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Neuvorstellung zur Übersicht
25.10.2005
Niklas Luhmann: Einführung in die Systemtheorie (Hörbuch)
Carl-Auer-Verlag




Tom Levold, Köln

Schon vor Jahren erschienen im Carl-Auer-Verlag in der Reihe der "Autobahn-Universität" die Vorlesungen von Niklas Luhmann zur Einführung in die Systemtheorie" aus dem Wintersemester 1991/92 an der Universität Bielefeld als Ton-Cassetten. Der technische Fortschritt hat mittlerweile dieses Medium obsolet werden lassen und der Verlag bietet nun die einzelnen Vorlesungen als Audio-Dateien im MP3-Format zum Einzel-Download an. MP3 ist ein Kompressionsverfahren, mit Hilfe dessen Audio-Dateien, die auf einer einer normalem CD erheblichen Speicherplatz in Anspruch nehmen würden, auf ungefähr ein Zehntel des Umfangs komprimiert werden können, ohne allzu große Einbußen in der Tonqualität in Kauf nehmen zu müssen. Diese Dateien können auf  jedem marktgängigen MP3-Player abgespielt werden oder auf eine CD gebrannt werden, auf der so alle Vorlesungen untergebracht werden können.
Mittlerweile ist auch eine von Dirk Baecker besorgte Schriftfassung der Vorlesungen im Carl-Auer-Verlag erschienen, die sich sehr dicht am meist frei gesprochenen Vortragstext orientiert (zur Rezension im systemagazin). Der Verlag bietet auf diese Weise dankenswerterweise gleich zwei Möglichkeiten, Luhmann gewissermaßen „live“ zu erleben. Lesen und Hören sind dabei nicht einfach austauschbar.
Ich habe mir das Vergnügen gegönnt, das Buch zu lesen und dabei parallel die Audio-Dateien zu hören. Das fiel mir nicht immer leicht, da mein normales Leseverhalten sich nicht ohne Weiteres der sequentiellen Abfolge des Textes unterwirft. Ich springe vor und zurück, erfasse Sätze eher blockweise, halte inne, schweife ab, streiche an usw., das alles in einer recht hohen Geschwindigkeit, kurz: ich mache etwas mit dem Text, selektiere, konstruiere ihn gewissermaßen in mein Vorverständnis hinein und mache ihn insofern zumindest teilweise zu meinem eigenen Text. Das Hören bremst und diszipliniert dagegen den Gedankenfluss, stellt von Gestalt-Wahrnehmung auf Sequenzialität um, ohne dass man immer schon wissen kann, worauf die Argumentation hinausläuft. Das Abschweifen der Gedanken wird schnell „bestraft“, weil man nicht mehr ohne Weiteres zum Ausgangspunkt zurückfindet und u.U. Sequenzbrüche hinnehmen muss. Allerdings gewinnt das gleichzeitige Hören dem Leseerlebnis auch neue Akzentuierungen ab. Der Autor tritt hinter dem Text hervor und wird als Person präsent. Die Prosodie seines mündlichen Vortrages verschafft mir immer wieder andere „Lesarten“ des Textes, markiert, was für ihn wichtig, zentral oder peripher ist und ermöglicht mir auf diese Weise, mich beim Lesen und bei meiner eigenen Rekonstruktion des Textes zu beobachten.
Ganz abgesehen davon ist es natürlich eine ganz eigene Erfahrung, Luhmann zuzuhören. Seine öffentliche Vorträge auf systemischen Tagungen und Kongressen galten vielen als schwierig und komplex, mit hohen Konzentrationserfordernissen. Bei den vorliegenden Hörbüchern geht es allerdings um eine Einführung in die Systemtheorie. Die Vorlesungen sind viel weniger verdichtet, meist auch doppelt so lang wie manche Vorträge auf früheren Tagungen und Kongressen. Man fühlt sich als Zuhörer einbezogen und kann gut folgen, spürt auch den Witz und die Ironie, die kennzeichnend für Luhmanns Vortragsstil gewesen sind.
Faszinierend ist dabei seine Stimme. Eine hohe, wenig männliche Stimme, distanziert und distinguiert, die ihre Lüneburger Herkunft nicht verleugnet, aber dennoch seltsam körperlos klingt. Sie reißt nicht mit, schmeichelt nicht, deklamiert und verführt nicht. Dennoch zieht sie in Bann. Sie ist nicht sexy, hat aber im übertragenen Sinne durchaus erotische Anklänge. Sie vermittelt sowohl eine außerordentliche Raffinesse als auch eine gewisse Amüsiertheit des entfernten Beobachters. Dabei steht sie ausschließlich im Dienst des vorgebrachten Argumentes und seiner Verfeinerung im Moment des Vortrages und bedient keine fremden Zwecke. Luhmann spricht höchst konzentriert und benutzt wenig Füllwörter, die entstehenden Pausen schaffen eine Spannung, die die Aufmerksamkeit nur noch stärker an den Gedankengang binden.
Zweifellos muss man sich in die Vorträge einhören, je mehr man sich darauf einlässt, desto größer ist der intellektuelle und ästhetische Gewinn für das Verständnis seines Werkes.
Die Vorlesungen sind in der Regel zwischen 70 und 95 Minuten lang und können jeweils für 5,00 € von der Website des Carl-Auer-Verlages heruntergeladen werden. Speziell für das Luhmann-Special im systemagazin hat der Verlag Ausschnitte aus den Vorlesungen als Hörproben zur Verfügung gestellt. Es sind jeweils die Anfänge der Vorlesungen 1,2,3,7 und 9 zu den Themen “Soziologie und Systemtheorie”, “Parsons”, “Theorie offener Systeme”, “Beobachten” und “Zeit”.
Wer ausprobieren möchte, Luhmann gleichzeitig zu hören und zu lesen, kann zur ersten Audio-Datei den entsprechenden Textausschnitt aus dem ersten Kapitel des Buches hier lesen:


Auszug aus Niklas Luhmann: Einführung in die Systemtheorie, 1. Vorlesung: Soziologie und Systemtheorie

„Meine Damen und Herren, die Vorlesung Einführung in die Systemtheorie, mit der ich heute beginne, wird an einer soziologischen Fakultät gehalten und ist in erster Linie an ein soziologisches Publikum adressiert. Die Frage, die wir gleich anfangs ins Auge fassen müssen, ist jedoch, ob es so etwas wie Systemtheorie auf dem aktuellen Stand der Forschung in der Soziologie heute überhaupt gibt. Die Soziologie steckt in einer tiefen Theoriekrise, das kann man, glaube ich, ohne viele Vorbehalte sagen. Wenn man Veranstaltungen über Theoriefragen in der Soziologie besucht oder entsprechende Literatur liest, findet man dominierend einen Rückgriff auf Klassiker, also Diskussionen über Max Weber, Karl Marx, Georg Simmel oder Èmile Durkheim. Die heutigen Soziologen sind durchaus nicht unkritisch gegenüber ihren klassischen Grundlagen, aber es herrscht doch die Vorstellung vor, dass die Konturen des Faches durch diesen klassischen Anfang bestimmt sind. Es gibt einige middle-range-Theorien, die darüber hinausreichen und die aus der empirischen Forschung entstanden sind, aber es gibt eigentlich keine theoretische Beschreibung der Probleme, vor denen sich die moderne Gesellschaft heute findet. Das gilt zum Beispiel für Ökologiefragen. Das gilt für Probleme mit den Einzelmenschen, den Individuen. Das gilt für den ganzen Bereich zunehmender Therapiebedürftigkeit und vieles andere mehr.
Die eigentlich faszinierenden intellektuellen Entwicklungen finden heute außerhalb des Faches der Soziologie statt. Das ist jedenfalls der Eindruck, von dem ich ausgehe. Ich möchte daher zunächst einmal in einem kurzen ersten Teil versuchen zu zeigen, wie man in der Soziologie bisher mit systemtheoretischen Orientierungen gearbeitet hat und wie, in welchen Formen man dabei auf Grenzen, auf Sackgassen, auf prinzipielle Theoriekritik gestoßen ist und dann nicht weitergemacht hat.
Darauf wird ein relativ umfangreicher Teil folgen, in dem ich versuchen will, interdisziplinäre oder transdisziplinäre Theorieanstrengungen durchzusehen, um herauszubekommen und vorzuführen, was daran möglicherweise für die Soziologie interessant ist. In den abschließenden Überlegungen werde ich versuchen, aus diesen Theorieüberlegungen - das können mathematische, psychologische, biologische, epistemologische, kybernetische und so weiter Quellen sein - für die Ausgangspunkte soziologischer Theoriebildung Schlüsse zu ziehen.
Die Vorlesung wird in relativ abstrakten Theoriekonzepten enden, die im soziologischen Alltagsbetrieb erst noch auf ein forschungsfähiges Format zugeschnitten werden müssen. Das betrifft Begriffe wie Zeit, Sinn, Handlung, System, doppelte Kontingenz, Struktur und so weiter.“




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