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systemagazin special: "Kongressgeschichten"
Eugene Epstein: Intensiv und respektvoll

In New York City in 1982, habe ich der jährlichen „American Orthopsychiatry Association Annual Conference“ besucht. Ich war frisch von der Uni, arbeitete in einer Beratungstelle und war völlig verliebt in der strukturelle und strategische Familientherapie der derzeit hoch in Mode war. Orthopsychiatry war eine recht bunte schulenübergreifende und interdisziplinäre Organisation für Fachmenschen tätig in Felder der Psychiatrie, Psychotherapie und Beratung. Da prallten Welten, Theorien und Menschen auf einander und einen Klima von apodiktischer Gewissheit, Rechthaberei und Besserwisserei herrschte. Missionäre Idealismus war überall zu spüren, eine tiefe Überzeugung, dass gewaffnet mit der richtigen therapeutischen Methoden und Interventionen, könnten Mennschen, und vielleicht auch der Welt verändert und verbessert.
Obwohl es wirklich nur ein Zufall war, dass ich mich in seinem Workshop sitzend wiederfand, traf ich dort Harry Goolishian zum ersten Mal. Es war eine Erfahrung, die ich nie vergessen werde! Es nahmen ungefähr 50 Menschen an diesem Workshop teil und nach einer kurzen Einführung zeigte Harry ein paar Minuten einer Therapiesitzung auf Video. Anstatt dann das zu tun, was ich gelernt hatte, in solchen Workshops zu erwarten, nämlich sich selbst als Experte darzustellen, dessen scharfe Beobachtungen, theoretische Einsichten und Interventionen den Tag mit schwierigen Klienten rettete, lud er die Anwesenden dazu ein, ihre eigenen Ideen zu dem, was sie sahen, einzubringen. Einer nach dem anderen hob die Hand und sagte ein paar Sätze. Und fast das gesamte Spektrum gegenwärtiger psychotherapeutischer Theorien wurde dargelegt: Einige Teilnehmer sahen Übertragung und Gegenübertragung, andere waren an Identitätsproblemen interessiert, wieder andere sahen Triangulationen und einige beschäftigten sich mit strategischen oder strukturellen Interventionen. Einige Murray Bowen-Anhänger sprachen von Familienkonflikten, während Tiefenpsychologen ihre Perspektiven darboten. Ich hörte zu, fasziniert von dieser Kakophonie verschiedener Perspektiven und konnte mir nicht vorstellen, wie Harry diese Situation klären wollte, ohne mit einem oder allen Teilnehmern in Konflikt zu geraten. Aber das war genau das, was er vermied und zwar mit einer Leichtigkeit und Ruhe, die mir einfach den Atem verschlug! Zu einer Zeit, in der fast jeder in Stellungskriegen verwickelt war, in der man erwartete, dass es auf jedem Workshop, den man besucht, hitzige Diskussionen geben würde, hörte Harry einfach intensiv und respektvoll allen unterschiedlichen Meinungen zu, ohne zu kritisieren oder mit irgendjemandem in Streit zu geraten. Er hat „einen Kontext hergestellt, in dem Dialog entstehen kann“, obwohl er es erst Jahre später selbst so beschrieben hatte.
Auf jeden Fall war ich von Harry so gefesselt, dass ich einige Jahre später, als Harlene Anderson mich einlud, einige Zeit am Galveston Family Institute zu verbringen, meine Taschen packte und sofort hinfuhr, um dort zunächst als Fellow, dann als Lehrtherapeut zu bleiben, bis kurz vor Harrys Tod.



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