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Klassiker zur Übersicht
Antonovsky, Aaron
Salutogenese. Zur Entmystifizierung der Gesundheit
Antonovsky: Salutogenese dgvt-Verlag, Tübingen 1997

224 S., broschiert

Preis: 19,80 €
ISBN-10: 387159136X
ISBN-13: 978-3871591365
vgst-Verlag





Wolfgang Loth, Bergisch Gladbach:

Systemischen TherapeutInnen ein Buch zu empfehlen, das sich dezidiert dem Blick auf Ressourcen widmet, erscheint mittlerweile wie der Versuch, Eulen nach Athen zu tragen. Ich möchte es bei diesem Buch dennoch noch einmal ausdrücklich tun. Drei Gründe sprechen für mich dafür.
Zum ersten: Das Konzept der Salutogenese eignet sich sehr gut als Beispiel für eine systemische Betrachtungsweise von Gesundheit. Einer der Ausgangspunkte ist die Annahme eines multidimensionalen Gesundheits-Krankheits-Kontinuums. Anstelle der Konzentration auf Ätiologie und Defekte richtet salutogenetische Forschung ihr Augenmerk auf protektive Faktoren und Ausnahmen. Nicht zuletzt imponiert mir Antonovskys konsequente Berücksichtigung von politischen und gesellschaftlichen Kontexten als Nährboden sowohl für die Qualität von Gesundheit als auch für die Blickwinkel von BeobachterInnen (nicht zuletzt von ForscherInnen, die "ihre" Ergebnisse interpretieren!).
Zweitens: Gerade im Hinblick auf die "neue Relevanz" des Themas "Emotionen" für eine Klinische Theorie Systemischer Therapie erscheint mir Antonovskys Ansatz fruchtbar, in den Mittelpunkt seiner Forschungen das Konzept des "Kohärenzgefühls" (sense of coherence, SOC) zu stellen. Damit ist "eine globale Orientierung" gemeint, "die das Maß ausdrückt, in dem man ein durchdringendes, andauerndes, aber dynamisches Gefühl des Vertrauens hat, daß die eigene interne und externe Umwelt vorhersagbar ist und daß es eine hohe Wahrscheinlichkeit gibt, daß sich die Dinge so entwickeln werden, wie vernünftigerweise erwartet werden kann." (S.16). Eine tragende Rolle spielt dabei das Erleben von "Bedeutsamkeit", von "Sinn". Hier entscheidet sich, ob und wie die für wahr genommenen "Anforderungen Herausforderungen sind, die Anstrengung und Engagement lohnen." (S.36).
Drittens und ganz besonders deswegen empfehle ich dieses Buch, weil es ein seltenes und hervorragendes Beispiel für die Tugend ist, den eigenen Weg des Erkennens und des Ringens um Erkenntnis selbstreflexiv kenntlich zu machen. Dies und das konsequente Schauen über den Tellerrand machen für mich aus dem inhaltsreichen und anregenden ein Wege weisendes Buch. Vielleicht empfinde ich gerade deswegen an manchen Stellen Unbehagen: Zwar schreibt Antonovsky an einer Stelle explizit, er hoffe, daß die LeserInnen seinen häufigen Gebrauch des Indikativs richtig (miß-)verstehen im Sinne eines Kürzels für interaktive Prozesse. Die Massierung der zuschreibenden Ausdrücke (nach dem Muster: "Personen mit hohem SOC haben...") wird jedoch vermutlich eine andere Wirkung hervorrufen, ebenso wie gelegentlich nicht mehr interaktiv übersetzbare Formulierungen und Argumentationen, etwa in der eher pessimistisch klingenden Vorstellung über die nur geringen Möglichkeiten einer intentionalen Beeinflussung des Kohärenzgefühls im Erwachsenenalter.
Einen (zusätzlichen) vierten Grund für meine Leseempfehlung möchte ich nicht verschweigen: Das Buch liest sich an manchen Stellen nicht ganz einfach und es wirkt manchmal nur dadurch erträglich, daß und wie Antonovsky seinen Weg als medizinsoziologischer Forscher transparent macht (siehe "drittens") und manche heilige Forschungskuh erfrischend normalisierend gegen den Strich bürstet. Insbesondere das Kapitel über eine Pilotstudie wirkt etwas anstrengend. Aber unter'm Strich: die Anstrengung lohnt sich!
Zusätzlich zu dem Verdienst, dieses Buch nun endlich - 10 Jahre nach Erscheinen des Originals in den USA - als deutschsprachige Ausgabe herausgebracht und sehr sorgfältig ediert zu haben (inklusive eines englich-deutschen und deutsch-englischen Glossars), gebührt Alexa Franke Dank für ein zusätzliches Kapitel, in dem sie den aktuellen, mittlerweile erreichten Stand der salutogenetischen Forschung skizziert.

(Erstveröffentlichung 1998 in systhema)






Eine kurze Zusammenfassung des Salutogenese-Konzeptes von Corinna Gleide

Eine weitere Darstellung von einer Schweizer Website zur Förderung von Selbsthilfegruppen





Verlagsinformation:

Der herkömmliche Ansatz versucht zu erklären, warum Menschen krank werden, warum sie unter eine gegebene Krankheitskategorie fallen. Die salutogenetische Denkweise, die sich auf die Ursprünge der Gesundheit konzentriert, stellt eine radikale andere Frage: Warum befinden sich Menschen auf der positiven Seite des Gesundheits-Krankheits-Kontinuums? Das Salutogenese-Konzept von Aaron Antonovsky hat auch im deutschsprachigen Raum immer mehr Verbreitung gefunden. Deshalb war es höchste Zeit, daß sein berühmtes Hauptwerk endlich auch in deutscher Übersetzung zugänglich wurde, damit es auf einer breiteren Basis rezipiert und weiterentwickelt werden kann. Alexa Franke hat hierzu nicht nur eine verläßliche Übersetzung vorgelegt, sie gibt darüber hinaus auch einen Überblick über den derzeitigen Entwicklungsstand.




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