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systemagazin-special: "Besondere Begegnungen"

Luc Ciompi (1): Change we need!


Ich möchte gerne kurz die lange Geschichte meines jetzigen Musiklehrers Anton A. (Name geändert) erzählen. Er ist gegen 50, erfolgreicher Direktor einer florierenden lokalen Musikschule, mit einer Pianistin verheiratet, vielfältig aktiv und sozial bestens integriert. Vor über 30 Jahren war er während rund fünf Jahren mein Patient, zuerst kurz in einer psychiatrischen Klinik, dann längere Zeit in einer eben von mir eröffneten Tagesklinik, und anschließend über rund anderthalb Jahre im Rahmen einer mit einem Kollegen geführten systemischen Familientherapie Selvini-Stierlin-Kaufmannscher Prägung (wenn man unserem damaligen Eigengebräu unbedingt einen Namen geben will). In der Folge sah ich Anton in immer grösseren Abständen noch jahrelang ambulant, nicht selten in unkonventioneller Umgebung wie zum Beispiel in Bahnhofrestaurants oder anderen Lokalen.
Dann verlor ich ihn für viele Jahre gänzlich aus den Augen - bis ich eben vor jetzt 6 Jahren einen Musiklehrer suchte und ihn seither alle 1-2 Monate als gestrengen aber überaus sachverständigen Didakten erlebe. Von seinen seinerzeitigen psychischen Störungen ist, von einem anfänglichen summarischen Bericht abgesehen, kaum je mehr die Rede; sie sind bis auf unbedeutende, unter Stress gelegentlich auftauchende Restsymptome wie erhöhte innere Spannung und Entfremdungsgefühle längst völlig verschwunden – notabene ohne jegliche Langzeitmedikation, wie auch schon während der ambulanten Nachbehandlungsphase. Die seinerzeitige Diagnose war zweifelsfrei rekurrierende Schizophrenie, die Symptomatik durch periodisch über Wochen bis Monate einschiessende wahnhaft-halluzinatorische Erlebnisse mit Derealisations- und Depersonlisationserscheinungen, inadäquatem Verhalten und Erregungszuständen geprägt.
Diese von mir über viele Jahr hautnah miterlebte Früh- und Spätgeschichte ist für mich auch heute noch, wo ich selber bald einmal 80 bin, nach wie vor hochgradig bedeutsam. Sie zeigt nicht nur, was für ein krimineller Unsinn, jedenfalls im Mund eines Experten, das schreckliche Diktum „einmal schizophren – immer schizophren“ ist. Ich brauche starke Worte, zugegeben – aber was ich diesbezüglich gerade vor Kurzem wieder in einer psychiatrischen Expertise lesen musste, geht wirklich auf keine Kuhhaut! Darüber hinaus stellt diese Geschichte – und ich könnte viele ähnliche erzählen -  das ganze, zumindest im medizinisch-universitären Rahmen wieder einmal fast ausschliesslich biologistische Psychosenverständnis infrage. Wie wenn es keine soziodynamische und familientherapeutische Forschung, keine Langzeituntersuchungen und keine tragfähigen psycho-sozio-biologischen Integrationskonzepte gäbe. Wieso werden solche hoffnungsgebende, jeder gleichmacherischen statistischen Prognostik zuwiderlaufende Fälle immer wieder systematisch ausgeblendet?. Wieso werden sie nicht gezielter gesammelt und beforscht? An uns systemisch-ganzheitlich orientierten Therapeuten ist es, dies zu ändern („change we need!“ – ich schreibe diese Zeilen gerade 3 Tagen vor der amerikanischen Präsidentenwahl – let’s hope!).



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