

ERSTER HAUPTTEIL: Nützliche ANLIEGEN 49
2 Utilisationstechniken bei spezifischenProblemstellungen 49
2.1 Somatisch assoziierteSymptome 53
2.1.1 Schmerzen und Missempfindungen 53
2.1.2 Immunreaktionen 70
2.1.3 Tinnitus 84
2.1.4 Schlaf 95
2.1.5 Sexualität101
2.1.6 Sucht 105
2.1.7 Lernen, Gedächtnis und Verhaltenssteuerung 116
2.2 Psychisch assoziierteSymptome129
2.2.1 Angst und Zwang 129
2.2.2 Depression 147
2.2.3 Aggression 153 224 Selbstgefährdendes Verhalten 158
2.2.5 Manie, Psychose, Wahn163
2.2.6 Trauma und Traumafolgen 169
2.2.7 Belastungen durch Verlust und Trauer 181
2.2.8 Belastungen in Partnerschaften 184

ZWEITER HAUPTTEIL: Nützliche KONTEXTE 189
3 Utilisation biografischer und aktueller Ressourcen 189
3.1 Das Problemverständnis der Klienten 189
3.2 Autonomiestreben und Abwehrverhalten 191
3.3 Schutzbedürfnisse 194
3.4 Soziale Beziehungen 195
3.5 Kulturelle, regionale und sprachliche Besonderheiten 196
3.6 Berufe, Begabungen und Interessen 197
3.7 Biografische Erlebnisse 199
3.8 Äußerungen der Klienten 200
3.9 Die Beratungssituation 200
3.9.1 Gegenstände, Architektur- und Landschaftselemente 201
3.9.2 Zufällige Ereignisse während der Beratung 204
3.9.3 Psychoedukation und medizinische Information 205

DRITTER HAUPTTEIL: Nützliche METHODEN 209
4 Utilisationstechniken 209
4.1 Kopplung 209
4.1.1 Einfache Kopplung 213
4.1.2 Doppelte Kopplung 218
4.1.3 Serielle Kopplung 223
4.1.4 Vernetzte Kopplung 224
4.1.5 Entkopplung 226
4.2 Altersregression und Altersprogression 228
4.2.1 Erlebnisinhalte in die Vergangenheit bringen 229
4.2.2 Erlebnisinhalte in die Gegenwart bringen 230
4.2.3 Erlebnisinhalte in die Zukunft bringen 231
4.3 RapportbasierteInterventionen 232
4.3.1 Realer und imaginierter Rapport233
4.3.2 Pacing und Leading 235
4.3.3 Rapportunterbrechung 236
4.4 ParadoxeInterventionen 237
4.4.1 Symptomverschreibung 238
4.4.2 Symptomverstärkung 239
4.4.3 Symptomveränderung 240
4.5 Therapeutische Paradoxien 243
4.6 Reframing 245
4.6.1 Realistisches und irreales Reframing 247
4.6.2 Direktes, beispielhaft es und metaphorisches Reframing 248
4.6.3 Positiv-, Negativ- und Suchmodelle 250
4.6.4 Regel-, Ausnahme- und Trickfilmlogik 251
4.6.5 Veränderung der Interpunktion 252
4.6.6 Veränderung zugeschriebener Eigenschaften 253
4.7 Externalisieren und Visualisieren von Erlebnisinhalten 254
4.8 Personifizieren von Erlebnisinhalten 256
4.8.1 Unsichtbare Freunde259
4.8.2 Ambivalenzdialog259
4.8.3 Missverständnis-Intervention261
4.8.4 Früher, Jetzt und Später im Gespräch262
4.9 Einfache Veränderungen des Aufmerksamkeitsfokus 266
4.9.1 Verschiebung des Aufmerksamkeitsfokus 266
4.9.2 Umkehrung des Aufmerksamkeitsfokus 267
4.9.3 Konzentrieren des Aufmerksamkeitsfokus268
4.1.0 DirektiveInterventionen 268
4.10.1 Warnung 269
4.10.2 Hausaufgabe 270
4.10.3 Ordeal 271
5 Schlussgedanken 273

ANHANG 275


Über den Autor:

Stefan Hammel ist ausgebildet als systemischer Therapeut und Hypnotherapeut; er ist Leiter des Instituts für hypno-systemische Beratung in Kaiserslautern (Pfalz), Referent des Helm-Stierlin-Instituts, Heidelberg und des Milton-Erickson-Instituts, Heidelberg, Mitarbeiter der Eltern-Zeitschrift »KidsLife« sowie Autor des hypno-systemischen Blogs »HYPS«



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