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systemagazin special: "Das erste Mal"
Verena Kuttenreiter: Jeder sieht es völlig anders!

Über das erste Mal zu schreiben ist gar nicht so einfach für mich, da die Entfernung zu den Anfängen so groß noch nicht ist. Ich habe 2002 meine Ausbildung bei der ÖAS abgeschlossen. Es gibt außerdem mehrere erste Male, z. B. erste Male als Praktikantin auf der Psychiatrie (noch während der Ausbildung), erste Male in einer kleinen Beratungsstelle, erste Male in freier Praxis, erste Male im Institut für Ehe- und Familientherapie. Die Schwierigkeiten waren teilweise unterschiedliche und die Definition von Misserfolgen und Erfolgen ebenfalls.
Vielleicht einige Erkenntnisse, die mir das Leben etwas leichter gemacht haben (schwer war es nämlich schon immer wieder, am Anfang und ist es phasenweise immer noch. Und rückblickend vermute ich irgendeine höhere – nicht unbedingt nur wohlgesonnene - Macht, die einem wie zur Prüfung gerade am Anfang die schwierigsten Fälle schickt. Oder könnte es sich darum handeln, dass erfahrenere KollegInnen schneller abchecken, bei welchen KlientInnen sich vermutlich nicht die großen Erfolgserlebnisse einstellen werden und gerade diese dann an junge, motivierte TherapeutInnen weiterschicken, die sich dann daran die Zähne ausbeißen?):
Erste angenehme Erkenntnis war und ist diejenige, dass die schönsten, elegantesten Interventionen (von Profis) nicht immer die (von mir daraus abgeleiteten) entsprechenden Erfolge nach sich zogen. (Das konnte ich beobachten!) Was ich (als frisch ausgebildete) Therapeutin faszinierend fand, war für die Klientin noch lange nicht beeindruckend, geschweige denn, selbst wenn sie es beeindruckend fand, führte es zwangsläufig zu einer positiven Veränderung!
So können also überraschenderweise auch die patschertsten, holprigsten Versuche des Anschließens an die Horizonte von Klienten ganz passable Ergebnisse hervorbringen. (Was sich ja im übrigen ohnehin erst oft viel später feststellen lässt, nach drei Wendungen wird „Falsches“ vielleicht doch passend usw.)
Abgesehen davon hat mir erst unlängst wieder eine Klientin erzählt, dass der Satz XY von mir ihr so geholfen hätte – wäre nur schön gewesen, wenn ich ihn wirklich gesagt hätte. Was auch schon die zweite Erkenntnis wäre: Nein, nicht dass es egal ist, was man sagt, sondern: manchmal müssen Dinge gar nicht gesagt werden, man strahlt sie offenbar auf wundersame Weise irgendwie aus, sie werden einem zugeschrieben und können dadurch hilfreich sein!
Dritte sehr wichtige Erkenntnis: Das Gefühl, nur Misserfolge zu haben, die Frage, was das überhaupt ist, was man da in einer sogenannten Therapiestunde tut und das sich zunehmend bestätigende Gefühl, das man einfach nicht geeignet ist, um diesen Beruf auszuüben, steht in direktem Zusammenhang mit der Anzahl der Klientinnen. Je weniger man hat, umso mehr Zeit hat man, sich zu hinterfragen, umso bedeutungsvoller ist es, wenn Klienten nicht mehr kommen, die Therapie nicht so läuft wie sie sollte, etc.
Noch einmal schwieriger ist es, wenn man in einer Privatpraxis auf sich alleine gestellt ist und nicht beobachten kann, dass es anderen um keinen Deut besser geht. Viel leichter ist es da schon, in einer Institution zu arbeiten, wo die KlientInnen kommen und kommen und froh sind, dass sie nach Wartezeiten endlich eine Therapie machen dürfen und man sich mit Kolleginnen in aller Offenheit laufend über alltägliche kleine Misserfolge (und Erfolge) austauschen kann.  Sich dieses Forum zu schaffen halte ich für eine der wichtigsten Kraftquellen für TherapeutInnen.
Vierte Erkenntnis: ich habe das große Glück derzeit mit lauter großartigen Kollegen und Kolleginnen im Institut für Ehe- und Familientherapie zusammenzuarbeiten. Wenn wir in Intervisionen Fälle besprechen zeigt sich immer wieder: jeder sieht es völlig anders! Aber fast alle Sichtweisen sind in höchstem Maß plausibel, wenn sie entsprechend argumentiert werden. Ich meine wiederum nicht, dass es daher eh egal ist, was man tut, aber ich glaube, es gibt unzählige Arten, wie und wodurch man Menschen hilfreich sein – jede betont etwas anderes in einer Person, kehrt etwas anderes heraus oder lässt etwas anderes unbeachtet. Man wird sich schon etwas dabei gedacht haben, als man so oder so interveniert hat – frau sollte für sich üben, das auch argumentieren zu können, anstatt sich sofort nur zu hinterfragen.
Letztlich vertraue ich darauf, dass es zu einem großen Teil das Interesse an anderen Menschen ist, das den Rahmen bietet, innerhalb dessen frau sich einiges erlauben kann an Fehlern, Missverständnissen, Hinterfragungen, Transparenz und auch an Widerspruch zu Äußerungen von KlientInnen. Damit dieses Interesse erhalten bleibt ist es für mich wichtig, dass sich die Anzahl an Therapien in bestimmten Grenzen hält. Sonst käme ich mir als eine, die auch noch wirklich Interesse an anderen haben kann, zu wenig vor.



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