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systemagazin-Adventskalender: Kongressgeschichten
Rosmarie Welter-Enderlin: 1990 - Mein erster eigener Kongress, in ausgelatschten Schuhen

1987 kam auf meine Initiative das Ausbildungsinstitut in Meilen bei Zürich zustande. Wir waren fünf Leute, von denen einige sich kannten, andere nicht. Woher wir den Mut nahmen, ohne finanzielle Reserven im Sommer 1989 einen internationalen Kongress zu entwerfen, erinnere ich mich nicht. Den Titel "Familienwelten" hatten wir rasch, und wir wussten, was wir wollten: die Vielfältigkeit von familienähnlichen Lebensformen beleuchten. Das Thema war für uns klar und ist es heute noch. Aber würde es das auch für unser (internationales) Publikum sein? Zweifel kamen mir, als jemand mir anonym unser schönes Plakat zurückschickte mit dem leicht veränderten Schriftzug "Familie Welter". Ich buchte es unter Neid ab und steckte es in den Papierkorb, aber so ganz wohl war mir nicht. Im Frühjahr 1990, an einem eisigen Märztag, wanderten um die 450 Teilnehmenden in die Eidgenössische Technische Hochschule in Zürich, und ich sass zappelnd vor Aufregung mit Kolleginnen und Kollegen an einem langen Tisch vor dem Auditorium Maximum, auf dem die Kongressmappen lagen.
Meine Freundin Birgit Littmann, Kunsthistorikerin, hatte im Foyer eine prächtige Ausstellung zur Geschichte der Zürcher Familie Welti vorbereitet, deren Biographie sich über Jahrhunderte spannt. Wer kam, hat sich mit dieser Ausstellung befasst - eine Freude, die Reaktionen zu hören! Im AudiMax legte meine Schwester Hanni, Floristin, mit ihren Freundinnen zum letzten Mal Hand an die prächtigen Frühlingsblumen aus dem elterlichen Geschäft, und der Hauswart der ETH prüfte Licht und Ton, Ich rannte hin und her, begrüsste rundum vertraute Menschen, und plötzlich deutete mir der Hauswart, es sei höchste Zeit für meine Begrüssung und Eröffnungsrede. Als ich verzweifelt auf meine ausgelatschten Schuhe und das zerdrückte Kleid starrte, führte meine Freundin Birgit mich ins Rampenlicht und flüsterte mir zu, diese Unvollkommenheit sei mein Tribut an die neidischen Götter. Er war es offensichtlich! Der Kongress ist rundum wunderbar gelungen.
Aber zu wunderbar ist nicht im Sinne der Götter. Eine Kollegin, die mit mir am Tisch der Rezeption gesessen hatte, kam ganz zu Anfang ins AudiMax geschlichen und winkte mich heraus. Eine kleine ältere Frau in der Uniform eine Krankenschwester war daran, Taschen und Köfferchen wegzutragen, die von Teilnehmerinnen gutgläubig in die Garderobe gestellt worden waren. As ich sie um Auskunft bat, verschwand sie in der Damentoilette… Ich rannte zur öffentlichen Telefonkabine - Handies gab es 1990 noch kaum - rief den Polizeiposten an und bat um Unterstützung. Da aber keine Hilfe in Sicht war, forderte mich der Beamte auf, das Publikum schnell zu informieren. Weil gerade jemand mit einem Vortrag zugange war,  bat ich meine Arbeitsgruppe, die "Krankenschwester" und ihre Beute nicht aus den Augen zu lassen, während ich auf eine Redepause wartete. Dann leerte sich das Auditorium in kurzer Zeit, und es gab ein Gerenne mit Koffern und Taschen zur Deponierung an sicheren Orten.
Als die Polizei kam, war der Spuk vorbei. Ich hörte noch, wie die "Krankenschwester" die Polizei informierte, dass sie das alles für ihren drogensüchtigen Neffen tue. Der Polizist sagte ihr ruhig, dass er diese Geschichte schon ein Dutzend Mal gehört hätte. Ich nahm schnell wieder Platz im Audimax. Am Abend dieses Tages hatte ich endlich Zeit, das gute Kleid und die guten Schuhe anzuziehen, bevor wir in die prächtig dekorierte Turnhalle unterhalb des Audimax traten, wo die beste Schweizer Band, The Shaking Piranhas, aufspielte. Gianfranco Cecchin aus Mailand, der Kollege von Mara Selvini Palazzoli, der inzwischen leider gestorben ist, forderte mich zum Tanzen auf. Während ich mit ihm tanzte, fiel die ganze Unsicherheit des Tages von mir ab. Ich genoss es, dass "mein" Team emotional so sehr präsent war, und ich genoss die Anwesenheit unserer Gäste. Besonders erinnere ich mich an die vielen Gäste aus Ostdeutschland. Viele von ihnen assen zum ersten Mal Rauchlachs und später Zuger-Kirschtorte, und ich fand es wunderbar, die Rolle der Gastgeberin zu spielen.



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