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Neuvorstellung zur Übersicht
19.10.2008
Friedhelm Kron-Klees: Familien wach begleiten. Von der Probleminszenierung zur Lösungsfindung
Kron-Klees: Familien wach begleiten Lambertus-Verlag, Freiburg 2008 (3. überarbeitete Auflage)

360 S., kartoniert, broschiert

Preis: 25,00 €

ISBN-10: 3784117937
ISBN-13: 978-3784117935
Lambertus-Verlag





Rudolf Klein, Merzig:

Wann hat man schon einmal die Gelegenheit, ein Buch ein zweites Mal zu rezensieren? Die vorliegende Publikation von Friedhelm Kron-Klees liefert mir den Anlass dazu. Und das gleich aus drei Gründen: Zum einen, weil es zwar die dritte Auflage seines Buches „Familien begleiten“ ist – es jedoch gleichzeitig einen veränderten Titel trägt: „Familien WACH begleiten“. Zum zweiten, weil es um 75 Seiten umfangreicher geworden ist und es sich bei diesen zusätzlichen Seiten überwiegend um neue theoretische Exkurse handelt. Und zum Dritten wurden sowohl diese neuen als auch die älteren Passagen des Buches durch zahlreichen neue Literaturverweise erweitert.
Das Buch behandelt zunächst die rechtlichen Bedingungen der ambulanten öffentlichen Jugendhilfe. Juristische Grundlagen, ein Thema, das zunächst etwas abschreckend wirken mag, jedoch sehr erhellend und fast spannend zu lesen ist. Die Ausführungen zeigen, dass der Gesetzgeber in diesem Bereich von systemischen Ideen inspiriert gewesen sein könnte. Oder aber, dass ihm auch ohne systemische Kenntnisse ein mit systemischen Ideen hochkompatibles Gesetzeswerk gelungen ist. Kron-Klees arbeitet aus diesen rechtlichen Vorgaben unter Berücksichtigung der Themenbereiche „Kinderschutz und Kindeswohl“ und „Kindeswohl und Elternwohl“ konsequent sein Konzept „Waches Begleiten statt Kontrolle“ heraus, das im Fortgang des Textes zentrale Bedeutung gewinnt und seine beraterische Haltung kennzeichnet.
Daran anschließend zeigt der Autor in zwei großen Teilen seine Ideen im Rahmen einer Sozialpädagogischen Familienhilfe (1. Teil) und einer Erziehungsbeistandschaft (2. Teil) auf. Beide Fallbeschreibungen bildeten bereits das Kernstück der ersten und zweiten Auflage und beruhen überwiegend auf authentischem Material. Die Dialoge im Rahmen der Falldarstellungen sind hingegen vom Autor aufgrund vieler ähnlich gelagerter Fallverläufe (und seiner großen Erfahrung mit solchen Probleminszenierungen) in zweifacher Hinsicht „verdichtet“: Sie sind erfunden, also Ergebnis einer Dichtung und sie verdichten zugleich komplexe Problemkonstellationen. Dies hat verschiedene Effekte: Die Verläufe lassen sich dadurch leicht lesen und sind gut nachvollziehbar. Allerdings erscheinen die Entwicklungen in beiden Fällen trotz der eingearbeiteten Rückschritte und Krisen dadurch sehr (zu?) glatt. Dennoch scheint mir diese Entscheidung des Autors vertretbar, da er dadurch systemisch-konstruktivistische Vorgehensweisen m Kontext der öffentlichen Jugendhilfe mit stark belasteten Familien in guter und nachvollziehbarer Weise darstellen kann.
Ausgangspunkt seiner praktischen Beispiele ist jeweils die Überlegung, dass in stark belasteten Familien, mit denen die öffentliche Jugendhilfe zu tun hat, die verbale Sprache als Ausdrucksform für Not und Hilfebedarf eine eher untergeordnete Rolle spielt. Vielmehr signalisierten diese Familien ihre Not über nach außen gezeigte Auffälligkeiten, meistens die der Kinder. Der Auftrag für Hilfe erfolge daher nicht durch das Wort, sondern durch das Symptom.
Diese „Symptomsprache“ bzw. die Bedeutungsgebung einer solchen kann natürlich nicht als per se vorhanden angenommen werden. Vielmehr müssen komplexe Beobachtungen, also Unterscheidungs-, Beschreibungs- und Bewertungsprozesse von jemandem vorgenommen werden, um aus dem gezeigten Verhalten eine Problem zu konstruieren und dieses wiederum als Anlass für Hilfemaßnahmen zu machen.
Diese Komplexität, die, neben der Theorie der Beobachtung, an Differenzierungen der Begriffe von Helfen und Fürsorge, sowie an die Unterscheidungen der Hilfeformen Anleitung, Begleitung, Beratung und Therapie erinnert, behandelt der Autor in souveräner Art und Weise, ohne explizit auf vorliegende Konzepte (Ludewig 2002; 2005) zurückzugreifen.
In den Fallbeispielen sind spezifische Schwierigkeiten, die in solchen Fallverläufen zu erwarten sind, durch insgesamt 21 Exkurse theoretisch in sehr gut lesbarer Form aufgearbeitet. So widmet sich Kron-Klees z. B. Themen wie „Erster schriftlicher Kontakt“, „Eröffnung des ersten persönlichen Kontaktes“, „Ankoppeln an Familien und heilsame Sätze“, „Ressourcen- und lösungsorientierter Ansatz“, „Selbstinszenierung und Selbstwertschätzung“, „Umgang mit widersprüchlichen Aufträgen“, „Tun durch Nichts-Tun“, „Förderung von Kindern“, „Arbeit mit Krisen“ usw.
Die Kernstücke dieser neuen und überarbeiteten Ausgabe bilden aus meiner Sicht jedoch die beiden Exkurse über die „Theorie der Entwicklung der kognitiv-emotionalen Kompetenz im Kindes- und Jugendalter“ (S. 97-129) und die „Theorie der Weiterentwicklung der kognitiv-emotionalen Kompetenz im Erwachsenenalter“ (S. 296-319).
Der erste dieser beiden Exkurse erscheint mir äußerst nützlich in seiner praktischen Anwendung, obschon die Ausführungen an einigen Stellen etwas zu normativ wirken. Nutzt man jedoch diese Exkurse als ein Narrationsangebot, das HelferInnen eine Linse zum Beobachten von Phänomenen liefert, leuchtet der praktische Nutzen unmittelbar ein. Wohltuend ist hierbei, dass der Autor sowohl Defizite als auch Ressourcen der zu Helfenden benennt und nicht in eine Haltung der bedingungslosen und einseitigen Ressourcenorientierung verfällt, die an plumpes Gesundbeten erinnern kann. Vielmehr würdigt er das Leid der Klienten aufgrund verpasster, ihnen vorenthaltener Entwicklungsmöglichkeiten aufgrund schicksalhaft anmutender biografischer Verläufe und spürt gleichzeitig wach die verborgenen Fähigkeiten der Klienten auf.
Beim zweiten Exkurs fällt meine Bewertung etwas anders aus: Obwohl Kron-Klees auch hier in gut lesbarer Form z.T. bekannte Ideen über spezielle Lebensphasen im Erwachsenenalter beschreibt und deren Nutzen für die Interpretation von Entwicklungsherausforderungen für KlientInnen darstellt, regt er an einigen Stellen meinen Widerspruchsgeist an. Hier scheint mir der Autor zu sehr Ideen anzuhängen, wann ein Leben zu einer guten Bilanz führt und eine Person sich dann „eher gut (vom Leben ) verabschieden kann“ (S. 307). Dass ein Leben auch zu einem wesentlich früheren Zeitpunkt als erfüllt angesehen werden kann, bringt z.B. Randy Pausch, der im Alter von 49 Jahren verstarb, in beeindruckender Weise zum Ausdruck (Pausch 2008).
Ob beide Exkurse den Rückgriff auf hirnphysiologische Erkenntnisse der letzten Jahre bedurft hätten, wage ich zu bezweifeln. Sie sind auch ohne diesen Begründungszusammenhang plausibel. Andererseits sind die Ausführungen mit dem spezifischen Bedeutungskontext „Gehirn“ im derzeitigen wissenschaftlichen Diskurs umso anschlussfähiger.
Das Buch endet mit einer Abhandlung über die Ethik des Helfens – eine explizite Abhandlung ethischer Fragen, die implizit das gesamte Buch durchziehen und zumindest insofern bedeutungsvoll sind, als man die Auseinandersetzung mit solche Fragen in der gängigen Fachliteratur nur selten findet.
Ich möchte dieses Buch zumindest all jenen empfehlen, die im ambulanten und stationären Kontext der öffentlichen Jugendhilfe arbeiten. Es beinhaltet eine Fülle von Ideen über Haltungen und Vorgehensweisen für die Arbeit in diesem schwierigen und anspruchsvollen Arbeitsbereich. Aber auch für mich und meine Arbeit war das Buch eine anregende Lektüre. Ich wünsche dem Buch gerade in dieser erweiterten Auflage eine weite Verbreitung.

Literatur:

Klein, R. (1999): Familien begleiten – Von der Probleminszenierung zur Lösungsfindung. Freiburg (Lambertus) in: Familiendynamik 24 (3): 351-353.
Ludewig, K. (2002): Leitmotive systemischer Therapie. Stuttgart (Klett-Cotta).
Ders. (2005): Einführung in die theoretischen Grundlagen der systemischen Therapie. Heidelberg (Carl-Auer-Systeme).
Pausch, R. (2008): Last Lecture – Die Lehren meines Lebens. (C. Bertelsmann Verlag)





Zu einem Vortrag von Friedhelm Kron-Klees: Helfen oder Kontrollieren. Beziehungsgestaltung in Fällen schwerer Kindeswohlgefährdung





Verlagsinformation:

Im Zentrum der Arbeit von Mitarbeiter(inne)n der Öffentlichen Jugendhilfe steht die Begegnung mit Familien in Not, die selbst nicht in der Lage sind, ihren Bedarf an Hilfe verbal zu formulieren. Oft wird diese Not durch schwere Leidenssymptome der Kinder signalisiert. Dieses Buch entwickelt anhand ausführlicher Darstellungen zweier Hilfeprozesse, die durch insgesamt 21 theoriegeleitete Exkurse vertieft werden, ein konsequent lösungsorientiertes systemisches Konzept für die Arbeit mit diesen Familien auf der Basis des SGB VIII. Wichtige Grundlagen sind der Ansatz des ",wachen Begleitens", statt Kontrolle als Konzept des Andockens an stark belastete Familien sowie die Theorie der lebenslangen Entwicklung der kognitiv-emotionalen Kompetenz. Die Darstellung schließt mit einer Reflexion der ethischen Dimension des Wahrnehmens und Handelns.


Über den Autor:

Friedhelm Kron-Klees, Dr. phil., Soziologe, Lehrtherapeut SG. Nach langjähriger Tätigkeit als Berater in der Öffentlichen Jugendhilfe jetzt freiberuflich tätig mit den Schwerpunkten: Systemische Einzel-, Paar- und Familientherapie, Trennungs-, Scheidungs- und Umgangsberatung, Supervision und Fortbildungen in verschiedenen Kontexten.





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