Start
Bücher
Neuvorstellungen
kurz vorgestellt
Klassiker
Vorabdrucke
Zeitschriften
Familiendynamik
Konfliktdynamik
Journ. of Fam.Ther.
Family Process
Kontext
OSC
perspekt. mediation
Psychoth. im Dialog
Psychother.Soz.Wiss.
rpm
Soziale Systeme
systeme
System Familie
systhema
ZSTB
Links
Beiträge
Feldpost
Salon
Interviews
Nachrufe
Glossen
Luhmann-Special
Kongressgeschichten
"Das erste Mal"
Begegnungen
Blinde Flecke
Mauerfall 1989
Von Klienten lernen
Bibliothek
edition ferkel
Berichte
Nachrichten
Kalender
Newsletter
Konzept
Institute
Info
Autoren
Kontakt
Impressum
Druckversion Druckversion
Copyright © 2013
levold system design
Alle Rechte vorbehalten.
systemagazin logo


Nachruf auf Insoo Kim Berg (25.7.1934 - 10.1.2007)

Insoo Kim Berg
Ferdinand Wolf, Wien:

Insoo Kim Berg ist am 10. Januar 2007 in einem Fitnessstudio in Milwaukee in einer Entspannungspause friedlich eingeschlafen und aus diesem Schlaf nicht mehr erwacht.
Insoo Kim Berg wurde in Korea geboren. Schon früh war es offenkundig, dass sie eine für eine koreanische Frau  ungewöhnliche Laufbahn einschlagen wird. Insoo besuchte von 1950 bis 1953 die Ewha Women’s University in Seoul, übersiedelte schließlich in die Vereinigten Staaten von Amerika, um an der University of Wisconsin in Milwaukee 1969 den Master of Social Work zu absolvieren.
Im Rahmen ihrer postgradualen Ausbildung am Mental Research Institute (MRI) in Palo Alto / Kalifornien lernte sie ihren späteren Ehegatten und Arbeitspartner Steve De Shazer kennen, mit dem sie im Verband mit anderen 1978 das berühmte Brief Family Therapy Center (BFTC) in Milwaukee / Wisconsin begründete. Am BFTC entwickelte Insoo Kim Berg in der gemeinsamen Arbeit mit Steve De Shazer, Elam Nunnally, Eve Lipchik, Michele Weiner-Davis, Alex Molnar und Wallace Gingerich in Abgrenzung zum Kurztherapieansatz des MRI die Solution Focused Brief Therapy, die fortan eine der zentralen Therapiekonzeptionen im Rahmen der systemischen Therapie in der Arbeit mit Individuen, Paaren und Familien werden sollte. Besonders die Annahme, dass es in der therapeutischen Konversation weniger um Problemlösung als vielmehr um das Finden von Lösungen oft ohne direkten Bezug zum präsentierten Problem geht, führte zu einem radikalen Umdenken im therapeutischen Vorgehen. Auch die Beobachtung, dass Klienten in ihrem Alltag oft Vorgangsweisen entwickeln, die einen signifikanten Unterschied zur Problemsituation herstellen („Ausnahmen“) und als Lösungsmuster fungieren können, war eine eminent bedeutsame Erkenntnis für den Fokus therapeutischer Konversation. Beides steht für den unbedingten Glauben, dass KlientInnen in sich die notwendigen Fähigkeiten und Ressourcen haben, um ihren Alltag zu bewältigen und mit den schwierigsten Situationen prinzipiell zurande kommen, wobei es de facto darum geht, die Hoffnung des Klienten auf Veränderung aufrecht zu erhalten. Insoo Kim Berg  lebte in allen ihren Präsentationen, Workshops und Klientengesprächen dieses Prinzip in besonderem Maße, sodass der Eindruck entstand, dass kein Problem zu schwierig ist, um nicht kleinste Faktoren der Alltagsbewältigung ausfindig zu machen und darauf Veränderungsarbeit aufzubauen.
Insoo Kim Berg entwickelte diese Haltung im Laufe ihrer umfassenden Erfahrung im Umgang mit Personen mit verschiedensten Problemstellungen (Missbrauch, Misshandlung, Alkoholismus, Drogenabhängigkeit, Verwahrlosung, Obdachlosigkeit etc.) und aus verschiedensten Kulturkreisen (Inuit, Indianer, Vietnam-Flüchtlinge und Arbeit mit Personen aus allen Erdteilen und allen Bevölkerungsschichten).
Insoo Kim Berg war in besonderem Maße an gemeinnütziger Arbeit interessiert und unterstützte derartige Initiativen mit all den ihr zur Verfügung stehenden Mitteln. So gründete sie beispielsweise im Zuge der Hurrikan-Katastrophe von New Orleans 2005 eine Initiative, um den betroffenen Personen im Gegensatz zur offiziellen US-amerikanischen Administration rasch und unbürokratische Hilfe und Unterstützung zu ermöglichen.
Insoo Kim Berg war eine ungemein aktive Person. So betonte sie auf die Frage, woher sie ihre unglaubliche Arbeitsenergie hernimmt: „Korean way of life is hard work!“. Dies führte dazu, dass man sie in ihrem Hause in Milwaukee bereits um 5.00 Uhr früh in ihrem Gemüsegarten bei der Gartenarbeit antreffen konnte, um sie dann letztendlich täglich (oft auch am Sonntag) von 8.00 bis nach 22.00 Uhr im BFTC bei der Arbeit mit Klienten, bei der Abfassung von Fachartikeln oder administrativen Tätigkeiten beobachten zu können.
Insoo Kim Berg hat in allen Erdteilen Workshops, Fortbildungen, Supervisionen und Kongreßbeiträge geliefert. In den letzten Jahren führte sie auch mehrere Online Kurse mit TeilnehmerInnen aus der ganzen Welt durch.
Ihre jüngsten Aktivitäten waren davon bestimmt eine hohe Qualität der Aus- und Fortbildungen zum lösungsfokussierten Ansatz sicherzustellen. So gründete sie gemeinsam mit Arnoud Huibers und Coert Visser eine Art Trainerakademie in Amsterdam, deren Initialaktivität eine Trainerkonferenz im März 2006 war. In weiterer Folge war daran gedacht, neben regelmäßigen Trainerkursen und -konferenzen ein Handbuch für Trainer herauszugeben, in dem neben den wichtigsten Haltungs- und Interventionsparametern auch Untersuchungen zur Sprache in der Therapie (durchgeführt von Jeanette Beavin-Bavalas) beschrieben sein sollten.
In Österreich hat Insoo Kim Berg im Rahmen der ÖAS ab 1987 zunächst hauptsächlich in Salzburg bei Gerhard Walter und Rudolf Kronbichler, 1996 am Kongreß im Hotel Panhans („Tanz an der Grenze“) und im vergangenen Dezember in Wien Workshops abgehalten bzw. Kongressbeiträge geliefert. Sie hat aber auch mit anderen Personen und Organisationen aus Österreich intensiv zusammengearbeitet, so etwa mit Marianne Rössler und Wolfgang Gaiswinkler im Rahmen der Fortbildung für Personen in sozialen Berufen („OS’T-Netzwerk für Organisationsberatung, Sozialforschung, Supervision, Training“), der PEF Privatuniversität für Management und der Solutions in Organisations („SOL“) – Sektion Österreich unter der Federführung von Dr. Günter Lueger.
Insoo Kim Berg hat auch eine Vielzahl an Publikationen veröffentlicht. Die bekanntesten Bücher von Insoo Kim Berg sind:
  • Insoo Kim Berg: Familien Zusammenhalt(-en). Verlag Modernes Lernen. Dortmund 1992
  • Scott Miller und Insoo Kim Berg: Die Wunder Methode. Verlag Modernes Lernen. Dortmund 1997
  • Peter De Jong und Insoo Kim Berg: Lösungen (er-)finden. Verlag Modernes Lernen. Dortmund 1998
  • Insoo Kim Berg und Therese Steiner: Children’s Solution Work. Norton & Company. London-New York 2003
  • Insoo Kim Berg und Peter Szabo: Brief Coaching for Lasting Solutions. Norton & Company. London-New York 2005
Insoo Kim Berg war für ihren Gatten Steve De Shazer in besonderem Maße Impulsgeberin. So antwortete er auf die Frage, woher er seine konzeptuellen Ideen genommen habe, in seiner unnachahmlich kurzen Art „Watching Insoo’s work!“.
Insoo Kim Berg hat sehr darunter gelitten, dass Steve De Shazer vor knapp anderthalb Jahren plötzlich verstorben ist. Beide sind nun wieder vereint. An uns, die wir von beiden soviel lernen konnten und die uns im Rahmen der von ihnen maßgeblich mitgestalteten Community mit vielen Personen aus verschiedenen Teilen der Welt zusammengeführt haben, wird es nun liegen, Steve und Insoo’s Ideen weiterzuentwickeln und beide in unserem Tun weiterleben zu lassen.



Suche
Heute ist der
Aktuelle Nachrichten
15.06.2014
Die Systemische Gesellschaft sucht zum 1. Januar 2015 neue Geschäftsführung
10.04.2014
W 3 Endowed Professorship for Systemic Family Therapy in Freiburg
08.04.2014
Gesundheitsausgaben 2012 übersteigen 300 Milliarden Euro
28.01.2014
Fast jede zweite neue Frührente psychisch bedingt
17.12.2013
Diagnose Alkoholmissbrauch: 2012 wieder mehr Kinder und Jugendliche stationär behandelt

Besuche seit dem 27.1.2005:

Counter




RSS Newsfeeds Verzeichnis RSS-Scout - suchen und finden