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Neuvorstellung zur Übersicht
28.11.2007
Jörg Flecker, Sabine Kirschenhofer: Die populistische Lücke. Umbrüche in der Arbeitswelt und Aufstieg des Rechtspopulismus am Beispiel Österreichs
edition sigma





Wolfgang Loth, Bergisch-Gladbach:

Erstaunlicherweise ist es auch in explizit kontextorientierten Hilfekonzepten wie der Systemischen Therapie nicht garantiert, dass die materiellen und lebenspraktischen Verhältnisse der Hilfesuchenden in den Fokus der Aufmerksamkeit geraten. Die Verhältnisse sind schwierig, ja schon, das ist die allgemeine Begleitmusik, die Verhältnisse werden dann aber in der Regel leitmotivisch auf Verhalten in Beziehungen konzentriert, wenn nicht ganz individualisiert. Die Rahmungen von Hilfen als Psycho-Therapie sind ja keine semantischen Beliebigkeiten. Dennoch, bei genauerer Betrachtung ließe sich manches Beziehungs- und Erlebensdrama etwas leichter nachvollziehen, wenn „die Verhältnisse“ anders mitberücksichtigt würden – als Haltepunkte, die nicht mehr halten, zum Beispiel. Dass damit nicht gemeint ist, auf das Reflektieren der inneren Repräsentationen äußerer Haltlosigkeiten zu verzichten, auf die mögliche Varianz von Interpretationen zum Wirkenden und Konstruktionen von Wirklichkeit, sei vorausgesetzt.
Das hier vorgestellte Buch thematisiert die Schnittstelle zwischen den beiden Bereichen der äußeren Herausforderungen und inneren Verarbeitung vortrefflich. Die beiden AutorInnen konzentrieren sich auf die „Frage, wie sich die subjektive Wahrnehmung und Verarbeitung des sozio-ökonomischen Wandels und insbesondere der Umbrüche in der Arbeitswelt in politische Subjektivität umsetzt“ (S.8). Wer an einem straffen und informativen Überblick über Begrifflichkeiten, Konzepte und Thesen zu den Begleiterscheinungen und Konsequenzen der aktuellen sozio-ökonomischen Verwerfungen interessiert ist, wird in diesem Buch fündig.
Wieso nun „populistische Lücke“? Wie ich das verstehe, ist der Ausgangspunkt für die These von der populistischen Lücke der Gedanke, dass die Mainstream-Parteien angesichts der subjektiv als bedrohlich erlebten Veränderungen nicht mit brauchbaren Angeboten zur Sinnfindung dienen können. Sie ringen zum einen offensichtlich selbst erfolglos mit der Komplexität der Materie, vernebeln dies andererseits häufig mit pseudokompetent erscheinenden Aktionen, verschärft durch eine Erfolgsrhetorik, die dann eher weiter verwirrt als entlastet. Es entsteht, so die These, ein Sinnfindungs-Vakuum für die von den Verwerfungen besonders Betroffenen. Für diese öffnet sich ein Abgrund aus Not (die auch als befürchtete keine geringeren emotionalen Reaktionen auslöst als wirkliche) und Irritation, ein prähypnotischer Zustand kollektiver Erwartungen von Unheil – oder Erlösung. Da Erlösung nicht wirklich zu haben ist, zumindest nicht mit Mitteln seriöser Politik, bietet sich hier eine Nische an für diejenigen, die darauf setzen können, dass die Not anfällig macht für Hoffnungsvorschüsse. Die Kompetenz populistischer Parteien besteht nun genau darin, diese Hoffnungsvorschüsse abzusahnen. Wenn ich die These des Buches richtig verstehe, gelingt dieses Absahnen insbesondere dadurch, dass populistische Parteien, die Nöte nicht nur benennen, sondern semantisch in ein Wir-Gefühl einpacken. Damit ist zum einen erreicht, dass die von der Not (wirklich oder befürchtet) Betroffenen sich nicht mehr so sehr ausgegrenzt und allein gelassen fühlen müssen, und zum anderen, dass damit ein Selbstläufer ins Spiel gebracht ist, der von wirklicher Problemlösung erfolgreich ablenkt (der Konkurrenzaffekt wirkt selbstverstärkend, wenn er „Masse“ bekommen hat und eine Richtung angeboten bekommt: die (jeweils) Andersartigen sind schuld und müssen weg und solange sie noch da sind, besteht das Problem weiter und damit die „Notwendigkeit“, die Parolen fortzusetzen).
Das Buch von Flecker und Kirschenhofer liefert nicht nur Material zum Strukturien der theoretischen Diskussion, sondern lässt durch die Darstellung von Gesprächen mit Betroffenen ein Gespür dafür entstehen, was Menschen bewegt, die von den aktuellen sozio-ökonomischen Verwerfungen betroffen sind. Dabei wird nicht nur deutlich, wie sich die ungewollten Veränderungen im Erleben und alltäglichen Handeln auswirken, sondern auch, dass persönlich erlebte Bedrohung eben nicht wie von selbst zu Ressentiments und Ansprechbarkeit durch populistische Parolen führt. Es gibt immer wieder auch die, die sich auch in der Not nicht das Denken abkaufen lassen. Was nicht heißt, dass dies den Gegenwind rechtfertigt, gegen den sie bestehen. Es ist ja geradezu ein Treppenwitz der Geschichte, dass es dem Argument der Globalisierung gelungen ist, zu einem populistischen, zur Abgrenzung motivierenden Argument zu werden – als hätte es nie die Idee gegeben, dass eine globale Solidarität ein probates Mittel gegen Ausbeutung und Erniedrigung sei (ach ja, vielleicht ist das Globale dann doch noch etwas anderes als die Internationale…)
Die AutorInnen fassen ihre Ergebnisse unter anderem in einer Typologie von Verwerfungskonfigurationen zusammen: Hier kommen „Aufstrebende Angestellte“ zur Sprache, nach dem Motto „der harte Kampf um einen Platz in der gesellschaftlichen Mitte“, ebenso „Unmut bei den Arbeitern – fehlende Anerkennung und Arbeitsleid“, „Arbeiterinnen in prekärer Lebenslage – Existenzkampf und doppelte Benachteiligung“, sowie „Selbstständige mit individualistischer Aufsteigs- und Leistungsorientierung“.
Und wieso sollte das wichtig sein für unsere Arbeit? Zum einen macht die Beschäftigung mit Fragen gesellschaftlicher Verwerfungen und sozio-ökonomischer Verlustszenarien aufmerksam dafür, wieso manchmal bei allem Bemühen um eine vernünftige innere Klärung der Situation letztlich doch Resignation überwiegt. Mir ist es in der Arbeit meist dann am schwierigsten, wenn ich dem Sog von Klagen über finanzielle und materielle Verluste, dem Fehlen von reellen Gestaltungschancen nicht mehr wirklich standhalten kann, wenn ich auf Rückgrat zu sprechen komme, auf Menschenwürde, darauf, dass Besitz nicht alles ist, dass sich der Wert des Menschen nicht über das definiert, was er hat, dann bin ich oft schon weg vom Fenster. Wir beide, die KlientIn und ich wissen, dass wir uns in diesem Moment zwar mit Respekt und Sympathie begegnen, aber auch, dass wir beide mit weichen Mitteln gegen harte Realitäten argumentieren. Das ist schon etwas, möglicherweise sogar etwas Entscheidendes, aber es bleibt oft prekär. Dafür eine Sprache zu haben, wenigstens kein zusätzliches Mentalisierungsproblem zu haben, das ist schon was, und dieses Buch hilft dabei. Flecker und Kirschenhofer: „Unsere Erhebung bestätigt die Bedeutung, die dem Mangel an Ausdrucksmöglichkeiten für das Arbeitsleid, für Kränkungen und Gefährdungen durch Umbrüche in der Arbeitswelt und auch für Angst vor sozialer Isolation zukommt“ (S.154). Das wäre dann wieder ein Hinweis auf Möglichkeiten unser Profession. Dabei können wir helfen, und das wäre dann auch, wenn ich es recht verstehe, ein brauchbarer Beitrag dazu, dass die populistische Lücke nicht denen zum Auffüllen überlassen wird, die mit der Not der Betroffenen ihre eigenen Geschäfte betreiben wollen.
(mit freundlicher Erlaubnis aus systeme 2007)





Zu einem Interview mit Jörg Flecker, das in FM5.at erschien: "Das ist der neue Faschismus"





Verlagsinformation:

In diesem Buch wird untersucht, wie Menschen in unterschiedlichen Erwerbs- und Lebenslagen den sozio-ökonomischen Wandel wahrnehmen und verarbeiten. Ihre Gesellschaftsbilder, Unrechtsempfinden, Frustrationen und Bedürfnisse nach Anerkennung werden als Potentiale für politische Subjektivität gefasst. Deren Analyse macht verständlich, warum Personen die eigene Lebenssituation sowie gesellschaftliche Bedingungen unter Rückgriff auf ideologische Angebote des Rechtspopulismus deuten. – Am Beispiel Österreichs argumentieren Flecker und Kirschenhofer auf der Grundlage einer qualitativen empirischen Erhebung, dass eine populistische Lücke im Politikangebot der etablierten Parteien und Interessenvertretungen zum Aufstieg des Rechtspopulismus beigetragen hat, die verschiedene Dimensionen betrifft: öffentliche Wahrnehmung von Problemlagen, soziale Wertschätzung, Angebote für die Deutung gesellschaftlicher Veränderungen und Vertretung materieller und symbolischer Interessen. Die Zielsetzung der Untersuchung war es, die Haltungen und Orientierungen der Menschen zu verstehen – nicht sie zu beurteilen oder zu verurteilen. Damit gibt das Buch jenen eine Stimme, die sich in der öffentlichen und politischen Diskussion offensichtlich übergangen fühlen.


Inhalt:

Einleitung 7
1. Thesen über die politischen Folgen des sozio-ökonomischen Wandels 11
Große Not und kleine Nöte 12
Widerstand gegen die Bedrohung kultureller Identität? 20
Identitätskrisen und Identitätsstützen 23
Sozio-ökonomischer Wandel und Aufstieg des Rechtspopulismus 27
2. Sozio-ökonomischer Wandel in Östereich 35
Veränderungen im "österreichischen Modell" 35
Ausgewählte Branchen im Überblick 42
Der politische Kontext: Hoch- und Tiefflüge der rechtspopulistischen FPÖ 47
3. Untersuchungssample und methodisches Vorgehen 51
Methode und Verlauf der qualitativen Untersuchung 53
Liste der Interviewpartner/innen 55
4. Folgen des sozio-ökonomischen Wandels - Lebensgeschichten aus Österreich 59
4.1 Aufsteiger/innen: Verschämte Nostalgie und Hohelied auf das Leistungsprinzip 59
Frau Tumschitz: Vom Fräulein vom Amt zur Teamleiterin 64
Frau Veitschnig: Postbeamtin in der Provinz 72
Frau Reutner: Quereinsteigerin in einen IT-Beruf 78
4.2 Abstieg oder Abstiegsgefährdung: Verschärfte Ungerechtigkeiten und vereitelte Lebensplanung 85
Herr Gruntner: Zwangspensionierter Paketzusteller bei der Post 89
Herr Klammer: Metallfacharbeiter in Anlerntätigkeit 95
Herr Mautner: Als angelernter Arbeiter in der Metallindustrie 102
4.3 Prekäre Lebenslagen: Existentielle Bedrohungen und doppelte Ungerechtigkeit 108
Frau Eibner: Angelernte Arbeiterin in der Elektroindustrie, derzeit arbeitslos 113
Herr Neumann: Arbeiter, derzeit arbeitslos 120
5. Sozio-ökonomischer Wandel und Varianten rechtspopulistischer Anziehung 127
5.1 Beziehung zur Politik und Wahrnehmung des politischen Systems 128
5.2 Varianten rechtspopulistischer Anziehung - eine Typologie 132
5.3 Wandel politischer Loyalitäten bei der traditionellen Rechten 143
5.4 Jenseits des Rechtspopulismus: Festigung von solidarischen Haltungen 144
6. Arbeitswelt und populistische Lücke - Schlussfolgerungen aus der Untersuchung 149


Einführung:

Der Weg Jörg Haiders nach oben war von guten Vorsätzen seiner politischen Gegner gepflastert. Zwischen 1986 und 2000 hieß es nach jeder Wahl, die dem österreichischen Rechtspopulisten einen deutlichen Stimmenzuwachs brachte, man werde die Sorgen und Ängste der "kleinen Leute" nun ernst nehmen. Danach war wenig davon zu bemerken - bis zur nächsten Wahl, nach der die gleichen Vorsätze zu hören waren. Nach 2002 ließ der Absturz der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) in der Wählergunst die Hoffnung aufkommen, dass der Rechtspopulismus eine vorübergehende Erscheinung sei, weil jede Regierungsverantwortung seine Vertreter/innen notwendigerweise entzaubere. Damit hat der österreichische Bundeskanzler Schüssel die Koalition der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) mit den Schmuddelkindern der Politik auch immer zu legitimieren versucht. Diese Hoffnung wurde durch die Gemeinderats- und Landtagswahlen in Wien im Jahr 2005 bitter enttäuscht: Die von einer Parteispaltung geschwächte FPÖ erreichte nach einem Wahlkampf, in dem sie ausschließlich auf ausländerfeindliche Botschaften setzte, 15% der Stimmen. Und noch am Wahlabend hieß es dann von Seiten der Sozialdemokraten, man werde "die Sorgen und Ängste der kleinen Leute ernst nehmen".
Die Sorgen und Ängste der arbeitenden Bevölkerung sind Gegenstand dieses Buchs. Die politischen Auseinandersetzungen in Österreich waren der Anlass für die Untersuchung, auf der es beruht. Im Rahmen eines europäischen Forschungsprojekts untersuchten wir in den Jahren 2001 bis 2004 die subjektiven Wahrnehmungen und die individuellen Reaktionen auf den sozio-ökonomischen Wandel und insbesondere auf die Umbrüche in der Arbeitswelt. Und diese Umbrüche waren in den letzten zwanzig Jahren enorm: Massiver Anstieg der Arbeitslosigkeit, Privatisierung der verstaatlichten Industrie, Beitritt zur Europäischen Union, Liberalisierung öffentlicher Dienstleistungen, Internationalisierungsschub, Anhebung des Pensionsantrittsalters. Führten diese tief greifenden Veränderungen zu Verunsicherung und Frustrationen, welche wiederum die rechtspopulistischen Heilsbotschaften attraktiv erscheinen ließen? In den Leitartikeln war zumindest häufig von den "Modernisierungsverlierern" zu lesen, die zum Opfer der politischen Rattenfänger würden.
Auch ein Teil der politikwissenschaftlichen und sozialpsychologischen Erklärungen des Rechtspopulismus verweist auf den raschen sozio-ökonomischen Wandel und insbesondere auf Umwälzungen des Erwerbslebens (Ignazi 1992; Bailer et al. 2000). In soziologischen Analysen der gegenwärtigen Umbrüche in der Arbeitswelt wird vor den politischen Folgen zunehmender Unsicherheit und Ungleichheit gewarnt (Heitmeyer 1995; Sennett 1998; Mahnkopf 2000; Zilian 2002). Empirisch wurde dieser in der Literatur häufig betonte Zusammenhang zwischen den Verwerfungen in der Erwerbsarbeitsgesellschaft und dem Aufstieg des Rechtspopulismus und Rechtsextremismus jedoch selten untersucht. Diesbezügliche Analysen beschränkten sich in der Regel auf die Auswertung der sozialstrukturellen Merkmale der Wählerinnen und Wähler extrem rechter Parteien (Lubbers 2001). Damit lässt sich jedoch wenig über die tatsächliche Betroffenheit von Veränderungen in der Arbeitswelt und über deren Auswirkungen auf politische Orientierungen aussagen.
Mit dem europäischen Forschungsprojekt SIREN (1) nahmen wir uns dieser Forschungslücke an, indem wir in acht europäischen Ländern die subjektiven Wahrnehmungen und Verarbeitungsformen der Umbrüche in der Arbeitswelt erfassten und mit politischen Orientierungen in Beziehung setzten. In diesem Buch fassen wir die Ergebnisse der qualitativen Erhebung in Österreich zusammen. Sie erlauben es, die erhöhte Akzeptanz rechtspopulistischer politischer und ideologischer Angebote in verschiedenen Bevölkerungsgruppen besser zu verstehen und diesbezügliche Thesen empirisch abzusichern. Insbesondere zeigen sie die Vielfalt der möglichen Zugänge zu autoritär-ausgrenzenden Haltungen und zum politischen Angebot des Rechtspopulismus auf. Sie relativieren damit den Streit darüber, was nun wirklich die Hauptursache für den Aufstieg des Rechtspopulismus sei.
In diesem Buch geht es aber nicht um Meinungen, Parteipräferenzen und Wahlverhalten. Es geht vielmehr um den umfassenderen Rahmen der Gesellschaftsbilder, der normativen oder moralischen Vorstellungen von sozialer Ordnung, der Gerechtigkeitskonzepte und Benachteiligungsgefühle, der Glückshoffnungen und Frustrationserfahrungen, der Bedürfnisse nach Anerkennung und kultureller Identität, die allesamt als "Potenziale politischer Subjektivität" bezeichnet werden können (Dubiel 1994). Im Zentrum steht die Frage, wie sich die subjektive Wahrnehmung und Verarbeitung des sozio-ökonomischen Wandels und insbesondere der Umbrüche in der Arbeitswelt in politische Subjektivität umsetzt. Auf diese Weise soll verständlich werden, warum Personen die gesellschaftlichen Bedingungen und ihre eigene Lebenssituation unter Rückgriff auf ideologische Angebote des Rechtspopulismus deuten und worin die Attraktivität der politischen Botschaften, des Politikstils sowie der ideologischen Elemente des Rechtspopulismus besteht. Nicht behandelt werden dagegen die in der Diskussion zumeist im Vordergrund stehenden und zweifellos sehr wichtigen Ursachen des Aufstiegs des Rechtspopulismus, die innerhalb des politischen Systems und seiner Veränderungen in den letzten beiden Jahrzehnten zu suchen sind (vgl. dazu Pelinka 1993; Egger de Campo 2000; Betz 2001; Heinisch 2004).
Die Zielsetzung der Untersuchung war es, die Haltungen und Orientierungen der Menschen zu verstehen - nicht sie zu beurteilen oder zu verurteilen. Damit soll auch jenen eine Stimme gegeben werden, die sich in der öffentlichen und politischen Diskussion offensichtlich übergangen fühlen. Das soll die "Sorgen und Ängste" der viel zitierten "kleinen Leute" verständlicher machen, von denen die politischen Elite nicht müde wird zu betonen, dass sie sie in Hinkunft ernster nehmen wolle.
An der Untersuchung und am Zustandekommen dieses Buches waren viele Personen beteiligt. Zunächst möchten wir unseren Interviewpartner/inne/n herzlich danken, die bereit waren, ihre Lebensgeschichte zu erzählen und uns sehr viel Persönliches anzuvertrauen. Die Interviews wurden von der Autorin und dem Autor sowie von unseren Kolleg/inn/en bei FORBA Ulrike Papouschek und Manfred Krenn durchgeführt, interpretiert und zu Fallberichten verarbeitet. Der Interviewleitfaden für das internationale SIREN-Projekt war von Gabrielle Balazs vom Centre d'Etude de l'Emploi entworfen worden. Sehr viel Unterstützung wurde uns während des Forschungsprojekts von der Projektorganisatorin Christine Wagner zuteil. Das Buch hat durch die "Geburtshilfe" und die fachkundigen Verbesserungen der wissenschaftlichen Lektorin Karin Hirschfeld, idtext, Berlin, sehr gewonnen. Schließlich danken wir Ursula Holtgrewe für die wertvollen Anregungen anlässlich der FORBA-internen Begutachtung des Manuskripts.
Der Band ist in sechs Kapitel gegliedert. Im ersten werden die Untersuchungsfragen begründet und diesbezügliche Thesen aus der Literatur diskutiert. Im zweiten Kapitel wird der sozio-ökonomische Wandel in Österreich als Hintergrund der Analyse beschrieben. Daran anschließend wird im dritten Kapitel die Vorgehensweise bei der Untersuchung dargestellt. Im vierten Kapitel führen wir aus, wie die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbrüche von den Betroffenen wahrgenommen und verarbeitet werden. Diese ausführliche Darstellung ausgewählter Fälle soll es ermöglichen, die Arbeits- und Lebenssituation, die Gesellschaftsbilder, die politische Subjektivität und die politischen Orientierungen verschiedener Typen von Erwerbstätigen in ihrer Gesamtheit zu erfassen. Das fünfte Kapitel schließlich analysiert die Auswirkungen des Umbruchs der Arbeitswelt auf die politischen Orientierungen. Mit einer Typenbildung werden dabei die höchst unterschiedlichen Varianten rechtspopulistischer Anziehung erfasst, es werden aber auch entgegengesetzte politische Reaktionen beschrieben. Das abschließende sechste Kapitel enthält ein Resümee der Untersuchung.

(1) Das Projekt Socio-economic Change, Individual Reactions and the Appeal of the Extreme Right (SIREN) wurde von der Generaldirektion Forschung der EU-Kommission im Programm Improving Human Potential and the Socio-economic Knowledge Base und dem Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur finanziert. Durchgeführt wurde es von Partnerinstituten in acht Ländern, die Koordination lag bei Jörg Flecker, FORBA Wien (www.siren.at). Die Gesamtergebnisse sind den Publikationen Hentges et al. 2003; De Weerdt et al. 2004; Flecker et al. 2004 bzw. Flecker et al. 2006 sowie Flecker 2007 zu entnehmen.


Über die Autoren:

Univ.-Doz. Dr. Jörg Flecker, geb. 1959 in Graz, Studium der Handelswissenschaft und der Soziologie, postgraduate Ausbildung am Institut für Höhere Studien, von 1986 - 1990 wissenschaftlicher Angestellter am IHS mit dem Schwerpunkt Arbeits- und Industriesoziologie, Visiting Lecturer und Research Fellow am Lancashire Polytechnic in Großbritannien 1991, seit 1991 wissenschaftlicher Leiter von FORBA. Von 1991 bis 2001 Lehrtätigkeit an der Wirtschaftsuniversität Wien, seit 2003 Universitätsdozent an der Universität Wien. Wissenschaftlicher Direktor von FORBA. Arbeitsschwerpunkte: International vergleichende Organisationsforschung, Arbeitsbeziehungen, Informationstechnik und Arbeit.

Mag. Sabine Kirschenhofer, geb. 1971, Studium der Soziologie und Anglistik, systemische Familientherapeutin am Institut für Ehe- und Familientherapie in Wien und psychotherapeutische Tätigkeit in freier Praxis, Mitarbeiterin bei Forba (Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt). Interessensschwerpunkte: Feminismus. Redaktionsmitglied der Zeitschrift "systeme".



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