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RTL, Ehe-TÜV und Badewannen. Anfragen „außer der Reihe“ an einen Paartherapeuten
Hartwig Hansen, Hamburg:

So, jetzt ist es so weit. Jetzt schreibe ich das mal auf, was für bemerkenswerte Anrufe ich mitunter entgegennehme – nein, nicht die von der Lottogesellschaft mit garantierter Gewinnchance beim Kauf eines Jahresloses zu 298,- Euro, und auch nicht die mit dem altruistischen Hinweis auf den günstigsten Handytarif („Wie hoch ist denn Ihre monatliche Telefonrechnung?“). Nein, und auch nicht die, die per Computerstimme einen ganz dringenden Rückruf zur Abholung eines Gewinns einfordern.
Ich meine zum Beispiel folgenden von heute Nachmittag: „Guten Tag, ich heiße Erwin Lottemann und arbeite für die Fernsehproduktionsfirma media super. Wir sind auf der Suche nach der Vermittlung eines Paares, das seine sexuellen Probleme gerne mit Hilfe eines Paarberaters klären bzw. bearbeiten möchte. Haben Sie einen Moment Zeit?“
Ich frage: „Für welchen Sender wäre das denn?“ Die Antwort von Herrn Lottemann ist erfrischend direkt, andere drucksen da länger herum. Er sagt: „Für RTL.“
Meine Haltung ist nach grundsätzlicher Überlegung zu solchen Anfragen seit Längerem klar: „Ich glaube, ich weiß, was Sie meinen und suchen. Ich persönlich habe mich aber entschieden, so etwas grundsätzlich nicht zu machen.“ Die Nachfrage bleibt nicht aus: „Darf ich fragen, warum?“ – „Ja, das geht mir heute alles schon viel zu weit, was da im Fernsehen öffentlich behandelt wird. Paarberatung ist sehr individuell und intim, das gehört einfach nichts ins Fernsehen!“
Herr Lottemann bedankt sich höflich für die Zeit, die ich mir genommen habe – es waren wohl zwei Minuten – und freut sich, als ich ihm noch alles Gute wünsche.
Oder den Anruf vor vierzehn Tagen: „Mein Name ist Kathrin Braun von der Zeitschrift Super-Illu. Ich schreibe gerade an einem Artikel, in dem es um Folgendes geht: Kommt es in Partnerschaften nicht häufiger vor, dass sich der eine als gekränkt und verletzt ausgibt, um Schonung zu erfahren und damit Kränkung oder Verletzung als Waffe einsetzt. Haben Sie damit Erfahrungen?“ Wie darauf nun spontan am Telefon antworten? Ich versuche es eher widerwillig: „Mir persönlich ist so etwas noch nicht aufgefallen. In Beratungen sollte es ja auch eher um die Ermutigung zur authentischen Kommunikation gehen. Da nehme ich erst einmal jede Gefühlsäußerung für wahr. Also: entweder bin ich zu doof, es zu merken, oder es gibt so etwas in Beratungen tatsächlich seltener.“ Frau Braun ist schnell zufriedenzustellen und sagt: „Okay, ich probiere es weiter, vielen Dank trotzdem.“
Oder auch die mittlerweile übliche Mail vor Weihnachten: „Sehr geehrter Herr Hansen, für den Ratgeberteil in unserer Zeitschriften-Ausgabe Heft 51 planen wir einen Beitrag zum Thema ‚So kommen Sie harmonisch über die Feiertage’. Darin wollen wir unseren Leserinnen Tipps geben, wie sie mit etwas Diplomatie Enttäuschung und Streit vermeiden können. Es wären maximal fünf Fragen in der Richtung. Hätten Sie in der nächsten Woche Zeit und Lust, mir meine Fragen zu beantworten? Hintergrund ist, dass ja in vielen Familien über Weihnachten das Konfliktpotenzial steigt; wegen Überfrachtung der Feiertage oder schlicht, weil man sonst nicht so intensiv ‚aufeinander hockt’.“ Mit freundlichen Grüßen
Frau im Spiegel / Echo der Frau / Das Goldene Blatt (beliebig austauschbar)
Alles echte Anfragen, „außer der Reihe“ gesammelt, nur habe ich Namen und Medien geändert.
Letzten Sommer zum Beispiel war folgender Anruf auf meinem Anrufbeantworter: „Guten Tag, ich heiße Brigitte Sonntag von (der Passauer Allgemeinen / dem Kurier Wilhelmshaven / dem Mannheimer Abendblatt – suchen Sie sich was aus). Jetzt beginnt ja die Urlaubszeit und wir fahnden nach einem Familien-Experten für ein kurzes Interview. Wir wollen gerne mit Ihrer Hilfe klären, was die Menschen tun können, um einen friedlichen und entspannten Urlaub gemeinsam zu verbringen. Wenn Sie mich zurückrufen würden, wäre es sehr nett. Meine Durchwahl ist ... Vielen Dank!“
Einer geht noch, oder? Zur Abwechslung mal wieder ein Herr vom Fernsehen: „Schneider, guten Tag, spreche ich mit Herrn Hansen?“ – „Ja.“ – „Ich rufe von der Firma Schwarz & Weiß an. Wir sind eine Produktionsfirma, die für namhafte private Fernsehsender tätig ist. Wir planen eine Fernsehshow, in der Paare, die heiraten wollen, Tests unterzogen werden, um herauszufinden, wie ihre Chancen sind für eine glückliche Ehe. Dazu werden ihnen verschiedene Aufgaben gestellt und eine Fachjury wird das Paar dann beurteilen bzw. bewerten. Ich rufe Sie jetzt an, Herr Hansen, um zu fragen, ob Sie eventuell Interesse an einem Probecasting haben ...“ – Sie kennen ja mittlerweile meine Antwort. Ich weigere mich, in einer Welt mitzuspielen, in der alles und jedes zu Unterhaltungszwecken vermarktet wird. Sollen solche Ehe-Shows jetzt einen neuen Trend einläuten, nachdem die „Wir-beleidigen-uns-gegenseitig-Talks“ langsam langweilig geworden sind? Reicht es immer noch nicht, wenn Super-Nannys und Restaurant-Tester losgeschickt werden, muss jetzt auch noch suggeriert werden, es gäbe einen durch „Fachleute“ abgesegneten Sicherheits-TÜV vor der Eheschließung? Muss man denn heute gar nichts mehr selber rausfinden – außer sich vor den Fernseher zu setzen? Ich mach da nicht mit. Auch Herr Schneider musste weitersuchen. Die Sendung ist mir im Fernsehen allerdings bis heute noch nicht aufgefallen.
Wie gesagt: Ich schreib das jetzt mal auf, wer so alles bei mir anklingelt: „Guten Tag, mein Name ist Herrhausen von Radio Mittelfranken. Wir machen nächste Woche eine Sendung über Erziehung und ich wollte Sie fragen, ob Sie uns als Experte für ein Interview zur Verfügung stünden. Die antiautoritäre Erziehung ist ja ein bisschen aus der Mode gekommen und es geht jetzt ja wieder mehr darum, den Kindern Grenzen aufzuzeigen. Im Sinne von: Wie viele Regeln braucht ein Kind? Dazu möchten wir Sie gerne befragen.“ – „Und wie kommen Sie da auf mich?“ – „Über das Internet.“ – „Und inwiefern halten Sie mich für geeignet für Ihre Sendung?“ –  „Sie sind doch Familientherapeut ...“ (Verwunderung in der Stimme von Herrn Herrhausen ...) –  „Das stimmt, aber ich glaube nicht, dass ich Ihnen etwas zu dem aus der Mode gekommenen antiautoritären Erziehungsstil sagen kann ...“ – „Ach so. Vielen Dank und einen schönen Tag noch.“
Welche Anrufe und Mail-Anfragen kriegen Sie eigentlich, liebe Leserin, lieber Leser, in den heutigen mediendominierten Zeiten mit einem spürbar anschwellenden „Expertenverschleiß“? Schreiben Sie mir doch einfach mal!
Skurril fand ich auch den: „Guten Tag, Herr Hansen, Bärbel Seeheim von der Firma Public Imaging.“ – „Von welcher Firma?“ – „Von der Firma Public Imaging, wir betreuen als Agentur die Öffentlichkeitsarbeit für einen großen Bäderhersteller. Duschen, Badewannen, Waschbecken et cetera. Und unser Kunde hat gerade eine tiefenpsychologische Studie zum Thema ‚Die Bedeutung von Baden und Duschen für die Selbstzufriedenheit’ abgeschlossen. Nun geht es ihm um die Präsentation der Forschungsergebnisse im Rahmen von Pressekonferenzen. Sie haben sich doch mit Partnerschaft beschäftigt ...“ – „Das ist richtig.“ – „Ja, wir suchen, unabhängig vom Thema Baden, für unseren Kunden einen Referenten, der den Hauptvortrag bei der Präsentation hält. Es geht um zwei Pressetermine in Dresden und Saarbrücken. Hätten Sie daran Interesse?“ – „Nein. Da müssen Sie wohl weitersuchen.“ – „Ja, gut, dann haben Sie vielen Dank, auf Wiederhören.“
Die Bedeutung von Baden und Duschen aus tiefenpsychologischer Paarberatersicht? Geht’s noch? Die Medien wechseln, die Themen sind quer durch den Gemüsegarten. Da wundere ich mich, dass noch keiner dabei war, der mich nach der Bedeutung der Sternzeichen-Aszendenten in Paarbeziehungen gefragt hat (gäähn!) oder Tipps dazu haben wollte, wo man nervtötende Schwiegermütter zur Eherettung abgeben und dafür die „Abwrackprämie“ kassieren kann.
Es gibt aber zu guter Letzt auch (seltene) Anrufe „außer der Reihe“, nach denen ich froh bin, rangegangen zu sein:
„Guten Tag, mein Name ist Lüdemann von der Polizei in Husum, spreche ich mit dem Paartherapeuten Herrn Hansen?“ – „Ja“, sage ich in den Hörer und das Blut fällt mir in die Beine. Polizisten melden sich eigentlich selten dienstlich bei mir. – „Ich rufe Sie in einer unangenehmen Angelegenheit an, Herr Hansen. Es geht um das Ärzte-Ehepaar Meinradt hier aus dem Kreis und um einen Fall von häuslicher Gewalt in der Ehe. Frau Meinradt hat Anzeige gegen ihren Mann erstattet, ist aber bereit, die Anzeige wieder zurückzuziehen, wenn ihr Mann mit zu einer Paarberatung kommt. Und nun sagt Herr Doktor Meinradt aus, er habe mit Ihnen, Herr Hansen, Termine im März verabredet, also im nächsten Monat. Ich rufe Sie jetzt an, um zu fragen, ob das stimmt.“ – „Ich verstehe“, sage ich und muss nicht lange überlegen. „Nein, ich habe keine Termine mit einem Ehepaar und auch nicht mit einem Herrn Meinradt verabredet. Tut mir leid.“ – „Mir auch. Ich hatte es fast befürchtet ... Offenbar kann man heutzutage noch nicht einmal mehr den Herren Doktoren glauben. Schade. Und vielen Dank für die Auskunft, Herr Hansen.“
Wie gesagt, ich wollte das alles nur mal aufschreiben…



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