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Nachruf auf Heinz-Dieter Jung (1950-2011), Leitender Arzt des Albert-Schweitzer-Therapeutikums Holzminden, Fachklinik für Kinder und Jugendpsychiatrie

Heinz-Dieter Jung

Eugene Epstein & Manfred Wiesner:

Viel zu früh hat die Kinder- und Jugendpsychiatrie Deutschlands mit Dr. Heinz-Dieter Jung einen ihrer engagierten Praktiker verloren.
Nach Tätigkeit an der Universitätsklinik Göttingen begann er Ende der 80er Jahre unter systemischen Gesichtspunkten als Leitender Arzt die Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie in Wilhelmshaven aufzubauen. Wir hatten das Glück, ihn hierbei unterstützen und mit ihm zusammenarbeiten zu können. Nach unserer Kenntnis schrieb er seinerzeit als erster eine Stelle in der Kinder- und Jugendpsychiatrie aus, die gezielt an sozial-konstruktionistisch orientierte TherapeutInnen gerichtet war.
Als Mann der Tat stellte er sich 1999 der Herausforderung, die Fachklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Holzminden (Albert-Schweitzer-Therapeutikum) – nach tragischer Vorgeschichte – zu einer ebenfalls nach systemischen Grundsätzen arbeitenden Klinik umzugestalten. Wie in Wilhelmshaven gelang es ihm auch dort  im Laufe seiner Tätigkeit, ein engagiertes und erfolgreich arbeitendes Team aufzubauen.
Heinz-Dieter Jung suchte nicht den öffentlichen Ruhm oder äußerliche Zeichen der Anerkennung. Er war bescheiden und verwies immer wieder auf den Ideenreichtum und die Einsatzbereitschaft seiner MitarbeiterInnen – er war, wie man heute sagt, ein supportive leader. Die MitarbeiterInnen wiederum schätzten ihn als einen zugänglichen, präsenten, humorvollen und kenntnisreichen Chef, mit dem man gern zusammen arbeitete. Er besaß die Fähigkeit, eine wohlwollende, nicht-hierarchische und unprätentiöse Nähe sowohl zu seinen MitarbeiterInnen als auch zu den Familien, die in seine Klinik kamen, herzustellen. Eine moderne Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie nach seiner Vorstellung sollte kinder-, jugend- und familienfreundlich sein und sich auch äußerlich von einem Krankenhaus unterscheiden. Sie sollte gemütlich und gleichzeitig anregend sein.
Beim Streben nach Umsetzung dieser Vision kam ihm zu Hilfe, ein Allrounder zu sein. In der Therapie konnte er auf seine systemtherapeutische Gesprächskunst, setzen. Als Leitender Arzt vermochte er es zudem, eine kluge Kooperation und Diskussion mit den zuständigen Stellen des Sozialministeriums zu pflegen, seine Klinik ökonomisch gut aufzustellen und sie inhaltlich stets weiter zu entwickeln. Er war sich zu nichts zu schade, nahm deshalb die technische Instandhaltung der Klinik auch mal selbst in die Hand. Es machte ihm sogar Freude, wenn er selbst etwas anpacken und reparieren konnte.
Auch in anderen Hinsichten lebte er jene nonkonformistische Haltung, die die systemische Bewegung in den 80er und 90er Jahren auszeichnete. Gleichwohl er ein versierter Kinder- und Jugendpsychiater und Kinderarzt war, verstand er die kinder- und jugendpsychiatrische Wirklichkeit als eine neben anderen und war offen für andere Wirklichkeiten.
Gegenüber der Pharmaindustrie beispielsweise war er skeptisch. Auf einer von der Pharmaindustrie gesponserten Veranstaltung Mitte der 90er Jahre, auf der die so genannten „neuen Neuroleptika“ als Wundermittel ohne bedeutende Nebenwirkungen gepriesen wurden – eine trügerische Hoffnung, wie inzwischen manche denken - fragte er den Referenten, ob er selbst diese Medikamente ausprobiert habe. Der Referent und die anderen Zuhörer schauten ihn etwas verwirrt an. Heinz-Dieter Jung erklärte, dass er sich als Kinderarzt und Kinder- und Jugendpsychiater verpflichtet fühle, die Medikamente, die er anderen verschreibe, ausführlich in ihren Wirkungen und Nebenwirkungen zu kennen. Er habe deswegen verschiedene Präparate durchaus schon mal selbst ausprobiert. Diese Erfahrungen hätten ihm verständlich gemacht, dass Patienten sich nicht selten schwer täten, die Medikamente ohne weiteres einzunehmen.
Er war nicht fundamentalistisch in seinem Denken, aber er war bereit, für seine Ideen zu kämpfen.
Wir glauben fest daran, dass der Geist seines Wirkens weiterleben wird. Nicht zuletzt sein von ihm sehr geschätztes MitarbeiterInnenteam in Holzminden wird seine Haltung lebendig halten.
Wir werden nicht vergessen, wie er uns noch im letzten Sommer auf seiner kleinen Vespa bei einem Besuch des Albert-Schweitzer-Therapeutikums den Weg von seinem Zuhause zu seiner Klinik wies – ein Chefarzt ohne Dünkel.
Wir vermissen einen guten Freund und einen Mitstreiter für eine menschengerechte und systemisch orientierte Kinder- und Jugendpsychiatrie.
Im Februar dieses Jahres verstarb Heinz-Dieter im Alter von 60 Jahren. Wir danken ihm für alles, was er uns gegeben hat.



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