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Neuvorstellung zur Übersicht
13.11.2007
Thomas Bock: Eigensinn und Psychose. "Noncompliance" als Chance - Sibylle Prins (hrsg.): Seitenwechsel. Psychiatrieerfahrene Professionelle erzählen
Bock: Eigensinn Paranus Verlag, Neumünster 2006

168 S., broschiert

Preis: 14,80 €

ISBN-10: 3926200901
ISBN-13: 978-3926200907
Prins: SeitenwechselParanus Verlag, Neumünster 2006

189 S., broschiert

Preis: 16,80 €

ISBN-10: 3926200707
ISBN-13: 978-3926200709




Paranus Verlag





Andreas Manteufel, Bonn:


Die beiden Bücher stellen, in Treue zum Konzept des Verlags, Lebensgeschichten psychisch kranker Frauen und Männer in den Vordergrund. Prins interviewte Menschen, die die Doppelrolle von Psychiatrieerfahrener und professioneller Helferin (Ärztinnen, Psychologinnen, Pädagoginnen) einnehmen. Deren Erzählungen werden ausführlich, in alltagsnaher Sprache und nur spärlich durch Interviewfragen unterbrochen widergegeben. Bock gibt dem Phänomen der „Noncompliance“ eine positive Wendung und zeigt anhand von elf Krankengeschichten beispielhaft, wie man dem „Eigensinn“ der Patienten, ihrem Hadern mit professionellen Anordnungen oder Empfehlungen besser folgen kann.
Immerhin kann sich Bock auf Forschungsbefunde stützen, die Patienten mit abweichenden, individuellen Krankheitskonzepten langfristig eine höhere Lebensqualität zusprechen. Er plädiert für einen kooperativen Begriff von Compliance als „Ergebnis gemeinsamer Anstrengungen“, statt als „Unterwerfungsritual“. Uns Professionelle erinnert er an unsere Verantwortung für die Art der Aufklärung über Krankheit und Behandlung und für die Sprache, mit der wir den Patienten gegenübertreten. Und er wünscht sich mehr Bereitschaft von Professionellen, auf die Komplexität der Patientengeschichten und ihren „subjektiven Sinn“ ein zu gehen. Man mag denken, dass Bock bei den meisten Professionellen offene Türen einrennt. In Konferenzen und Teambesprechungen oder gar auf Tagungen, frei vom täglichen Handlungsdruck, sind dies alles gerne gehörte, absolut zustimmungsfähige Thesen. Worauf es ankommt ist, ob der Leser sein alltägliches Handeln mit „schwierigen“, weil „widerspenstigen“ Patienten, einer ehrlichen Prüfung unterzieht und sich von den Beispielen des Buches anregen lässt, neue Ideen um zu setzen. Dann erst hätte die Lektüre einen echten Sinn erfüllt. Bocks Darstellungsweise ist engagiert, ermutigend, und sie ist ausreichend differenziert, weil auch die Grenzen des Machbaren nicht geleugnet werden. Systemische Kolleginnen und Kollegen werden merken, dass systemischer Geist durch das Buch weht, etwa dort, wo Bock auf die Bedeutung der Kontexterweiterung, des Einbezugs von Angehörigen und der Bereitschaft, positiven Sinn auch unangenehmer Verhaltensweisen von Patienten anzuerkennen, fokussiert. Und zum Glück ist er weit davon entfernt, mit Rezepten zu locken, wie man es denn nun im Konkreten anders machen sollte. Michaela Amering verfasste ein Kapitel über das „Recovery-Konzept“, bei dem es um „die Entwicklung aus den Beschränkungen der PatientInnenrolle hin zu einem selbstbestimmten Leben“ (S. 146) geht. Ein Gespräch mit Dorothea Buck über ihre „eigensinnigen Erfahrungen mit der eigenen Psychose“ runden das Buch ab.

Sibylle Prins hat sich mit Menschen unterhalten, die in ihrer Biographie sowohl die Erfahrung eigener psychiatrischer Behandlung als auch die Ausübung eines psychosozialen Helferberufs aufweisen. Besonders interessant an diesem „Seitenwechsel“ sind die Spuren, die eigene Krankheits- und Behandlungserfahrungen in der Auseinandersetzung mit Patienten über Krankheitskonzepte hinterlassen. Eine Autorin sagt: „Ich schreibe ganz bewusst nicht in meinen Arztbrief: „Die Behandlung war schwierig, weil der Patient keinerlei Krankheitseinsicht zeigte.“ Ob ich das schreibe, oder: „Es gelang während der Behandlung nicht, ein ausreichend stabiles gemeinsames Krankheitsmodell zu entwickeln“, sind zwei verschiedene paar Schuhe.“ (S. 69) Alle Erfahrungsberichte sind ein Appell an mehr Respekt für das Erleben der Patienten, für Geduld und Zuhören, und für die Fähigkeit, zum gedanklichen „Seitenwechsel“. „Ich habe einen schönen Spruch von Einstein entdeckt[…]: „Die Theorie bestimmt, was wir wahrnehmen“. Wenn ich von einer Theorie der Stoffwechselstörung ausgehe, dann ist klar, was ich wahrnehme. Und letztlich heißt dieser Begriff nur, dass es mir als Psychiaterin nicht gelungen ist, genügend Einsicht in das Krankheitserleben des Patienten zu nehmen.“ (ebd.).
Beide Bücher zielen auf ihre Weise darauf ab, die subjektive Seite in der Patientenbehandlung stärker wert zu schätzen. Beiden Büchern gelingt das, ohne die Moralkeule zu schwingen. Ich empfehle ihre Lektüre gerade Kolleginnen und Kollegen, die wie ich im psychiatrischen Akutbereich arbeiten, wo wir der Zeit und unseren neuen digitalen Dokumentationssystemen hinterherlaufen und immer die Gefahr besteht, dass wir uns diese eigentlich guten therapeutischen Tugenden abgewöhnen. Und ich empfehle diese Bücher als Alternative zum pseudowissenschaftlichen Einheitsbrei, der vorgibt, schon zu wissen, was für die Patienten gut und richtig ist.

(mit freundlicher Genehmigung aus systhema 2007)





Ein Online-Text von Thomas Bock: "Eigensinn – Aufbruch in der Psychiatrie. Was wir von unbehandelten und unkooperativen Patienten lernen können?"

Interview mit Thomas Bock zu "Anstöße zu einer anthropologischen Psychiatrie"


Ein Tagungsbericht über eine sozialpsychiatrische Tagung 2007 in Potsdam von Jürgen Bombosch: "Sind wir nach Potsdam 2007 verstärkt auf dem Weg zur trialogischen Psychiatrie?"

Leseprobe und Rezensionen zu "Seitenwechsel"





zu Thomas Bock: Eigensinn (Mit Beiträgen von Dorothea Buck und Michaela Amering)


Verlagsinfo:


Psychoseerfahrene sind in vielfacher Weise eigensinnig: Ihre Sinne gehen eigene Wege. Sie sind auf der Suche nach Eigenheit (eigenen Grenzen) und nach Sinn (Bedeutung für andere). Damit verpflichten sie nebenbei Psychotherapie und Sozialpsychiatrie zur Zusammenarbeit. Und: Viele von ihnen sind eigensinnig im Umgang mit Hilfe. Sie entwickeln ein eigensinniges Krankheitskonzept, fragen nach Sinn und Bedeutung ihrer Erfahrungen und prüfen ihr (familiäres der professionelles) Gegenüber sehr genau, wie ernst ein Beziehungsangebot gemeint ist.
Die Psychiatrie antwortet oft immer noch mit unzulänglichen Strukturen und simplen Krankheitskonzepten: Wie zwei Monster bewachen "Krankheitseinsicht" und "Compliance" das Tor zu den modernen Hilfen. "Noncompliance", die vermeintliche Verweigerung der Zusammenarbeit, erscheint als Krankheitsmerkmal, das die Prognose verschlechtert, und nicht als Ausdruck misslungener Kooperation, für die beide Seiten verantwortlich sind.
Thomas Bock erzählt in diesem Buch Geschichten von eigensinnigen Patienten – er berichtet von kreativen Wegen des Zugangs zu jungen Ersterkrankten und zu langfristig Psychoseerfahrenen. Sein Credo: Gerade von eigensinnigen Patienten können wir viel lernen über die Bedeutung von Psychosen, die notwendigen strukturellen Veränderungen der Psychiatrie, über angemessene Beziehungskultur.
Seine Schilderungen werden ergänzt durch ein Gespräch mit Dorothea Buck über den "eigenen Sinn von Psychosen " und durch eine wissenschaftliche Analyse von Prof. Michaela Amering aus Wien zu den subjektiven Voraussetzungen von Genesung: "Hoffnung macht Sinn".


Über den Autor:

Thomas Bock, Dr. habil., Jahrgang 1954, ist Psychologe und leitet die Sozialpsychiatrische Ambulanz am Universitätskrankenhaus Eppendorf in Hamburg. Mitinitiator der Psychose-Seminare.





zu Prins (hrsg.): Seitenwechsel


Verlagsinfo:

Psychiatrie teilt sich seit jeher in "zwei Lager": Die, die behandelt werden, auf der einen Seite, und die, die behandeln, auf der anderen. Dazwischen eine scheinbar unüberbrückbare Kluft.
Sibylle Prins hat Menschen gesucht und gefunden, die beide Seiten aus eigener Erfahrung kennen – professionelle Mitarbeiter/innen aller Berufsgruppen in der Psychiatrie, die selbst psychische Krisen und psychiatrische Behandlung erfahren haben.
Wie sieht die Psychiaterin nach ihrem Klinikaufenthalt als Patientin die Psychiatrie – und wie, wieder im Job, ihre eigene Arbeit? Und was berichten Psychiatrie-Erfahrene, die die Seiten wechseln und erfolgreich im psychiatrischen Bereich arbeiten – obwohl ihnen gesagt wurde, sie dürften auf keinen Fall einen sozialen Beruf ergreifen, schon gar nicht in der Psychiatrie? Ist eine solche doppelte Psychiatrie-Erfahrung hilfreich oder problematisch – oder beides zugleich? Wie sieht es aus mit der viel beschworenen Abgrenzungs- und Rollenproblematik? Ist die bewusste Schaffung von Arbeitsplätzen für Psychiatriebetroffene in der Psychiatrie ein Modell der Zukunft?
Die erzählenden Interviews in diesem Buch geben aufschlussreiche Antworten und überwinden damit das "Lagerdenken" in der Psychiatrie. Eine längst überfällige Diskussion ist eröffnet.


Über die Herausgeberin:

Sibylle Prins, geb. 1959, ursprünglich Sonderschullehrerin, nach kaufmännischer Umschulung zwölf Jahre als Verwaltungsangestellte tätig, inzwischen berentet; Psychiatrie-Erfahrung seit 1986, seit 1991 aktiv in Selbsthilfe und Trialog, u.a. als Autorin und mit Tagungsbeiträgen. 



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