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Neuvorstellung zur Übersicht
08.06.2008
Rolf Arnold: Aberglaube Disziplin. Antworten der Pädagogik auf das "Lob der Disziplin"
Arnold: Aberglaube Disziplin Carl-Auer-Verlag, Heidelberg 2007

168 S. broschiert

Preis: 17,95 €

ISBN-10: 3896706144
ISBN-13: 978-3896706140
Carl-Auer-Verlag





Cornelia Tsirigotis, Aachen:

Vorweg: Anlass für Arnolds Buch ist die Auseinandersetzung mit Bernhard Bueb (2006: Lob der Disziplin: Eine Streitschrift. Berlin: List) als einem Vertreter von Disziplinierungsansätzen in Erziehung und Schule. Daraus entwickelt er jedoch eine vollkommen unabhängig davon zu lesende grundlegende Darstellung einer von konstruktivistischen Erkenntnissen geprägten  Sicht auf Erziehung.
Orientierung und Identitätssuche in modernen Gesellschaften mit höchst unterschiedlichen Lebensentwürfen und -stilen erfordern fortlaufende Identitätsarbeit. Kinder und Jugendliche brauchen dazu jemanden, der die dazu notwendige Orientierung nicht als einfache Falsch-Richtig-Vorgabe setzt, sondern (selbst)erfahren dabei hilft, aus dem „Wechselspiel von Erproben und Sichdefinieren … Klarheit, Richtung und Struktur zu entwickeln“ (S. 14). Das erfordert Erwachsene und Pädagogen, die in ihrem eigenen Identitätsarbeitsprozess Selbstreflexivität entwickelt haben: „Und notwendig sind dafür Begleiter, die selbst diese komplexe Aufgabe ihrer Identitätssuche bewältigt haben, ohne in einer rigiden Ichbezogenheit erstarrt zu sein. Solche Menschen zeigen uns, dass es nicht um Disziplin und Disziplinierung, sondern um Identität und Verantwortung geht“ (S. 14). Zu einer solchen Grundhaltung gehört auch die (in Skandinavien häufiger verbreitete) Überzeugung: „Wir kränken keine Kinder“.
Die theoretischen Bezüge für Arnolds Position und Haltung entspringen konstruktivistischen Erkenntnistheorien. Erziehung (auch zu Disziplin) wäre demnach Anregung zur Selbstdisziplin. Zu ihr kommt man nicht durch Disziplinierung, sondern durch Selbstwirksamkeitserleben. „Selbstwirksamkeitserleben ist die Basis von Disziplin. Nur wer sich selbst als wirksam erlebt, vermag sich zu disziplinieren, und auf der Basis dieser Selbstdisziplin ergibt sich das, was die Gesellschaft an Disziplin benötigt.“ (S. 51)
Erforderlich ist dazu allerdings auch, die im Leistungsblick inhärente Defizitorientierung aufzugeben (zu „suspendieren“, S. 52); damit tun sich Pädagogen schwer, die in die Leistungsanforderungen einer (kurzsichtigen) Schulpolitik gezwängt werden. Hier zeigt Arnold gegenentwurfsfähige ermutigende Schulbeispiele auf.
Was dazu gebraucht wird, darüber macht Arnold deutliche Worte: „Identität und Selbstkompetenz entwickeln sich jedoch nicht entlang einer Prinzipienverfolgung, sondern nur im Kontext eines beziehungsstiftenden Dialogs. Lehrerinnen und Lehrer werden dafür bezahlt, die Beziehung zu den Kindern und Jugendlichen auf keinen Fall abreißen zu lassen oder gar in Prinzipien zu ersticken“ (S. 96). Dazu gehören neben Präsenz (hier nutzt Arnold Elemente von Haim Omers Ansatz des gewaltfreien Widerstands als Grundlage einer beziehungsstiftenden und -erhaltenden erzieherischen Haltung) und Klarheit auch eine Haltung des Verstehens und Verständnisses. Theoretisch inspiriert ist Arnold ebenso durch den pädagogischen Ansatz Hartmut von Hentigs, den dialogischen Ansatz Martin Bubers sowie durch Thomas Gordon. In seinem Schlusskapitel: „Was tun? Elemente einer professionellen Erziehung“ legt er einen systemisch begründeten (Gegen)Entwurf vor.
Ich habe dieses Buch in einem Stück mit Gewinn und Genuss gelesen. Es sollte Pflichtliteratur für Pädagogen sein. Ich empfehle es allen, die beruflich und darüber hinaus zu tun haben mit Kindern, die nicht in Schablonen passen, und mit Pädagogen, die Wege suchen, mit ihnen klarzukommen mit anderen Möglichkeiten, als sie in solche Schablonen zu pressen. Und weiterhin auch denjenigen, die mit Pädagogen arbeiten und sie auf ihrem Weg unterstützen. Arnold erinnert begründet und nachhaltig daran, dass gute Antworten an und auf Kinder, die in einer schwierigen Welt und in schwierigen Lebenslagen Schwierigkeiten machen, immer noch von Respekt getragen sind.
(Kurzfassung erscheint in systhema 2-2008)





Eine weitere Rezension von Rainer Deimel für den i-Punkt 2/2008 (PDF)

Hier gibt es noch eine kurze Leseprobe (PDF)





Verlagsinformation:

Wie kann es sein, dass autoritäre Erziehungsparolen heute wieder auf offene Ohren stoßen und Teile der Öffentlichkeit Gefallen finden an Disziplin, Strafe und Gehorsam? Rolf Arnold nimmt die Erziehungsmentalität unter die Lupe, die hinter dem "Lob der Disziplin" steckt. Dabei treten zum Teil erschreckende, vordemokratische Einstellungen zu Tage, mit deren eindimensionalen, mechanistischen Erklärungen der beklagte "Erziehungsnotstand" sicher nicht zu beheben ist. Der autoritätsgläubigen Verlegenheit in Erziehungsfragen stellt der Autor eine "professionelle Balance" gegenüber, die Kinder nicht als Gegner betrachtet, sondern ihnen mit Achtung, einfühlendem Verstehen und persönlicher Authentizität begegnet. Als Grundlage dienen ihm die Annahmen und die Haltung der systemischen Pädagogik. Neben praxistauglichen Diagnose-Instrumenten gibt das Buch ganz konkrete Tipps, Hinweise und Vorschläge, die dem Erziehungsalltag gerecht werden und Eltern wie Lehrern helfen, auch in schwierigen Situationen handlungsfähig zu bleiben. Ein zukunftsweisendes Buch!


Inhalt:

Vorwort 7
Verlegenheit als Rezept? 12
Wir brauchen weniger Wut in der Erziehung 17
Die Konstruktion des schwierigen Schülers 33
Ad a) Das Streben nach Aufmerksamkeit 41
Ad b) Das Streben nach Macht 43
Ad c) Das Bedürfnis nach Rache 47
Ad d) Der Umgang mit eigener Unfähigkeit 50
Der zentrale Fokus: »Kinder werden nicht gekränkt« 53
Die Überhöhung der Autorität 53
Die Gesellschaftlichkeit der Erziehung 60
Wie krank ist unser Bildungs- und Erziehungssystem wirklich? 69
Selbstdisziplin erwirbt man durch Freiheit 74
Erziehung zwischen Nachhaltigkeit oder Deformierung 86
Erziehung ist Beziehung 87
Disziplin und Disziplinierung können zerstören 93
Wirksamkeit in der Erziehung braucht Verstehen und Verständigung 95
Erziehung ist Dialog 110
Kommunikation kann ermutigen 112
Gibt es ein Recht auf Disziplinlosigkeit? 118
Erziehung in der Mediengesellschaft 125
Hartmut von Hentig und das Lob der Disziplinlosigkeit 133
Was tun? Elemente einer professionellen Erziehung 144
Literatur 159


Vorwort des Autors:

Das vorliegende Buch wendet sich grundsätzlich und engagiert gegen das Bild von Erziehung, welches Bernhard Bueb in seinem Bestseller Lob der Disziplin gezeichnet hat. Dabei sind es nicht so sehr die buebschen Positionen allein, die eine kritische Beachtung rechtfertigen, sondern vielmehr die öffentliche Resonanz, die seine Reise in die Erziehungswelten der Vergangenheit ausgelöst hat. Wie kann es sein, dass autoritäre Erziehungsparolen des 19. Jahrhunderts in unserer modernen Gesellschaft noch immer auf offene Ohren stoßen und weite Teile der Öffentlichkeit ganz offensichtlich Gefallen an einer Auffassung finden, die einer »vorbehaltlosen« Anerkennung von Autorität sowie von Strafe und Gehorsam das Wort redet? Was sagt der Bucherfolg von Bernhard Bueb über die deutsche Erziehungsmentalität?
Um diese ist es nicht zum Besten bestellt: Sie ist in vielem noch vordemokratischen Grundhaltungen verbunden und durch Einschätzungen geprägt, die mehr mit dem Rechthaben und dem Durchgreifen der Älteren gegenüber den Jüngeren zu tun haben als mit wirklich sachgemäßen und auch wirksamen Formen des erzieherischen Umgangs zwischen den Generationen. Dort, wo sich der gesamte Erziehungssachverstand in Forderungen nach einem »Mut zur Erziehung« bündelt, sind die Vorgaben zumeist Ausdruck einer zutiefst ängstlichen pädagogischen Autorität, welcher es in einem starken Maße um sich selbst, d. h. ihre Geltung bei denjenigen und ihre Anerkennung durch diejenigen, die man diesen Vorgaben unterwerfen will, zu gehen scheint. Die nüchterne Frage, welches Verhalten angesichts der »Probleme« und »Schwierigkeiten«, mit denen es Erziehung in der modernen Gesellschaft zu tun hat, angezeigt ist, tritt hinter einem solchen erzieherischen Dominanzstreben zurück. Die Frage nach der Wirksamkeit wird nicht wirklich gestellt, das erzieherische Auftreten allein ist es, auf welches geblickt wird. Und es sind Einzelfälle, die berichtet und allzu bruchlos verallgemeinert werden.
Doch warum müssen wir recht behalten gegenüber den Kindern und Jugendlichen? Warum ertragen wir es so schwer, dass diese eigene Vorstellungen haben, uns bisweilen nicht folgen und wir sie in ihrem Verhalten oft als »schwierig« empfinden? Sind Kinder und Jugendliche »schwierig«, oder befinden sie sich nicht oft auch - wenn wir genau hinschauen - in schwierigen Lebenssituationen? Diese haben sie sich nicht aussuchen können. Berücksichtigen wir das, indem wir ihnen menschlich und liebevoll begegnen? Behandeln wir sie angesichts ihrer Kontextprägungen wirklich als »unschuldig« im Sinne unserer pädagogischen Anklage? »Schuld« ist eine untaugliche pädagogische Kategorie, und die pädagogische Anklage ist eine Haltung, die der Ungeduld und Verärgerung darüber entstammt, dass es Eigensinn und Widerstand im Miteinander zwischen den Generationen gibt. Wer diesem Sachverhalt nicht gelassen begegnet, neigt zu Pauschalrezepten. Das Buch von Bernhard Bueb ist voll davon. Bei ihm hat alles eine einzige Ursache: Es fehlt den Kindern und Jugendlichen heute an Disziplin, und hierfür weiß er alle möglichen Verweichlichungsfaktoren haftbar zu machen (von der 68er-Bewegung über die überforderten Lehrer bis hin zum Medienkonsum). Er weiß aber auch, wie diesem Missstand abzuhelfen ist, wofür er einige wenige Vorschläge bereithält, die funktionieren können, aber nicht müssen. Es ist dieses »Nichtmüssen«, das Bernhard Bueb nicht thematisiert, weshalb er weit hinter den erziehungswissenschaftlichen Forschungs- und Erkenntnisstand zurückfällt. »Der Mensch ist erziehbar, kann aber nicht erzogen werden!«, so ließe sich dieser Forschungs- und Erkenntnisstand zusammenfassen - oder, in den Worten von Jürgen Oelkers (2001): »Wenn alles erzieht, kann nichts ausgeschlossen werden.« Doch wie will ich dann mein Erziehungshandeln dosieren? Weiß ich, in welche inneren und äußeren Kontexte ich mich da hineinbewege, wenn ich »interveniere«? Und mit welcher Berechtigung kann ich die beobachtbaren Effekte auf meine Intervention zurückführen? Wie verhalte ich mich als Elternteil, als Lehrer und Erzieher, wenn »nichts ausgeschlossen werden« kann?
Zu diesen Fragen moderner systemische Pädagogik dringt Bernhard Bueb nicht vor. Seine Überlegungen enden dort, wo das aktuelle pädagogische Denken überhaupt erst beginnt. Er untersucht nicht, wie Lehrerinnen und Lehrer zu den Bewertungen und Beurteilungen gelangen, zu denen sie gelangen. Es ist ihm auch kein Anliegen, zu untersuchen, ob der »schwierige Schüler« wirklich schwierig ist, seit wann er schwierig ist und wer ihn als Erster so bezeichnet hat. Er fragt auch nicht, woher die Lehrerinnen und Lehrer sowie die Erzieherinnen und Erzieher ihre Muster nehmen, mit denen sie Kinder und Jugendliche typisieren. Es könnte doch alles auch ganz anders sein: Der schwierige Schüler könnte sich als über oder unterfordert darstellen, als Jugendlicher, der im häuslichen Milieu viel auszuhalten hat, oder als jemand, der nicht gelernt hat, dass Leistungsanforderungen keine Bedrohung sind, sondern auch Möglichkeiten zur Erlangung von Anerkennung sein können etc. Es ist oft die unerwartete Reaktion, die gewachsene Ängstlichkeiten, Überheblichkeiten oder Verhaltensauffälligkeiten zu stören vermag. Die »enttäuschte« Erwartung - insbesondere dort, wo das Erwartete ablehnend, korrigierend oder gar nötigend und zurechtweisend ist - kann Türen zu einem anderen Verhalten öffnen.
Wo Bernhard Bueb allein die Disziplin hochhält - und mehr hat er nicht zu bieten! -, verfügt die moderne Erziehungswissenschaft über eine ganze Palette von möglichen Reaktionsweisen derer, die Erziehungsverantwortung tragen. Ihre Toolbox ist aus Reflexionsweisen geflochten, die sich auch auf den beobachtenden Erzieher (»Wie komme ich zu meinem Bild des erzieherischen Gegenübers?«) sowie auf die möglichen Eskalationsfallen, in die ein erklärender Pädagoge stolpern kann, beziehen. Erst durch Distanzierung schärfe ich den Blick auf das tatsächliche Geschehen und erwerbe die Voraussetzungen, die ich benötige, um nicht aus meinen eigenen Mustern heraus, sondern aus einem Verständnis der möglichen Wechselwirkungen im konkreten Fall heraus zu handeln. Erst, indem ich mich als Erziehungsperson selbst von der lebensgeschichtlichen Zufälligkeit meiner bevorzugten Wahrnehmungen löse und diese als das sehe, was sie sind, nämlich Produkte meiner eigenen biografischen Erfahrungen, kann ich mich auf das Gegenüber wirklich beziehen. Dies macht Bernhard Bueb nicht: Seine Erfahrungen sind ihm heilig, und sie liefern ihm immer wieder neue Bestätigungen dafür, dass seine Sicht der Dinge die weiterführende ist. Sein Buch kennt keine Selbstkritik, kein Scheitern, keine Behutsamkeit oder kein Wissen über die unbeabsichtigten Nebenwirkungen unserer wohlgemeinten Erziehungshandlungen. »Man kann in bester Absicht etwas Verheerendes auslösen« - so eine der Lehren der Systemik. Es gilt aber auch das Gegenteil: »Selbst die stümperhafteste erzieherische Reaktion kann wirksam sein, wenn die Beziehung im intergenerationalen Verhältnis stimmt.«
Das vorliegende Buch setzt sich mit den Grundannahmen sowie den Vorschlägen der buebschen Erziehungslehre auseinander. Basis dieser Auseinandersetzung ist die systemische Pädagogik. Als solche bezeichnet man eine Richtung der Pädagogik, die die Vielfalt und Wechselbezüglichkeit des Erzieherischen kennt und deshalb mechanistischen Kurzschlüssen (nach dem Mott »Man nehme ...!«) skeptisch gegenübersteht. Stattdessen gilt es, die Professionalität der Erziehung in Deutschland zu stärken. Dabei spielen - wie in diesem Buch gezeigt werden soll - die Selbstreflexion von Eltern, Lehrern und Erziehern sowie die Erweiterung ihrer pädagogischen Vielfalt eine große Rolle. Erst wenn diese sich mehr vorzustellen vermögen, als sie ihre Erfahrungen lehren, können stabile Erwartungen enttäuscht und festgefahrene Eskalationsmuster auf beiden Seiten überwunden werden. Am Anfang jeder Erziehung steht die dem Gegenüber zugewandte Liebe im pestalozzischen Sinne -, ihr folgen die Selbstreflexion, die nicht enden wollende Geduld und die Vielfalt der angebotenen Möglichkeiten.
Das vorliegende Buch basiert auf zahlreichen Erfahrungen, die ich als Vater, systemischer Berater, Erziehungswissenschaftler sowie Lehrerbildner in den letzten Jahrzehnten habe sammeln können. Hierfür bin ich unzähligen Menschen zu Dank verpflichtet. Insbesondere danke ich meinen Studierenden, die sich mir in systemischen Seminaren mit den Grundlagen ihres eigenen Denkens geöffnet haben und in einer oft bewegenden Form zu neuen Fundamenten ihres pädagogischen Weltbildes vorgestoßen sind. Ihnen verdanke ich viele Einblicke. Ähnliches gilt für die Familientherapeuten sowie Lehrkräfte, mit denen ich in zahlreichen Seminaren sowie Vortragsveranstaltungen im In- und Ausland zusammengetroffen bin. Doch auch von den eigenen Kindern lernt man viel über Erziehung, ihre Wirkungsunsicherheit sowie auch die - oft fragwürdigen - Grundlagen des eigenen erzieherischen Impulses -wenn man sich dem selbstreflexiven Erziehungslernen öffnet und es sich gestattet, bisweilen auch ganz anders zu sein, um Vielfalt und Leichtigkeit zu tanken. Selbstreflexion, Vielfalt und Leichtigkeit sind die Stoffe, aus denen sich in den letzten Jahren das Bild einer systemischen Pädagogik entwickelt hat, die mit weniger Planung, Empfehlung und Rigorismus auskommt und stattdessen den Kräften des Lebendigen zum Ausdruck verhilft.
Danken möchte ich auch Bernhard Bueb für die Vorlage seiner Streitschrift Lob der Disziplin. Er hat mich zu einem Widerspruch angeregt, der bisweilen auch Formen eines Ärgers annahm. Nach meinem Eindruck sind seine Positionen falsch - bzw., konstruktivistisch gesprochen: wenig viabel - und in ihren Wirkungen für die deutsche Erziehungsmentalität verheerend. Dies habe ich in meinem Buch pointiert zum Ausdruck gebracht, wobei ich mich vielfach auf Originalzitate aus dem buebschen Buch beziehe. Dabei ist hoffentlich nicht nur eine weitere Streitschrift entstanden, denn ich habe mich auch bemüht, dort konkret zu werden, wo Bueb vage bleibt, und dort vielfältig, wo Bueb mit seinem eindimensionalen Autoritarismus aufwartet.

Rolf Arnold, Kaiserslautern im August 2007


Über den Autor:

Rolf Arnold, Prof. Dr., Professor für Pädagogik (insbesondere Berufs- und Erwachsenenpädagogik); Aufsichtsratsvorsitzender und Wissenschaftlicher Direktor des Distance and International Studies Centre (DISC) an der TU Kaiserslautern; Verwaltungsratsvorsitzender des Deutschen Instituts für Erwachsenenbildung (DIE, Bonn) sowie systemischer Berater im nationalen und internationalen Rahmen (Schwerpunkte: Führungskräfte, Bildungssystementwicklung). Lehrtätigkeiten an den Universitäten Bern, Heidelberg und Klagenfurt.





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