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systemagazin special: "Das erste Mal"
Jürgen Wessel: Von der unerwarteten Wirkung eines Arbeitsmottos

Eine der ersten supervisorischen Erfahrungen, die mir noch heute wegen der völlig unerwarteten Reaktion einer Supervisandin sehr präsent ist und die bei der Erinnerung ein überaus scharf gezeichnetes Bild in satten Farben vor mein geistiges Auge ruft, fand im Jahr 1999 statt. Wenige Monate nach Beginn der Weiterbildung zum systemisch-konstruktivistischen Supervisor beim IBS Aachen zeigten frühe Akquisebemühungen erste Erfolge insofern, als eine junge Realschullehrerin einen Kontrakt über fünf Sitzungen Einzelsupervision abschloss. Im Vorgespräch hatte sie als Beratungsanlass ein hohes Belastungsempfinden in den ersten Berufsjahren genannt.
Parallel stand zum Beginn der Supervisionsausbildung die Entwicklung eines systemischen Beratungsverständnisses bzw. einer professionellen Beraterrolle im Vordergrund. Und zwischen meinen Ohren klingelte von den ersten Tagen an das Kersting’sche Arbeitsmotto: „Hier arbeitet der Supervisand“ – ein verheißungsvolles Versprechen für das zukünftige professionelle Handeln und zugleich ein systemischer Tinnitus mit durchaus positiver Konnotation.
Die eigene hohe Bereitschaft zur Arbeit (über das Kersting’sche Motto hinaus – oder ihm mitunter gar entgegengesetzt) durchaus gewahr, aufgrund der Anfangssituation vermeintlich perfekt vorbereitet, leitete ich die Sitzung nach der Begrüßung mit der Frage ein: „Was möchten Sie heute für sich tun?“ Die Reaktion der Supervisandin kann als weiteres Indiz für das systemische Paradigma der Selbstorganisation oder das von Foerster’sche Modell der nicht-trivialen Maschine herhalten: Sie brach in Tränen aus. Und katapultierte mich gleichzeitig in eine meiner Lieblingsrollen, in die des Retters, in jene Beratungshaltung, die es gerade zu vermeiden galt.
Und bearbeitete in den nachfolgenden Minuten und Sitzungen den Grund ihres Kommens: die gefühlte Unterversorgung im neuen Arbeitssystem.
Das Kersting’sche Arbeitsmotto zieht sich bis heute durch meine supervisorische Tätigkeit. In abgewandelter und provokativer Form ist es als Postkarte in meinem Beratungsbüro präsent: „Wer nicht denken will, fliegt raus“ (J. Beuys) – an dieser Stelle ein Dank an die liebe Kollegin mit dem Faible für Postkarten, die es auf den Punkt bringen. Und die im Jahr 1999 erstmals erprobte Einstiegsfrage gehört heute zu meinem Standardrepertoire an Eröffnungen; einige Beratungskundinnen und -kunden erwarten sie mittlerweile zu Beginn.
Und der Tinnitus klingelt noch immer.



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